Für Morawe hat José Mourinho seine Meisterrolle gefunden. Seine Schauspielkunst stellte der Coach in einem PVC-Sitz unter Beweis.

Hallo Fußball-Freunde,

Marlon Brando und James Dean wären stolz gewesen. Robert De Niro würde blass vor Neid.

Es war der endgültige Triumph des Method Acting!

Hinfort mit der verstaubten These, Schauspielerei sei Imitation und Nachahmerei. Aufgehen in seiner Rolle muss man, Schauspieler und Dargestelltes verschmelzen zu einem Ganzen, Reduktion auf das Wesentliche ist alles.

Endlich haben die vier Fragen des legendären Intendanten Lee Strasberg, mit denen sich Schauspielschüler seit Jahrzehnten herumplagen, ihre vollendete Auflösung gefunden.

a) Wer bin ich?

b) Wo bin ich?

c) Was tue ich?

d) Was geschah, bevor ich hierhin kam?

Selten waren bei einem Drama die Antworten so scharf umrissen und definiert.

a) José Mourinho

b) Trolli Arena in Fürth

c) Sitzen

d) Ich wurde mit Scottys Beamer samt grüner Plastiksitzschale teleportiert.

Dieser große Mime des Fußballs, häufig zurecht wegen seines zu theatralischen und übertriebenen Spiels gescholten, hat seine Meisterrolle gefunden. José Mourinho in: José Mourinho!

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Aus luftleerem Raum in eine fremde Welt versetzt. Romy Schneider als Sissi im Plattenbau. Sophia Loren im schottischen Hochmoor. José Mourinho im Ronhof.

Unangekündigt betrat der Künstler die Haupttribüne. Setzte sich in gepresstes PVC und saß. Kam, sah, saß und verschwand. 90 Minuten volle Konzentration auf eine Tätigkeit: sitzen!

Mit dieser wortlosen Vorstellung stahl Mourinho allen die Show. Nicht etwa die Beobachtung von Champions-League-Gegner Borussia Dortmund war das Ansinnen dieses Theaterstücks, wie manch unwissender Zuschauer auf dem Oberrang vermutete. Oh nein, es war eine Demonstration der Macht. Ihr Schwarz-Gelben schießt locker aus der Hüfte sechs Tore im Schongang. Interessiert doch keine Sau. Ich sitze hier und tue nichts. Ich sitze - und stehe damit im Mittelpunkt.

Jedes Wort, jedes Interview hätte die Wucht des Auftritts zerstört.

Presse, Hörfunk, Fernsehen überschlugen sich, obwohl rein gar nichts passiert war. Mourinho im Ronhof, ist ja ein Ding. In der großen Welt des Bernabeu wirkt alles immer so überschminkt und surreal, da weiß man nicht, woran man ist. Den Beweis erbrachte erst der Besuch in der Trolli Arena an der A73.

Es gibt ihn wirklich, diesen José Mourinho. Und wenn man ihm in den Finger piekst, blutet der vielleicht sogar...

Euer Uwe Morawe

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