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Diego Maradona ist seit Oktober 2008 Trainer der argentinischen Mannschaft © getty

Der Coach der Argentinier kritisiert vor dem Test gegen Frankreich seinen Verband. Berti Vogts muss gegen sein Ex-Team ran.

München - Argentiniens Nationalcoach Diego Armando Maradona ist am Mittwoch beim Länderspielklassiker gegen Frankreich in Marseille (die Testspiele, Mi., ab 19.15 Uhr LIVE) exakt 100 Tage im Amt, doch zum Feiern ist dem einst besten Fußballer der Welt längst nicht mehr zu Mute.

Vor allem die quälende Zusammenarbeit mit dem strukturschwachen argentinischen Verband AFA ist dem 48-Jährigen bereits wenige Monate nach seinem Amtsantritt ein Dorn im Auge.

"Ich hatte gedacht, der Verband würde mich voll unterstützen, wenn ich das Zepter übernehme. Doch dann tritt man den Posten an und fragt nach einem Trainer, aber der wird einem nicht genehmigt. Dann fragt man nach einem bestimmten Spieler, stattdessen wird ein Spiel in Bolivien in Cochabamba um acht Uhr abends vereinbart - aber das Flugzeug von Argentinien fliegt erst um 20.30 Uhr", beschrieb der 48-Jährige das Chaos im argentinischen Verband.

Absagen für das Testspiel

Ursprünglich wollte Maradona seinen Weltmeister-Teamkollegen von 1986, Oscar Ruggeri, anheuern. Doch Verbands-Präsident Julio Grondona lehnte ab, weil Ruggeri mehrfach Kritik am AFA-Chef geübt hatte.

In Frankreich plante der Chefcoach zudem mit Spielmacher Juan Riquelme, doch der Nationalspieler muss offenbar ein Nachholspiel in der argentinischen Liga bestreiten. Aus ähnlichem Grund fällt auch San-Lorenzo-Mittelfeldspieler Cristian Ledesma aus.

Zweifel an Maradona von den Fans

Zudem wird Maradonas Autorität als Nationalcoach trotz des 1:0-Erfolges in Schottland bei seinem Debüt im November weiterhin in Frage gestellt. Bei einer landesweiten Umfrage gaben zwar 99 Prozent der Argentinier an, Maradona für immer und ewig zu lieben.

Jedoch meinten auch 70 Prozent, dass er aufgrund seiner Kokain-Eskapaden und weiterer Verfehlungen nicht für das Amt des Nationaltrainers geeignet sei.

Domenech freut sich auf Messi

Während Maradona zwar kaum mehr geachtet, dafür aber immer noch geliebt wird, kann Frankreichs Coach Raymond Domenech weder das eine noch das andere für sich in Anspruch nehmen.

Doch anstatt im Vorfeld Werbung für die eigene Mannschaft um Mittelfeld-Genie Franck Ribery von Bayern München zu betreiben, freut sich Domenech offenbar mehr auf Argentiniens Topspieler Lionel Messi.

"Einen Spieler von seiner Klasse spielen zu sehen ist selbst für den Nationaltrainer einer gegnerischen Mannschaft ein absolutes Vergnügen", sagte Domenech, der sich auch eine Spitze gegen Maradona nicht verkneifen konnte: "Er ist ein sehr junger Coach. Ich hoffe, ich kann ihm etwas von meiner Erfahrung abgeben."

Vogts trifft auf das Ex-Team

Ein zweifelhaftes Vergnügen erwartet derweil den ehemaligen Bundestrainer Berti Vogts. Mit Deutschlands WM-Quali-Gruppengegner Aserbaidschan reist Vogts zum Länderspiel nach Kuwait, wo er von 2001 bis 2002 selbst Nationaltrainer war.

Ein Sieg ist für Vogts am Golf Pflicht, nachdem die angestrebte WM-Qualifikation schon so gut wie verpasst ist und der Auswahl des Kaukasus-Staates unter dem deutschen Coach in acht Spielen nur beim 2:1 in Bahrain ein Erfolg gelang.

Für Rehhagel zählt nur die WM

Der deutsche Trainer-Guru Otto Rehhagel trifft unterdessen mit Griechenland auf Dänemark. Nach dem Achtungserfolg gegen Weltmeister Italien (1:1) hat "König" Otto derzeit aber nur noch die WM 2010 im Sinn.

"Ich möchte mit Griechenland unbedingt nach Südafrika. Auf diesem Weg ist jeder Test enorm wichtig", sagte der 70-Jährige am Rande des Ball des Sports in Wiesbaden. Ottmar Hitzfeld trifft mit der Schweizer "Nati" derweil in Genf auf Bulgarien.

Zidan zurück im Ägypten-Kader

Sein Comeback in der ägyptischen Nationalmannschaft feiert Bundesliga-Profi Mohamed Zidan von Borussia Dortmund.

Der Angreifer war seit einem Jahr nicht mehr nominiert worden, weil ihm vorgeworfen wurde, dass er vor den wichtigen WM-Quali-Spielen im vergangenen Jahr Verletzungen vorgetäuscht hatte.

"Becks" auf Rekordkurs

Auf Rekordkurs ist derweil Englands "Glamour-Boy" David Beckham beim Gastspiel in Sevilla gegen Europameister Spanien.

Der 33 Jahre alte Mittelfeldspieler würde bei einem Einsatz den Rekord von Bobby Charlton einstellen. Der Weltmeister von 1966 hat bislang mit 108 Länderspielen die meisten Einsätze eines englischen Feldspielers bestritten.

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