Der erleichterte Guardiola gibt nach dem Supercup-Finale den Gentleman, der frustrierte Mourinho den schlechten Verlierer.

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Aus Prag berichten Martin Volkmar, Christian Ortlepp und Florian Weiß

Prag - Am Ende konnte oder wollte keiner von beiden sagen, wie die Begegnung am Spielfeldrand ausgefallen war.

Pep Guardiola und Jose Mourinho gingen sich beim Supercup-Finale (Bericht) zwischen Bayern und Chelsea (7:6 im Elfmeterschießen) so gut wie möglich persönlich und verbal aus dem Weg, als könnten sie damit den Geist des anderen vertreiben. ( 769552 DIASHOW: Bilder des Spiels )

Ansonsten bedienten beide aber auch bei diesem ersten Wiedersehen seit April 2012 ihre fast schon klischeehaften Rollen: Auf der einen Seite Pep Guardiola, der strahlende Gewinner, Verfechter des Offensivfußballs und Gentleman.

Auf der anderen Seite Erfolgs-Zyniker Jose Mourinho, dem auch 36 Prozent Ballbesitz recht sind, wenn es zum Titel reicht und der auch diesmal wieder seinen Paradeauftritt zeigte: Als Verschwörungstheoretiker und schlechter Verlierer.

Erst Flucht, dann Vorwärtsverteidigung

Als seine unterlegenen Spieler noch brav den jubelnden Münchnern zum letztlich glücklichen Sieg im Elfmeterschießen gratulierten, war der Portugiese bereits in die Kabinen geflüchtet.

Wenig später lief er dann auf der Pressekonferenz zu altbekannter Form aus seiner Zeit bei Real Madrid auf und schoss gegen fast jeden, der nicht bei drei auf den Bäumen war: Den Schiedsrichter, die Bayern, Intimfeind Guardiola, die UEFA und den Fußball-Gott.

"Ich bin sehr enttäuscht, weil meiner Meinung nach - und ich darf ja wohl eine Meinung haben, dafür darf ich nicht bestraft werden - das bessere Team verloren hat, das Team, das den Sieg mehr verdient gehabt hätte", meinte Mourinho.

Kroos: "Vielleicht nicht ernst gemeint"

Womit er nicht nur bei Toni Kroos vor allem für eins sorgte: ungläubiges Staunen. "Diese Meinung hat er exklusiv", meinte Bayerns Mittelfeldspieler. "Aber vielleicht hat er das nicht ernst gemeint."

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Kroos' Theorie ist keineswegs abwegig, denn zu Mourinhos Psychospielchen gehört es seit jeher, eine Wagenburg um seine Mannschaft zu bauen und die Spieler nach dem Motto "Wir gegen alle anderen" zu Höchstleistungen zu pushen.

Und so wunderte seine wiederholte Schiedsrichter-Schelte auch weniger als die Tatsache, dass ihm offenkundig auch diesmal keine Bestrafung durch die UEFA droht - obwohl er auch den Dachverband erneut anging.

Kritik am Schiedsrichter

Der Unparteiische Jonas Eriksson habe zu lang nachspielen lassen, meinte er mit Verweis auf Javi Martinez' Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit der Verlängerung. Und die Gelb-Rote Karte gegen Ramires (86.) nach dessen Tritt auf Mario Götzes Knöchel (86.) möge zwar "nach den Regeln korrekt gewesen sein".

Aber: "Man tötet ein Finale nicht mit so einer zweiten Gelben Karte, wenn man den Fußball liebt. Ein englischer Schiedsrichter unterbricht das Spiel und sagt Ramires: Du hättest jemandem weh tun können, pass auf!"

Dieser besagte Super-Referee nach Mourinhos Gusto hätte allerdings auch die Münchner zur Ordnung gerufen. "Er sagt den Bayern-Spielern, dass sie mit den Schwalben aufhören und fair spielen sollen."

Immer mit einem Mann weniger gegen Guardiola

Stattdessen aber füge sich das Geschehen in Prag in seine "fantastische Erfahrung mit zehn Mann in Spielen der UEFA", so Mourinho fatalistisch: Dies sei ihm schon mehrfach mit Chelsea, Inter und Real passiert, "und jetzt hier wieder, da kann jeder seine eigenen Schlüsse draus ziehen".

Kein Zufall in Mourinhos Ausführungen, dass der gegnerische Coach in allen oben genannten Fällen Pep Guardiola war: "Guardiola ist ein glücklicher Mann, weil er wieder mit elf gegen zehn spielen durfte."

Es nagte offensichtlich am 50-Jährigen, dass seine Bilanz gegen den Erzrivalen negativ bleibt. Zumal er den Bayern-Trainer mit dem greifbar nahen Erfolg wohl ziemlich in die Bredouille gebracht hätte.

Ribery und Sammer loben den Coach

"Der Sieg ist wichtig für ihn", gab Franck Ribery hinterher offen zu. "Wir haben es so gut gemacht im letzten Jahr und alles gewonnen, das ist nicht einfach für Pep, er hat viel Druck. Er ist ein richtig guter Trainer, macht das sehr gut, wir sind zufrieden mit ihm."

Ähnlich sieht es Matthias Sammer. "Wir brauchen in dem Prozess, in dem wir uns befinden, einfach dieses Ergebnis", lobte der Sportchef Guardiola bei SPORT1:

"Alles, was er hier zeigt, hat Hand und Fuß. Natürlich hätte es etwas Kritik an ihm geben können, wenn wir verloren hätten. Weil dann einfach immer zu viel geredet wird, und meist nicht das Richtige."

So aber kann der Coach trotz der erneut auffälligen Probleme in der Rückwärtsbewegung und der Chancenverwertung erstmal in Ruhe weiter an seiner Runderneuerung der Bayern-Taktik tüfteln. Entsprechend erleichtert wirkte er nach der Partie und widmete - ganz Gentleman eben - seinen ersten Titel mit dem FCB Vorgänger Jupp Heynckes.

Pep widerspricht Mourinho

"Die Mannschaft war unglaublich", schwärmte Guardiola, der jeden Spieler nach dem Spiel umarmt hatte. Manchmal müsse man im Fußball zwar etwas Glück haben, aber Mourinhos Meinung teile er nicht:

"Das respektiere ich wie immer. Aber ich habe meine Meinung. Wir haben sehr gut gespielt und verdienen diesen Titel."

Auf Mourinhos Vorwürfe gegen den Schiedsrichter wollte er nicht eingehen ("Das ist immer dasselbe. Das ist eine Frage an den Schiedsrichter, nicht an mich"), betonte aber sein professionelles Verhältnis zum ungeliebten Rivalen: "Ich habe großen Respekt für ihn, er weiß das."

"Wir sind keine Feinde"

Da wollte auch der Portugiese nicht nachstehen und behauptete: "Pep Guardiola und ich sind keine Feinde, ich weiß nicht, woher das kommt."

Vielleicht sollte er mal in den Spiegel schauen, dann wäre er vermutlich schlauer.

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