vergrößernverkleinern
Franck Ribery (l.) ist Europas Fußballer des Jahres 2013 © getty

Beim Rekordmeister herrscht nach dem dramatischen Triumph im Supercup-Finale über den FC Chelsea grenzenloser Jubel.

Aus Prag berichten Martin Volkmar, Christian Ortlepp und Florian Weiß

Prag - Als Manuel Neuer um 23.30 Uhr den letzten Strafstoß von Romelu Lukaku pariert hatte, gab es beim FC Bayern kein Halten mehr. Bericht

Wie die kleinen Kinder stürmten die Triple-verwöhnten Profis auf ihren Torwart ein und am Spielfeldrand entlud sich auch bei Pep Guardiola die Anspannung in einem euphorischen Jubel. (769552DIASHOW: Bilder des Spiels)

Mochte vorher noch von einem Prestigeduell für den Briefkopf bis hin zum despektierlichen "Spiel um die Goldene Ananas" gesprochen worden sein, die Reaktionen nach dem dramatischen Last-Minute-Triumph über den FC Chelsea (7:6 im Elfmeterschießen) sprachen eine ganz andere Sprache.

"Bei Niederlage wäre es schwierig geworden"

"Dieser Titel bedeutet uns eine Menge", gab Sportchef Matthias Sammer hinterher offen zu:

"Es hat uns geärgert, dass wir den deutschen Supercup gegen Dortmund verloren haben. Wenn wir wieder verloren hätten, wäre es schwierig geworden."

Vor allem für den Trainer, wenn auch vielleicht nur bei Öffentlichkeit und Fans. Denn dass die Münchner die Partie gegen den von seinem Erzrivalen Jose Mourinho trainierten Europa-League-Sieger eigentlich schon verloren hatten, lag einmal mehr an Guardiolas taktischen Umbauarbeiten.

Vorne fahrlässig, hinten unsicher

Mag man die fehlende Durchschlagskraft trotz bis zu 70 Prozent Ballbesitz vielleicht noch dem Pech zuschreiben (was es alleine auch nicht trifft), so bleibt die fehlende Abstimmung in der Defensive ohne zweiten "Sechser" ein Dauerthema.

[image id="ecebd22b-63cd-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Bei schnellen Kombinationen über die technisch herausragenden Eden Hazard, Oscar und den in der Startelf überzeugenden Andre Schürrle kam die im Vorjahr so felsenfeste Bayern-Abwehr immer wieder ins Schwimmen.

Doch der bärenstarke Neuer hielt sein Team mehrfach mit Glanzparaden im Spiel und als auch er beim 1:2 durch Hazard (93.) trotz Überzahl nach Ramires' Platzverweis (86.) schlecht aussah, rettete der eingewechselte Javi Martinez den Champions-League-Gewinner mit seinem Ausgleich in letzter Sekunde der Nachspielzeit der Verlängerung ins Elfmeterschießen.

Zuckersüße Revanche fürs "Drama dahoam"

Bezeichnend für den Verlauf dieses packenden Endspiels, nachdem zuvor fast alles für eine Wiederholung des "Drama dahoam" vor 15 Monaten gegen Chelsea gesprochen hatte.

Doch diesmal konnte der erneut überragende Petr Cech nicht alles halten, hatte vielmehr Pech bei den letzten zwei eher schwach geschossenen Strafstößen von 1:1-Torschütze Franck Ribery und Xherdan Shaqiri.

"Im Leben kommt irgendwann alles zurück", kommentierte der überzeugende Toni Kroos fast schon philosophisch die zuckersüße Revanche. Und Neuer meinte mit Blick aufs Elfmeterschießen:

"Das war auch für die Psyche sehr wichtig - gerade mit Blick auf kommende Spiele gegen englische Mannschaften. Unsere Elfmeter waren überragend geschossen. Die hätte ich mir vor damals schon so gewünscht."

Sammer schwärmt von Guardiola

Damals kniffen mehrere Bayern-Profis, diesmal meldeten sie sich laut Sammer nach Guardiolas flammender Ansprache vor dem Shootout sogar freiwillig.

Der Sportchef lobte den Coach überschwänglich, "der die Mannschaft grandios geführt hat" und bezog sich dabei auch auf die Ansprache nach dem frühen 0:1 durch Fernando Torres in der Halbzeitpause.

"Ich habe den Spielern gesagt, dass sie die Chance haben, zum ersten Mal für den Verein den Supercup zu gewinnen", berichtete Guardiola.

"Bayern hat alle Titel geholt auf der Welt, jetzt auch diesen. Darüber sind wir sehr stolz."

Gelassene Reaktion auf Mourinhos Nachtreten

Das Glück und sicherlich auch die Erleichterung über den wichtigen Sieg strömten aus allen Poren des Katalanen, dem es nach dem persönlichen Erfolg über Mourinho auch leicht fiel, gelassen auf dessen erneutes Nachtreten zu reagieren.

Der hatte zuvor behauptet: "Die bessere Mannschaft hat verloren." Doch Guardiola meinte nur: "Das ist seine Meinung, die kann er haben. Das respektiere ich wie immer. Aber ich habe meine Meinung: Wir haben unglaublich guten Fußball gespielt und deshalb verdient gewonnen."

Der von der UEFA als "Man of the Match" ausgezeichnete Ribery ließ jedoch durchblicken, welcher Druck auf Guardiola gelastet hatte.

"Für den Trainer ist es ein besonderer Sieg wegen seiner großen Konkurrenz mit Mourinho. Das ist super für den FC Bayern, aber vor allem für den Trainer", sagte der Franzose, der ja seit Donnerstag auch Europas Fußballer des Jahres ist.

SMS von der Bundeskanzlerin

Doch auch für den Verein und für die Bundesliga hat der erste Erfolg im achten Supercup-Finale mit deutscher Beteiligung eine hohe Bedeutung, was die Glückwunsch-SMS von Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstrich.

"Damit hat sich das Team wieder ein bisschen unsterblich gemacht", meinte Sammer. Und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge erklärte auf seiner vierminütigen Bankett-Rede um kurz nach halb zwei im Prager Teamhotel "Mandarin Oriental":

"Das war großer Sport, den ihr da abgeliefert habt. Der vierte Pokal ist jetzt in München, herzlichen Glückwunsch. Die Party geht weiter!"

Wenig später waren die meisten müden Helden aber schon auf ihren Zimmern verschwunden. Im Gegensatz zu Guardiola, der seinen ersten Titel als Bayern-Coach am Vorstandstisch gebührend mit spanischem Rotwein feierte.

[kaltura id="0_k5zqmusp" class="full_size" title="Die Reaktionen nach Bayerns Triumph"]

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel