Bayerns dramatischer Last-Minute-Erfolg im Supercup-Finale über Chelsea überdeckt die weiterhin gravierenden taktischen Schwächen.

Eigentlich war schon alles bereit gestellt, um den neuen Supercup-Sieger FC Chelsea gebührend zu feiern.

2:1 führte das Team von Jose Mourinho trotz Unterzahl gegen den FC Bayern, die 120 Minuten waren vorbei.

Hätte Schiedsrichter Eriksson in diesem Moment abgepfiffen, wäre vermutlich einiges auf Pep Guardiola zugekommen.

Zweiter Titel verspielt nach dem 2:4 im deutschen Supercup gegen Dortmund - und vor allem: Immer wieder die gleichen Probleme, die man so in der Triple-Saison unter Jupp Heynckes nicht kannte.

Doch es kam anders, vielleicht war es ein wenig ausgleichende Gerechtigkeit nach dem unglücklichen "Drama dahoam" vor 15 Monaten gegen eben jenen FC Chelsea.

[image id="ee824807-63cd-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Javi Martinez traf in letzter Sekunde zum 2:2 und Manuel Neuer sicherte den Münchnern mit seinem gehaltenen Elfmeter gegen Romelu Lukaku den letzten fehlenden Titel der Vereinsgeschichte.

Die Euphorie nach dem dramatischen Spektakel in Prag überdeckte die Fehler zuvor, doch die Unzulänglichkeiten ziehen sich wie ein roter Faden durch die ersten zwei Monate unter Guardiola: Die Chancenverwertung ist mangelhaft, auch weil teilweise versucht wird, den Ball ins Tor zu tragen. Noch gravierender allerdings sind die anhaltenden Unsicherheiten in der Defensive.

Der Verzicht auf einen zweiten "Sechser" hat die Statik des erfolgreichsten Teams der Welt nachhaltig durcheinander gebracht.

Chelsea besaß bei seinen Angriffen so viel Platz, dass die Blues die Partie trotz ihrer klaren Unterlegenheit mit mehr Konsequenz schon nach 90 Minuten für sich hätten entscheiden können.

Nach dem Triumph im Elfmeterschießen dürften die berechtigten Diskussionen über den Sinn von Guardiolas Umbauarbeiten aber vorerst verstummen. Mit etwas Glück hat der Coach nun Zeit bis zur entscheidenden Saisonphase im Frühjahr, um sein System zu festigen.

Bis dahin kann er sich auf eine trotz aller Vorjahres-Erfolge top motivierte Mannschaft verlassen, deren herausragende individuelle Qualitäten so manchen Patzer wettmachen können.

Und man kann sicher sein, dass der glückliche Last-Minute-Triumph allen Beteiligten deutlichen Rückenwind geben wird.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel