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Lothar Matthäus ist seit April 2008 Trainer bei Maccabi Netanya © getty

Einer Zeitung zufolge ist Lothar Matthäus beim deutschen Gegner als Cheftrainer im Gespräch, doch der Rekordnationalspieler dementiert.

Oslo - Rekordnationalspieler Lothar Matthäus soll angeblich Trainer der norwegischen Nationalmannschaft werden.

Das berichtet die norwegische Boulevardzeitung "Verdens Gang" am Dienstag unter Berufung auf eine "zentrale Quelle im deutschen Spitzenfußball".

Norwegen, am Mittwoch in Düsseldorf erster Länderspielgegner der deutschen Auswahl (ab 20 Uhr LIVE) im Vor-WM-Jahr 2009, wird derzeit interimsmäßig von Egil Olsen betreut.

Matthäus selbst wollte auf konkrete Nachfrage von einer Anfrage oder gar Verhandlungen mit den Skandinaviern nichts wissen: "Ich habe keinen Kontakt zu Norwegen, ich bin Trainer in Netanya. Ich will das Ganze nicht weiter kommentieren."

Matthäus ist seit 2008 beim israelischen Erstligisten Maccabi Netanya unter Vertrag. Das Engagement ist für zwei Jahre angedacht.

Verband hält sich bedeckt

Interimstrainer Olsen soll nach dem Spiel in Deutschland noch in zwei weiteren Testspielen auf der Bank sitzen.

Bis am 6. Juni in Mazedonien die WM-Qualifikation fortgesetzt wird, soll der neue Chef gefunden sein. Als die heißesten Kandidaten für den Posten galten bislang Staale Solbakken (FC Kopenhagen) und Olsen selbst, nun wurde erstmals der Name Matthäus genannt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Auf die Nachfrage, ob es Gespräche mit Matthäus gegeben habe, meinte Karen Espelund, Generalsekretärin des Verbandes: "Dazu habe ich keinen Kommentar."

Olsen selbst glaubte schon am Dienstagnachmittag nicht, dass Matthäus sein Nachfolger werden könnte: "Der Verband hat einen Kandidatenkreis gestellt. Ich bezweifle, dass Matthäus auf der Liste steht."

Kritik an Olsen

Die öffentliche Debatte über einen neuen Trainer in Norwegen ist Wasser auf den Mühlen der Kritiker von Olsen, denn bei seiner Berufung gab es einen Aufschrei der Empörung.

Seine Anstellung als Interimscoach "ist ein großer Rückschritt", sagte etwa Kjetil Rekdal. Der norwegische Verband, meinte der ehemalige Bundesliga-Profi und -Trainer, "hat damit mal wieder seine Inkompetenz unter Beweis gestellt".

Als Trainer zu altmodisch

Rekdal und andere werfen Olsen vor, an einer veralteten Taktik festzuhalten: Ein 4-5-1-System, aufgebaut auf solider Defensive und langen Bällen auf einen "Leuchtturm" im Sturm - für die Kritiker die Definition von überholtem, langweiligem Fußball.

"Das Spiel hat sich entwickelt, seit er Norwegen das erste Mal betreute", sagte Rekdal. Uwe Rösler, Trainer bei Viking Stavanger, glaubt: "Er war ein großer Trainer, aber er hat lange kein Team mehr auf Top-Niveau trainiert."

Nur kurze Engagements

Olsen, der früher gerne in Gummistiefeln auftrat, hat Norwegen zu zwei WM-Endrunden und Siegen über die Fußball-Großmächte Italien, Brasilien, England und Niederlande geführt.

Nach seinem Abschied 1998 hielt er es aber nirgendwo mehr lange aus. Ob bei Valerenga IF, dem FC Wimbledon, der norwegischen U 19, bei Fredrikstad FK oder als irakischer Nationaltrainer: Er blieb jeweils höchstens ein Jahr.

Zuletzt verdingte er sich als Coach der gecasteten Fernsehmannschaft FK Zebra.

"Typisch Drillo"

Als Olsen den Kader für das Duell mit Deutschland bekanntgab, sahen die Kritiker ihre Befürchtungen bestätigt. Mit dem Debütanten Tor Hogne Aaröy berief er einen 2,03 m großen Stürmer, der Abnehmer für lange Bälle sein soll.

"Typisch Drillo", kommentierte "Verdens Gang". Zu allem Überfluss sagte Olsen, "dass das, wofür ich in den 1990er Jahren stand, noch immer Gültigkeit besitzt".

"Norwegen braucht ihn"

Dennoch hat "Drillo", wie Olsen wegen seiner Dribbelkünste als Spieler schon genannt wurde, auch Fans. "Norwegen braucht ihn mehr denn je", sagte der frühere Gladbacher Erik Thorstvedt.

Schließlich habe die Nationalmannschaft 2008 kein einziges Spiel gewonnen - das ist zuletzt vor 30 Jahren passiert.

Auch Jörn Andersen, Trainer bei Mainz 05, hält viel von Olsen: "Er ist ein schlauer Fuchs. Man weiß nie, was er als nächstes ausheckt. Deutschland sollte gewarnt sein."

Insgeheim hofft Olsen sogar auf eine längere Tätigkeit - als Ziel hat er Platz zwei in der WM-Qualifikationsgruppe 9 ausgegeben, in der Norwegen Letzter ist. Doch er weiß auch: "Wenn wir gegen die Deutschen verlieren, ist mein Haltbarkeitsdatum wohl abgelaufen."

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