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Zlatan Ibrahimovic (l.) wechselte vor der Saison vom AC Mailand zu Paris St. Germain © witters

Der Schwede wird nach seinem Traumtor gegen England von allen Seiten mit Lob überschüttet. Er misst dem Tor weniger Bedeutung zu.

Stockholm - "Ibrakadabra" hat die Fußball-Welt mit einem Geniestreich verzaubert:

Mit einem sagenhaften Fallrückzieher-Treffer der Marke "Tor des Jahrzehnts" aus fast 30 Metern krönte Schwedens Ikone Zlatan Ibrahimovic beim 4:2-Erfolg der Tre Kronor gegen England in unnachahmlicher Manier seine ohnehin schon imponierende Galavorstellung mit vier Treffern. (ROUNDUP: Ibrahimovic-Show gegen England)

Sein "Tor der Götter" (Daily Mail) hievte den Exzentriker auf eine Stufe mit Legenden wie Diego Maradona, Pele oder Marco van Basten in den Olymp für die Schützen der schönsten Treffer aller Zeiten.

Schwedens Zeitungen überschlugen sich insbesondere für das "Tor aus dem Fußball-Himmel" (Dagens Nyheter) mit Superlativen für den schwedischen Stürmerstar: "Geht auf die Knie und verbeugt Euch so tief Ihr nur könnt vor dem Besten der Welt", schrieb "Expressen" pathetisch.

Ibrahimovic wird mit Lob überhäuft

Nur einen Monat nach Ibrahimovis Glanzauftritt beim auch schon historischen 4:4 der Schweden in Berlin gegen Deutschland meinte das "Svenska Dagbladet": "Ja, er ist wirklich von einem Stern."

"Aftonbladet" ernannte den 31-Jährigen nach dem Eröffnungsspiel in Stockholms neuer "Friends Arena", in dem Ibrahimovic ein 1:2 binnen der letzten 15 Minuten per Hattrick im Alleingang in einen Triumph der Gastgeber verwandelte, zu "Schwedens Stolz".

Mehr noch: Das Blatt ("Er holt die Sterne vom Himmel") scharte gleich die gesamte Nation um den Sohn bosnisch-kroatischer Einwanderer: "Wir kommen alle aus Zlatan-Land."

[kaltura id="0_cz8tfibj" class="full_size" title="Knallfallzieher! Giganten-Tor von Ibrakadabra"]

Fischer beeindruckt

Auch "Mister Fallrückzieher" Klaus Fischer zieht den Hut vor Ibrahimovic: "Das könnte das Tor des Jahrhunderts werden", glaubt er im SPORT1-Interview (das komplette Interview ab 18.30 Uhr bei Bundesliga Aktuell) .

Der frühere Schalke-Stürmer hatte 1977 und 1982 jeweils mit einem Fallrückzieher das Tor des Jahres in Deutschland erzielt.

Erstes Tor wichtiger

Ibrahimovic selbst maß jedoch dem Tor, das den Goalgetter vom französischen Topklub Paris St. Germain als Fußballer wohl tatsächlich unsterblich gemacht haben dürfte, viel weniger Bedeutung bei als seinem 1:0-Führungstreffer gegen die Briten:

"Mein erstes Tor ist mir lieber, denn es war das erste Tor in unserem neuen Nationalstadion und damit ein historisches."

Ibrahimovic erklärt sein Tor

Wirklich auf ewig unvergesslich jedoch dürfte allein sein "Tor der Götter" bleiben.

Deswegen auch musste der Kunstschütze in den Katakomben des neuen Rasunda-Stadions immer und immer wieder sein Zauberstück auf der halbrechten Angriffsseite erklären.

"Ich sah den langen Ball kommen, und ich sah, dass Englands Torwart Joe Hart herauskam. Ich überlegte, ob ich in den Zweikampf mit ihm gehen oder auf seine Abwehr warten sollte", sagte Ibrahimovic:

"Als er den Ball nur hoch wegköpfte, hatte ich schon den Hintergedanken, dass ich versuchen würde, das Tor zu treffen. Als ich wieder auf dem Boden landete, sah ich nur, wie ein englischer Verteidiger noch versuchte, den Ball wegzuschlagen, es aber nicht mehr schaffte. Es war auch viel Glück dabei."

Große Bewunderung

Schwedens Nationaltrainer Erik Hamren, schon beim 4:4 gegen Deutschland überwältigt von Ibrahimovics Fähigkeiten, fand für den "stratosphärischen Fallrückzieher" (El Periodico/Spanien) keine Vergleiche mehr:

"Zlatan macht manchmal im Training und auch in Spielen diese Dinge, die eigentlich nicht möglich sind. Sein viertes Tor war wieder so etwas, nämlich eigentlich nicht möglich. Man denkt immer wieder, dass man in einem Videospiel ist, weil es einfach nicht möglich sein kann, was er macht."

Ganz ähnlich erlebte Tobias Sana von Borussia Dortmunds Champions-League-Gegner Ajax Amsterdam, der gegen Deutschland erst sein Debüt für Schweden gegeben hatte, die "ibrahimagische" (L'Equipe/Frankreich) One-Man-Show seines Kapitäns.

"Das war perfekt", sagte der 23-Jährige und fügte bewundernd hinzu: "Das war kein Spiel Schweden gegen England, das war Zlatan gegen Kinder."

Kein Tor des Jahres

In Ibrahimovics derzeitiger Wahlheimat Frankreich, wo der Exzentriker nach Erfolgen und Querelen gleichermaßen bei Ajax, Juventus Turin, Inter Mailand, FC Barcelona und AC Mailand nun PSG zu einem neuen Höhenflug verhelfen will, fasste die Pariser Zeitung "Le Monde" den "Moment der Genialität" ebenso treffend zusammen:

"Dieser Spieler schießt keine Tore - er erfindet sie."

Keine Chance auf Tor des Jahres

Aller weltweiten Verzückung zum Trotz kann Ibrahimovics Treffer jedoch nicht offiziell "das schönste Tor des Jahres 2012" werden:

Die entsprechende Internet-Abstimmung des Weltverbandes FIFA für den Ferenc-Puskas-Preis nämlich war am Mittwoch nur wenige Stunden vor dem Coup des Schweden schon eröffnet worden.

Auf SID-Anfrage teilte die FIFA am Donnerstag allerdings mit, dass die Auswahl-Kommission Ibrahimovics Zaubertor für 2013 vorschlagen dürfe.

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