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Immerhin 31 Spiele blieb er ohne Niederlage: Italiens Nationalcoach Lippi © getty

Brasiliens ManCity-Spieler beenden die historische Serie des italienischen Nationalcoachs. Die Medien sind darüber wenig amüsiert.

München - Brasilien hat sich als Spielerverderber für den italienischen Weltmeister-Trainer Marcello Lippi erwiesen.

Im Duell der Fußball-Giganten in London ging durch die 0:2 (0:2)-Niederlage der "Squadra Azzurra" gegen den fünfmaligen WM-Titelträger die Erfolgsserie des Coaches von 31 Länderspielen ohne Niederlage zu Ende.

Im Fall eines Sieges oder eines Unentschiedens wäre Lippi zum alleinigen Weltrekordler aufgestiegen.

Der Trainer wurde von den italienischen Medien wegen seiner Mannschaftsaufstellung und seiner Taktik kritisiert. "Lippi ruiniert sich den Rekord mit einem falschen Aufgebot und einer falschen Angriffsbesetzung", wetterte die "Gazzetta dello Sport".

Toni als Chancentod

Bayern-Starstürmer Luca Toni war erst mit Beginn der zweiten Halbzeit einwechselt worden. Der Torjäger vergab jedoch einige Chancen. Bayern-Abwehrchef Lucio spielte auf Seiten der Brasilianer 90 Minuten durch.

Die brasilianische Sportzeitung Lance titelte: "Brasilien besiegt apathisches Italien!" Und "Zero Hora" lobte den zuletzt heftig kritisierten Auswahlcoach: "Dungas Strategie geht auf."

Beim 1:1 im Test gegen Griechenland in Athen im November war Lippi zum 31. Mal nacheinander mit den Azzurri ungeschlagen geblieben. Damit hatte der erfahrene Fußballlehrer die Weltbestmarke von Alfio Basile mit Argentinien (Februar 1991 bis August 1993) und Javier Clemente mit Spanien (September 1994 bis Januar 1998) eingestellt.

Toni als Chancentod

Eine Bestmarke Lippis verhinderte nun ein Duo von Manchester City: Elano (13.) und Robinho (27.) trafen für das Team des früheren Stuttgarter Bundesliga-Profis Dunga. Der 60-jährige Lippi musste zugeben, dass der Erfolg der Selecao vollauf verdient war und kritisierte seine Stars, die mit zu viel Respekt im Stadion des FC Arsenal angetreten waren.

"Ich hätte diese Erfurcht nicht erwartet. Wenn wir wettbewerbsfähig sein wollen, müssen wir diese Spiele mit einer anderen Mentalität angehen", sagte der italienische Chefcoach sichtlich angefressen.

Lippi setzt aber auf die Entwicklung seiner Mannschaft: "In diesem Moment ist Brasilien stärker als wir. Doch in anderthalb Jahren in Südafrika könnten wir wieder die Besten sein. Mit ihrer spielerischen Klasse und ihrer Entschlossenheit hat uns Brasilien besiegt."

Italienische Selbstzufriedenheit?

Die italienischen Medien gingen mit seiner Truppe weitaus härter ins Gericht. "Brasilien braucht weniger als eine halbe Stunde, um die Oberhand über Italien zu erhalten.

Der WM-Triumph in Berlin genügt nicht, um weiter zu gewinnen", kommentierte die Sporttageszeitung Gazzetta dello Sport - und hatte offenbar eine gewisse Selbstzufriedenheit ausgesmacht.

"Italien war für die Brasilianer nie wirklich gefährlich. Die Mannschaft schien weniger motiviert als die Gegner, die neben einer endlosen Klasse auch mehr Wut gezeigt haben", so der Corriere dello Sport.

Die größte Chance der nach dem Wechsel stärker spielenden Italiener vergab Luca Toni. "Toni ist zwar nicht in Höchstform, aber er erobert seinen Raum vor dem Tor", schrieb der Corriere.

Dunga voll des Lobes

Hochzufrieden war Dunga: "Das war eine der besten Vorstellungen der Selecao in meiner Amtszeit. Das Team hat besser gespielt als ich aufgrund der geringen Vorbereitungszeit erwartet habe."

Für den Coach war es ein "Sieg der Taktik"; er hatte den Gegner zuvor ausführlich studiert. Das machte sich bezahlt. Torschütze Robinho erhielt ein Sonderlob des Trainers: "Er hat viel Persönlichkeit gezeigt."

Der zuletzt eher mit Skandalen in die Schlagzeilen geratene Stürmer zeigte sich ebenfalls zufrieden. "Wir sind optimal ins Jahr gestartet", sagte Robinho.

Ronaldinho vergnügt

Der ehemalige Weltfußballer Ronaldinho vom AC Mailand ergänzte: "Ich habe mich gleich doppelt gefreut: über mein 90. Länderspiel und den Sieg. Es ist eine wichtige Woche für mich, weil noch der Klassiker gegen Inter ansteht. Das hat mich heute noch mehr angespornt."

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