Uwe Morawe zeigt in seiner Kolumne kein Verständnis für die Verpflichtung von Paolo Di Canio als neuem Trainer in Sunderland.

Hallo Fußball-Freunde,

Noch am letzten Samstag feierte der FC Sunderland mit allem Tamtam seine Partnerschaft mit der Nelson Mandela Foundation. Multi-Kulti und Völkerverständigung im Norden Englands.

Eine Rhythmusgruppe aus Burundi ward eingeladen, das Vereinsmaskottchen in bunte afrikanische Gewänder gehüllt, die Spieler trugen beim Warmmachen Mandela-Shirts. Vizepräsident David Miliband, Ex-Außenminister Großbritanniens, verkündete stolz: "Wenn private Institutionen wie unser Fußballclub begreifen, dass sie eine Verantwortung für die Öffentlichkeit tragen, sind wir auf dem Weg zu einer besseren Gesellschaft."

Nur 24 Stunden die komplette Wende, Staatsstreich nichts dagegen.

Am Sonntag saß mit Paolo Di Canio ein bekennender Faschist auf dem Trainerstuhl des Vereins, Miliband war zurückgetreten und die Mandela Foundation wird sich ihre Gedanken machen, ob sie da den richtigen Partner auserwählte.

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Und das Beste: der Vorstand des FC Sunderland wunderte sich, dass sich die Öffentlichkeit wunderte.

Vereinschefin Margerete Byrne zeigte sich pikiert, als habe jemand in ihrer Gegenwart einen Rotbarsch mit dem Steakmesser filetiert: "Wer unserem neuen Trainer rassistische oder faschistische Sympathien unterstellt, beleidigt von nun an nicht nur Paolo Di Canio, sondern auch den FC Sunderland."

Das können wir der bestenfalls gutgläubigen Dame dann wohl nicht ersparen, da muss sie durch.

Wer das Ansehen des FC Sunderland beleidigt, ist nämlich der Vorstand selbst.

Da wird per Presseerklärung die leicht durchschaubare Argumentation wiedergekäut, die Di Canio selbst schon seit Jahren aus seinem Pansen hochholt. Er sei keinesfalls ein Rassist und habe rein gar nichts gegen dunkelhäutige Spieler. Außerdem sei er kein Politiker und wolle nur über Fußball reden.

Gottlob, dass dieser Mann kein Politiker ist.

Politisch geäußert hat sich di Canio jedoch sehr wohl. Mit dem römischen Gruß als Torjubel in Richtung der ultranationalen Lazio-Kurve. Mit Tätowierungen wie dem Schriftzug "DUX" auf dem Oberarm und weiteren faschistischen Emblemen auf der Haut. Sowie mit den Zitaten aus seinem Buch: "Ich bin Faschist, aber kein Rassist" oder: "Mussolini war ein höchst ehrenwerter Mann, der leider im Nachhinein missverstanden worden ist."

Personenkult, Verbot von Pressefreiheit, Zensur des Kulturlebens, Verfolgung, Folter und Liquidierung politisch Andersdenkender, Kolonialkriege mit Konzentrationslagern und Massenhinrichtungen, gegen Ende seiner Herrschaft auch Antisemitismus. Was bitteschön gibt es an Benito Mussolini misszuverstehen?

Darüberhinaus war Mussolini der erste Politiker, der den Sport für seine Interessen instrumentalisierte. Bei der WM 1934 lud er die Schiedsrichter der Italien-Spiele am Vorabend zu Pasta mit Maschinengewehr. Der schwedische Referee Ivan Eklind köpfte (!) daraufhin im Halbfinale sogar eine Flanke der Österreicher aus der Gefahrenzone. Selbstredend hatte sich Eklind damit auch für die Leitung des Endspiels empfohlen.

Italien wurde wie von Mussolini geplant Weltmeister.

Die Verehrung für diesen skrupellosen Politiker und seine eigene faschistische Weltanschauung hat Paolo Di Canio zu keinem Zeitpunkt widerrufen. Immer nur die gebetsmühlenartige Litanei, dass er kein Rassist sei.

Zum Glück regte sich sofort erheblicher Widerstand unter den Fans des FC Sunderland. Gegen den neuen Trainer, gegen den alten Vorstand. Denn bis zu einem gewissen Grad dürfen auch Leute wie Di Canio denken, was sie wollen - das ist Bestandteil der Demokratie.

Aber als Funktionsträger in seiner Nähe braucht man so einen nun wahrlich nicht.

Euer Uwe Morawe

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