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Der niederländische Fußball gerät erneut durch Fangewalt in ein negatives Licht © imago

Der Fall des totgeschlagenen Linienrichters wird immer brisanter. Es sind mehr Jugendliche beteiligt als ursprünglich vermutet.

Köln - Nach dem gewaltsamen Tod eines Linienrichters im niederländischen Amateur-Fußball kommen weitere Details ans Licht, auch der nationale Verband KNVB gerät dabei unter Druck.

Mehr Jugendliche als bislang vermutet sollen an der tödlichen Prügelattacke auf den Schiedsrichter-Assistenten Richard Nieuwenhuizen beteiligt gewesen sein.

Zudem waren die mutmaßlichen Täter wohl keine Unbekannten - umso vermeidbarer scheint der tragische Tod des erst 41 Jahre alten Mannes, der am Montag im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag.

Fünf Jugendliche als Täter

Fünf statt wie bislang vermutet drei Jugendliche sollen Nieuwenhuizen am Sonntag nach dem Spiel von Nieuw-Sloten beim SC Buitenboys in Almere angegriffen haben, das berichtet die Tageszeitung "Telegraaf".

Die mutmaßlichen Täter im Alter von 15 und 16 Jahren sind allesamt Spieler Nieuw-Slotens.

Im niederländischen Jugendfußball ist der Klub aus der Nähe Amsterdams anscheinend kein unbeschriebenes Blatt: Ehrenamtliche Helfer anderer Amateur-Klubs erhoben schwere Vorwürfe gegen den KNVB.

Verband nicht hart genug

Auf frühere Taten von Spielern der Jugendmannschaften Nieuw-Slotens habe der Verband demnach nicht hart genug reagiert, obwohl die Schiedsrichter sie in ihren Berichten deutlich geschildert hätten.

So soll es schon im Oktober zu einem bemerkenswerten Zwischenfall gekommen sein.

[kaltura id="0_i37k09bo" class="full_size" title="Trauer um totgepr gelten Linienrichter"]

Akteure der inzwischen vom Spielbetrieb ausgeschlossen B1 von Nieuw-Sloten sollen damals Morddrohungen gegen den Trainer des FC Almere ausgesprochen haben.

"Wenn du nicht schon über 50 wärst, würden wir dich totschlagen", so der kolportierte Wortlaut, der Mann sei daraufhin ins Vereinsheim geflüchtet.

Zum Rückspiel traten die Spieler aus Almere aus Angst nicht mehr an. Trotz eindeutiger Vermerke der Schiedsrichter seien die aufgeführten Zeugen nach diesem und ähnlichen Vorfällen nicht angehört worden, so der Vorwurf an den Verband.

Der KNVB habe nach der Papierlage bestraft.

Diskussion um Gewaltexzesse

Der tragische Fall von Almere rückt eine bekannte Diskussion um Gewaltexzesse in den unteren Ligen der Niederlande erneut ins Licht. Zuletzt verfolgte der Verband diese keineswegs untätig.

Wie der KNVB bereits im August mitteilte, schloss er im Verlauf der vergangenen Saison wegen Gewalttätigkeiten insgesamt 105 Mannschaften aus den Amateurligen aus, allein 74 Akteure wurden lebenslänglich gesperrt.

Nach harter Kritik am kollektiven Ausschluss ganzer Mannschaften soll die Suspendierung von Teams allerdings nur noch in allerletzter Konsequenz vorgenommen werden.

Sportler zeigen sich schockiert

Auch viele andere Sportler zeigten sich schockiert von dem Vorfall. Die niederländischen Verbände für Schwimmen (KNZB), Volleyball (Nevobo) und Eishockey (NIJB) riefen zu einer Schweigeminute am Wochenende auf.

"Wir sind schockiert und auch wütend, dass ehrenamtliche Helfer bei ihrer Tätigkeit von solch einer Gewalt getroffen werden können. Wir rufen alle Mitglieder auf, respektvoll mit allen ehrenamtlichen Helfern wie Schiedsrichtern und Jury-Mitgliedern umzugehen", erklärte KNZB-Direktor Jan Kossen.

Drei Jugendliche sitzen derzeit in Isolationshaft und werden von der Staatsanwaltschaft Amsterdam wegen Totschlags angeklagt. Am Donnerstag sollen sie dem Richter vorgeführt werden. Weitere Verhaftungen wurden bislang nicht vorgenommen.

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