Uwe Morawe huldigt in seiner Kolumne deM altehrwürdigen FA-Cup und schwärmt von einem Fußballprofi und dessen Heimatverein.

Welch ein schöner Sonntag!

Gleich drei Überraschungen im FA-Cup zeigen: der älteste Wettbewerb der Welt lebt wie eh und je. Der gefallene Riese Leeds schlägt die Spurs, Brentford trotzt mit seinem deutschen Trainer Uwe Rösler Chelsea ein Unentschieden ab und Drittligist Oldham Athletic schlägt den FC Liverpool mit 3:2.

Wie sagte schon Ernst Huberty: "Smith, ein Name den man sich merken sollte!"

Genauer gesagt: Matt Smith, Doppeltorschütze für Oldham Athletic.

Na, noch genauer genommen heißt er sogar Mathieu Smith und wurde damit auf dem Schulhof mächtig aufgezogen. Die französisch-stämmige Mutter wollte, wenn sie schon so einen Allerweltsnamen heiratet, die Sache etwas aufpeppen. Der ältere Bruder heißt übrigens Jean Francois Smith. Da hat Matt ja noch richtig Glück gehabt...

Dieser Name hat sich nun also durch den FA-Cup in das kollektive Gedächtnis zweier Vereine eingebrannt.

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Mathieu Smith: Synonym für den FC Liverpool, dass es auch unter dem neuen Trainer Brendan Rodgers nicht entscheidend vorangeht. Nachdem seine Vorgänger Hodgson und Daglish den Londoner Banken Konkurrenz machten und gut 150 Millionen Euro Ablösesumme für einen beliebigen Smith nach dem anderen verbrannten, zeigt das Team in dieser Saison zwar immer wieder gute Ansätze - um dann in den wichtigen Partien zu versagen.

Mathieu Smith: für Außenseiter Oldham ein Synonym dafür, dass Pokalsensationen im FA-Cup Geschichten und Geschichte wieder aufleben lassen. Und damit meinen sie in Oldham: Weltgeschichte!

Jeder Oldhamer, der was auf sich hält, ist auch heute noch stinkesauer auf Gavrilo Princip, den Attentäter von Sarajevo. Ohne die Schüsse auf Erzherzog Franz Ferdinand wäre Oldham Athletic heute englischer Rekordmeister. Unter Garantie!

Was hatte man 1914 ein tolles Team beisammen, und dann kommt dieser serbische Freischärler um die Ecke und löst den Ersten Weltkrieg aus. Der souveräne Spitzenreiter Oldham Athletic verliert die letzten drei Spiele der Saison 1914/15 und den sicher geglaubten Meistertitel um einen einzigen Punkt. Die Leistungsträger kommen in den Schützengraben oder in die Jahre, Oldham verschwindet für über sechzig Jahre von der Erstligabühne. Das alles, weil irgendwo in Bosnien ein wildgewordener Student in die kaiserliche Motorkutsche ballert. Ist doch nicht gerecht!

Fand auch Oldham Athletic und kam Ende der achtziger Jahre auf die Idee, dem Schicksal auf die Sprünge zu helfen. Man installierte im Boundary Park einen Kunstrasen. Nicht so einen wie heute. Nee, einen fiesen Hartteppich mit Hautabschürfungen, Bänderverletzungen und unkontrollierbarem Sprungverhalten des Balles.

Die Gästemannschaften verzweifelten und es ging aufwärts mit den Latics.

1989/90 schrieb man doppelte Cup-Geschichte auf Kunstrasen. In einer einzigen Saison absolvierte man unglaubliche 19 Pokalspiele. Im Carling-Cup erreichte man das Finale und spielte erstmals in Wembley. Herrlicher Naturrasen war nicht so das Ding von Oldham, man verlor 0:1 gegen Nottingham Forrest.

Und auch im größeren FA-Cup schrubbte man höherklassige Gegner vom künstlichen Geläuf. Im Halbfinale trotzte man dem Lokalrivalen Manchester United ein 3:3 ab und verlor im Wiederholungsspiel erst in der 119. Minute mit 1:2. Eine Initialzündung für Sir Alex Ferguson: er holte sich anschließend den ersten von zahllosen Titeln mit ManUnited.

Auch mit Oldham ging es nach dieser fantastischen Saison zunächst weiter aufwärts. Der Aufstieg im kommenden Jahr brachte allerdings einen großen Pferdefuß mit sich. Kunstrasen war in der höchsten Spielklasse nicht erlaubt!

Man hielt sich immerhin drei Jahre in der Premier League, verlor noch einmal gegen Manchester United im Halbfinale des FA-Cups, bevor es rapide abwärts ging, Insolvenz im Jahre 2004 eingeschlossen.

Viel zu lange schon fristete man ein karges Dasein in der dritten Liga. In dieser Spielzeit gingen von 29 Partien satte 16 verloren, Abstiegskampf.

Und dann kommt der FA-Cup. Dann kommt der FC Liverpool. Und der alte Glanz wird wieder aufpoliert.

Smith - ein Name, den man sich merken sollte...

Euer Uwe Morawe

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