Mesut Özil wechselt kurz vor dem Transferende zum FC Arsenal. Es wirkt, als habe man ihn bei Real Madrid vom Hof gejagt.

37,92 Euro.

Dass diese Summe beim Transfer von Mesut Özil eine Rolle gespielt hat, ist eher unwahrscheinlich.

Dennoch: 37,92 Euro kostet derzeit ein Flug von London nach Madrid. Ohne Zwischenlandung und mit einer Fluggesellschaft, die den gleichen Vornamen trägt wie der US-Schauspieler Gosling. Ein Schnäppchen.

Nicht, dass das für Özil wichtig wäre. Er wird auch beim FC Arsenal fürstlich verdienen.

Aber so ein bisschen Planungssicherheit tut schon gut. Schließlich ging bei dem deutschen Nationalspieler zuletzt so einiges drunter und so manches drüber.

Das muss man zumindest annehmen. "Madrid", so sagte Özil vor noch nicht einmal einer Woche, sei eine "sehr, sehr schöne Stadt, die ich jedem nur empfehlen kann."

Dann weiter: "Was Fakt ist: Ich bleibe in Madrid, ich habe einen Vertrag bis 2016. Ich fühle mich sehr wohl." So viel Liebe zum derzeitigen Arbeitgeber kannte man sonst nur von Andy Möller.

Seit Montag ist Fakt: Mesut Özil spielt ab sofort in London. Beim FC Arsenal.

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Wahrscheinlich ist es eine Entscheidung aus Vernunft. Wahrscheinlich waren Özil am Ende sogar die Hände gebunden.

Gehen (zu einem anderen Verein) oder sitzen (auf der Ersatzbank) - das dürften seine Alternativen gewesen sein.

Özil war verliebt in Madrid. Real war es aber wohl nicht mehr in ihn.

In Isco und Gareth Bale holten sich die "Königlichen" neues Gefolge an ihren Hof. Da blieb für den Spielmacher der deutschen Nationalmannschaft kein Platz mehr.

Schmeichelhaft ist das nicht gerade. Und vielleicht auch nicht gerecht. Doch Real, das ist Spektakel. Zuweilen schrill und immer laut.

Wer sich im weißen Trikot zumeist in der gegnerischen Spielhälfte aufhält, muss 20 Tore pro Jahr erzielen - mindestens. Das ist die weitverbreitete Erwartungshaltung in Madrid.

Özil brachte es auf 19 Treffer. In drei Jahren. Er ist eher ein Lenker. Einer, der für Struktur und Ordnung sorgen kann. Für die Spanier offenbar zu wenig.

Der Wechsel nach London scheint daher folgerichtig.

Sicher ist der Transfer auch risikoreich. Arsenal gehört schon länger nicht mehr zur absoluten Elite in Europa.

Doch: In Trainer Arsene Wenger trifft Özil auf einen Förderer, der die Qualitäten des teuersten deutschen Spielers aller Zeiten wahrscheinlich gewinnbringend einsetzen kann. Der Coach wird ihm vertrauen - bei einer Ablöse von um die 50 Millionen Euro sollte er das auch.

Im Hinblick auf die anstehende WM nicht ganz unerheblich.

Und: Die "sehr, sehr schöne Stadt, die ich jedem nur empfehlen kann", ist für Özil weiter problemlos zu erreichen. Für 37,92 Euro.

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