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Fans aus Katar jubeln mit einem Plakat für die WM 2022
Katar bekam den Zuschlag für die Weltmeisterschaft 2022 im Dezember 2010 © imago

Der Wüstenstaat zeigt sich offen für Gespräche über die Verlegung der WM. Die Planungen würden dadurch nicht beeinträchtigt.

Doha/München - Die erste Winter-WM der Geschichte rückt wieder ein Stück näher.

Katar als Gastgeber der Endrunde 2022 ist einen weiteren Schritt auf seine Kritiker zugegangen und ist mehr denn je bereit, die WM auch in den Wintermonaten auszurichen.

"Unsere Bewerbung basierte auf der alleinigen Absicht, die WM 2022 im Sommer auszutragen. Aber viele Faktoren aus der Welt des Fußballs haben den Wunsch nach sich gezogen, die WM im Winter auszutragen. Wir sind bereit, das WM-Turnier im Sommer oder im Winter auszurichten. Unsere Planung wird das nicht beeinträchtigen", teilte das lokale Organisationskomitee am Freitag mit.

Gesundheitsgefährdende Hitze

Spieler und Funktionäre aus aller Welt haben sich dafür ausgesprochen, in dem Emirat am Persischen Golf aufgrund akuter Gesundheitsgefährdung nicht im brütend heißen Sommer zu spielen. (DATENCENTER: Die WM-Qualifikation)

Joseph S. Blatter, Präsident der FIFA, ist ebenfalls offen für eine Verlegung. Seine Kernaussage lautete bisher, das Signal dazu müsse "von Katar selbst" kommen.

Nun spielt Katar den Ball wieder zurück zur FIFA. "Wir wollen die Fußball-Welt nicht auf den Kopf stellen, wir versperren uns nicht", sagte David Barrett, Kommunikationsdirektor von Katar 2022:

"Unsere Position ist nicht neu"

"Unsere Position ist in diesem Sinne nicht neu. Wir würden es überlegen, wenn die Fußball-Welt sich einig ist und mit einer Stimme spricht. Solange das nicht geschieht, planen wir selbstverständlich mit aller Kraft für eine Ausrichtung im Sommer."

Bisher wollen die Organisatoren die Stadien während der WM herunterkühlen, um die Temperatur erträglich zu halten. Katar versicherte auch am Freitag, "erhebliche Anstrengungen" unternommen zu haben, damit auch Open-Air-Stadien und Trainingsanlagen gekühlt werden können.

"Das wird uns ermöglichen, zwölf Monate im Jahr hier Sport zu treiben", hieß es. Angesichts von Temperaturen von weit über 40 Grad in den Sommermonaten wären allerdings auch Alltagsaktivitäten - selbst für die WM-Besucher - eine Tortur.

Kontroverse Vergabe

Dennoch hatte Katar den Zuschlag für die WM 2022 durch die FIFA-Exekutive erhalten, bis heute steht die Vergabe unter massivem Manipulationsverdacht.

Auch Michel Platini hat für das Emirat gestimmt. Doch irgendwie scheint er damit nicht (mehr) glücklich zu sein. Jetzt kämpft der UEFA-Präsident in vorderster Front für eine Verlegung des Turniers in den Winter.

Eine Ausrichtung im Sommer sei "unmöglich". Im "November und Dezember 2022" würde der Franzose Platini die WM gerne ausgetragen sehen, das wäre nicht weniger als eine Revolution.

Nie begann eine WM nach dem 27. Mai (1934), nie endete sie nach dem 30. Juli (1966), die großen Ligen spielen normalerweise bis kurz vor Weihnachten.

Keine Konkurrenz zwischen WM und Olympia

Im Januar aber kann nicht gespielt werden: Die WM und die Olympischen Winterspiele 2022 dürfen sich nicht in direkte Konkurrenz begeben.

Dennoch meint Platini, die Verlegung des Turniers in den Winter sei "nicht so schwierig". Man könne die Ligasaison unterbrechen, und dann ende sie eben später.

"In Deutschland habt ihr ja auch eine Winterpause", sagte er dem "kicker".

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