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Die Norweger herzen ihren Torschützen Christian Grindheim (Nr. 16) © getty

Skandinavien bejubelt den "Drillo-Effekt". Trainer Egil "Drillo" Olsen hat die Norweger wieder stark gemacht. Die Presse frohlockt.

Von Katrin Freiburghaus

München - Die Internetseiten der großen norwegischen Zeitungen hatten am Mittwochabend ihre liebe Not mit dem Besucherandrang, der kurz nach dem Schlusspfiff gegen Deutschland herrschte.

Dabei war die Stimmung vor dem Spiel alles andere als euphorisch gewesen.

Die Partie wurde nicht mal im öffentlich rechtlichen Fernsehen übertragen und Interimscoach Coach Egil "Drillo" Olsen hatte die Siegchancen noch am Nachmittag vor dem Spiel auf sehr genaue, aber mäßig optimistische 17,67 Prozent beziffert. ad

Entsprechend begeistert fiel das Echo nach dem Sensationssieg in den Medien aus. "Der Drillo-Effekt schlug zu", titelte "Verdens Gang", "es riecht nach den guten, alten Tagen".

Gemeint waren die "alten Tage", in denen "Drillo" schon einmal das Sagen in der Nationalelf und gegen Italien, Brasilien, England und die Niederlande gewonnen hatte.

Nüchterner Held

"Dagbladet" kommentierte nach der Untergangsstimmung vor dem Match ironisch: "Es ist doch weiterhin möglich, mit Norwegen zu gewinnen."

Zudem sorgte es sich um den Torschützen Christian Grindheim: "Der Held verpasste die Party", hieß es über den 25-Jährigen, der dummerweise mit dem Auto von seinem Klub in Heerenveen angereist war.

Grindheim hatte also eine lange Nacht vor sich - allerdings ganz ohne Alkohol. "Ich werde nichts von der Feier haben, weil ich plane, noch in der Nacht nach Hause zu fahren, so entgehe ich dem Stau", sagte er.

"Das war einfach nur geil"

Olsen blieb nach dam Spiel die Ruhe selbst. "Es war ein Testspiel gegen eine halbmotivierte Mannschaft", diktierte er den Pressevertretern in die Mikros.

Als aber jemand fragte, ob es "cool" gewesen sei, stutzte der Trainer doch ein bisschen. "Cool?", fragte er dann, "das war nicht cool - das war einfach nur geil."

Aufgeregte Nachbarn

Selbst die Experten in den Nachbarländern rieben sich ungläubig die Augen.

Die Journalisten des schwedischen "Aftonbladet" bejubelten "Drillos Erfolgscomeback gegen den Giganten Deutschland" und verlegten in ihrem Text vor lauter Aufregung das Westfalenstadion nach Düsseldorf.

Die Pressestimmen im Überblick:

"Aftenposten" (Norwegen):

"Das Wunder in Düsseldorf - Drillo hat es wieder getan!"

"Verdens Gang":

"Es riecht nach den guten, alten Tagen! Drillo-Fußball kommt nie aus der Mode. Das sensationelle Comeback in Düsseldorf wurde der lang ersehnte herrliche Partyabend für den norwegischen Fußball. Deutsche Medien schlachten ihre eigene Mannschaft nach der Pleite."

"Dagbladet":

"Der erste Sieg über Deutschland seit fast 73 Jahren ist ein Spiel für die Geschichtsbücher und die Zukunft. Es ist weiterhin möglich, mit der norwegischen Mannschaft zu gewinnen, wenn sie den Sport nach ihren eigenen Prämissen ausübt. Drillo-Comeback endet mit Sieg. Es waren viele norwegische Helden auf dem Rasen, aber der Held des Abends verpasste die Party."

"Aftonbladet" (Schweden):

"Norwegen schockt Deutschland: Drillos Erfolgscomeback gegen den Giganten Deutschland lässt Norwegen wieder träumen. Das Tor von Heerenveen-Mittelfeldmann Christian Grindheim reicht."

"Expressen" (Schweden):

"Drillo hat es wieder getan. Er bewerkstelligt einen Sensationssieg, der Echo in der Fußballwelt findet. Norwegens Trainer führt sein Team zum Sieg gegen Deutschland - zum ersten Mal seit 73 Jahren."

"Jyllands-Posten" (Dänemark):

"Drillo zurück mit Stil! Vielleicht sollte Norwegen vergessen, Kopenhagens Stale Solbakken als Nationaltrainer zu kapern und stattdessen den Interimscoach behalten."

"Politiken" (Dänemark):

"Norwegen läuft Amok im Drillo-Rausch. Der König, der Papst, Obama, Gott. Und ganz oben ist Drillo - Norwegen hat ein Fußballspiel gewonnen."

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