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Katar setzte sich in der letzten Runde der WM-Vergabe gegen die USA durch © getty

Die Diskussion um eine Verlegung der WM 2022 in Katar geht weiter. Erstmals signalisiert die FIFA Bereitschaft zum Einlenken.

München/Edinburgh - Den Fußball-Stars aus aller Welt bleibt eine Hitze-WM 2022 im "Sommer-Brutofen" Katar möglicherweise doch erspart.

Erstmals hat der Weltverband FIFA zumindest ansatzweise Signale gesandt, dass die höchst umstrittene Weltmeisterschaft in der Wüste vom Sommer bei Temperaturen bis 50 Grad in den wesentlich angenehmeren Winter mit Temperaturen um die 25 Grad Celsius verlegt werden könnte.

"Medizinische Beweise"?

Falls es "aussagekräftige medizinische Beweise" für eine Gesundheitsgefährdung der Spieler gebe, könnte das Exekutiv-Komitee der FIFA eine Verschiebung auch ohne Zustimmung des Gastgebers beschließen, sagte FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke am Rande der Sitzung der Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) im schottischen Edinburgh.

"Die FIFA hat niemals nie gesagt. Wir haben gesagt, wir warten auf eine offizielle Anfrage der Katarer, in der sie uns bitten, die Möglichkeit zu überprüfen, ob die WM vom Sommer in den Winter verschoben werden kann", sagte der 52 Jahre alte Franzose.

Alle Möglichkeiten offen

Solange der internationale Rahmenterminkalendar noch nicht fix sei, seien alle Möglichkeiten offen, betonte Valcke. Sein Landsmann, UEFA-Boss Michel Platini, hatte am Samstag im "Bild"-Interview ebenfalls Partei für eine WM 2022 in Katar im Winter ergriffen.

"Ich bin unter zwei Bedingungen für Katar: Wegen der Hitze muss die WM im Winter ausgetragen werden. Bei über 40 Grad lässt sich kaum Fußball spielen, und für die Fans wäre es auch schwer erträglich. Und: Die Nachbar-Emirate müssen miteinbezogen werden, sodass die WM in der ganzen Region stattfindet", sagte Platini.

Der UEFA-Boss hatte zugegeben, bei der Entscheidung am 2. Dezember 2010 in Zürich im FIFA-Exekutivkomitee für Katar gestimmt zu haben.

Rummenigge für Verlegung

Zuvor hatte sich Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge bereits für eine Verlegung des WM-Termins in den Winter stark gemacht.

"Im Interesse der Spieler und der Fans, die diesen Temperaturen ausgesetzt sind, wäre eine Verlegung in den Winter sinnvoll", hatte der ehemalige DFB-Kapitän im tz-Interview betont, nachdem er in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Internationalen Klub-Vereinigung erst kürzlich mit der ECA in Doha/Katar getagt hatte.

Die Entscheidung müsse aber letztlich die FIFA fällen, so Rummenigge.

Blatter sträubt sich weiter

Angesichts der hohen Temperaturen in dem Emirat am Persischen Golf sei eine Durchführung im Sommer mit Blick auf die Belastung für die Spieler nicht sinnvoll: "Die Temperaturen im Juni sind ja bekannt. Wenn die FIFA das Thema aufgreift, haben wir beschlossen, uns nicht zu verschließen. Wir, die Klubs, haben schließlich die Verantwortung für die Spieler."

FIFA-Präsident Joseph S. Blatter hatte dagegen stets betont, dass die WM wie vorgesehen im Sommer stattfinden müsse. Schließlich sei die Endrunde unter dieser Voraussetzung im Jahr 2010 vergeben worden.

Der Schweizer hat sich bislang auch gegen eine Öffnung der WM-Endrunde für die Nachbar-Emirate - wie von Platini vorgeschlagen - gesträubt.