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Steht wegen Korruptionsvorwürfen unter Druck: FIFA-Chef Joseph Blatter
Der Schweizer Joseph S. Blatter ist seit 1998 Präsident der FIFA © getty

Der Reformprozess bei der FIFA stockt weiter. Blatter und Zwanziger behaupten nach einer Sitzung der Exekutive das Gegenteil.

München - Keine externen Sittenwächter, Abwälzung von Kernfragen und Rätselraten um den hauseigenen Anti-Korruptions-Experten.

Der Reformprozess bei der FIFA stockt weiter - auch wenn Sepp Blatter und Theo Zwanziger Seite an Seite auf der mit Spannung erwarteten Pressekonferenz nach der Sitzung der FIFA-Exekutive in Zürich das Gegenteil behaupteten.

"Unser Reformprozess ist auf einem guten Weg. Wir nähern uns dem Ende. Es liegt jetzt am Kongress auf Mauritius, die Entscheidungen zu fällen", sagte FIFA-Präsident Blatter, der stolz darauf verwies: "Wir haben Einigkeit in meinem Exekutiv-Komitee."

Blatter und Zwanziger bleiben unverbindlich

In den drängendsten Fragen nach einer Altersbegrenzung für den FIFA-Präsidenten und der Laufzeit künftiger Präsidentschaften blieben Blatter und Ex-DFB-Präsident Zwanziger, der der Statutenkommission im Weltverband vorsteht, allerdings unverbindlich.

Einen Antrag der Exekutive an den Kongress in den beiden entscheidenden Punkten wird es nicht geben.

"Lasst uns das auf dem Kongress entscheiden! Wir freuen uns auf eine interessante Diskussion. Der Ausgang ist offen", sagte Zwanziger, der darauf verwies, dass die Meinungen in den Konföderationen "weit auseinander" lägen.

WM-Vergabe reformiert

Blatter, der seit 1998 der FIFA vorsteht, hat bis heute offen gelassen, ob er 2015 ein weiteres Mal kandidieren will.

Sollte der 77-Jährige erneut seinen Hut in den Ring werfen, würde er sich damit auf seine Seilschaften unter den 209 FIFA-Mitgliedern im Kongress verlassen. Die Exekutive hatte im Vorfeld eine Alterbegrenzung als diskriminierend eingestuft.

Einem Reformfragment gaben die FIFA-Granden dagegen offiziell ihren Segen: Über die Vergabe künftiger WM-Turniere soll nicht mehr die Exekutive, sondern der Kongress entscheiden.

Keine unabhängige Integritätsprüfung

Weitere entscheidende Reformvorschläge, die der eigens angestellte Schweizer Anti-Korruptions-Experte Mark Pieth eingebracht hatte, verhallten ungehört.

So wird es auch in Zukunft keine unabhängige Integritätsprüfung von Exko-Mitgliedern geben.

Eine Prüfung soll zwar stattfinden und schon in den betreffenden Konföderationen beginnen, das letzte Wort soll aber die hauseigene Ethik-Kommission haben.

Auch eine Aufnahme unabhängiger Persönlichkeiten in die Exekutive wurde verworfen.

Pieth "nur ein Berater"

In diesem Zusammenhang ließ es sich Zwanziger nicht nehmen, Pieths Rolle im Reformprozess kleinzureden.

"Er ist nur ein Berater", sagte der ehemalige DFB-Boss. Mehrfache Nachfragen, ob der Schweizer Top-Jurist Pieth auch künftig mitwirken wird, ließ Zwanziger unbeantwortet.

In einem weiteren unangenehmen Punkt spielt Blatter auf Zeit.

Bericht zur ISL-Affäre im April

Der FIFA-Boss erklärte, dass der durch die Ethikkommission angefertigte Bericht zum ISL-Skandal dem Exko am 15. April vorliegen werde.

Ob beziehungsweise wann der mit Spannnung erwartete Bericht des FIFA-Ermittlers Michael Garcia veröffentlicht werden wird, sagte Blatter nicht.

Die ISL-Affäre hatte 2011 den Druck auf den Weltverband zur Durchführung von Reformen erheblich erhöht, nachdem Schmiergeldzahlungen des früheren FIFA-Vermarktungspartners in Millionenhöhe an frühere Spitzenfunktionäre wie den ehemaligen FIFA-Boss Joao Havelange (Brasilien) gerichtlich festgestellt worden waren.

Im Zuge des Skandals hatte Blatter Kenntnisse über die Vorgänge einräumen müssen.

Blatter kontra Platini

Auch in der Debatte über die WM 2022 in Katar hatte Blatter nichts Neues zu bieten.

Der Ball liegt seiner Meinung nach bei den Gastgebern. "Wenn etwas an den Ausschreibungsbedingungen geändert werden soll, muss das von den Veranstaltern kommen. Bislang haben weder die Organisatoren noch die FIFA-Exekutive die Entscheidung für Katar und die Ausrichtung des Turniers im Sommer infrage gestellt. Alles andere sind nur Gerüchte", sagte der Schweizer.

UEFA-Boss Michel Platini, ein möglicher Gegner Blatters bei der kommenden FIFA-Präsidentschaftswahl, hatte eine Austragung im Sommer im kicker-Interview als "unmöglich" bezeichnet. (Bericht)

Blatter selbst hatte die populärste Exko-Maßnahme schon vor Beginn der Pressekonferenz getwittert: Die FIFA setzt eine Task Force gegen Diskriminierung ein. "Genug ist genug", schrieb Blatter: "Diskriminierung hat keinen Platz im Fußball und in den Stadien."

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