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Gareth Bale ist Mitglied der walisischen Nationalmannschaft © getty

Gareth Bales Rekordwechsel entfacht eine Debatte um die Transferauswüchse. Ein Münchner freut sich über Bewegung auf dem Markt.

Von Denis de Haas

München - Die Verhandlungen zogen sich in die Länge wie ein Kaugummi. Am Ende unterschrieb er aber doch einen Vertrag bei seinem Wunschverein.

1973 verließ Johan Cruyff Ajax Amsterdam in Richtung FC Barcelona. Umgerechnet zwei Millionen Euro zahlten die Katalanen damals für den niederländischen Stürmerstar. Es war damals der teuerste Transfer aller Zeiten.

Millionen für Bankdrücker

Heutzutage geben Mittelklassevereine aus England, Italien oder auch aus Russland zwei Millionen für einen Bankdrücker aus. Für Superstars werden aktuell andere Preise aufgerufen.

Mit Gareth Bale gibt es den ersten 100-Millionen-Euro-Fußballer. Dem Wechsel von Tottenham Hotspur zu Real Madrid folgte direkt eine Debatte um die Transfer-Auswüchse im Milliardengeschäft Fußball.

Blatter spricht von Marktwirtschaft

Der stärkste Mann im Weltfußball nahm den Rekordwechsel gelassen zur Kenntnis. "Das ist Marktwirtschaft, und in diesen Markt können wir nicht eingreifen", sagte FIFA-Boss Sepp Blatter in Zürich.

Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff verwies ebenfalls auf die Gesetze der Marktwirtschaft, warnte aber gleichzeitig vor einer gefährlichen Entwicklung.

Diplom-Kaufmann Bierhoff warnt

"Das sind Zahlen, die Fans irgendwann nicht mehr begreifen können. Und auch Summen, bei denen es für einen Betriebswirt schwer nachvollziehbar ist, wie man diese wieder reinholen kann", erklärte der Diplom-Kaufmann.

Allerdings gewann er dem Bale-Transfer auch etwas Positives ab. "Das Geld bleibt so im Kreislauf. Vielleicht gibt Tottenham es ja wieder in der Bundesliga aus", sagte Bierhoff.

Bewegung auf dem Markt

Ähnlich äußerte sich Matthias Sammer. "Es ist besser, dieses Geld bleibt im Fußballgeschäft und geht nicht irgendwo anders hin. Damit kommt Bewegung in den Markt", betonte Bayern Münchens Sportvorstand.

Gleichwohl sei ein Transfer dieser Größenordnung für Sammer "rational überhaupt nicht zu erklären". Zudem gebe es finanziell "ein ganz klares Risiko zu Lasten Real Madrids."

Die Kaufsucht des spanischen Rekordmeisters ist hinlänglich bekannt. Mittlerweile wollen sich immer mehr Vereine bei Shopping-Touren im oberen Regal bedienen.

Paris und Monaco mischen mit

Beim Wettbieten um die Topspieler wedeln anno 2013 auch zahlreiche Scheich-und Oligarchenklubs mit den großen Scheinen. Und so kommen Preise zusammen wie die 64 Millionen, die Paris St. Germain für Edinson Cavani zahlte oder die 60 Millionen, die Radamel Falcao dem AS Monaco wert waren.

Alles in Zeiten, in denen die UEFA ihre Klubs mit dem "Financial Fairplay" zur Sparsamkeit erziehen will. Und alles in Zeiten einer Wirtschaftskrise.

In diesen Zeiten klotzen die Klubs mehr denn je. Zwischen dem 1. Januar und dem 2. September sind im Weltfußball nach FIFA-Angaben 2,54 Milliarden Euro Ablösesummen gezahlt worden. Das sind 29 Prozent mehr als im Vorjahr.

Selbst Wenger gibt viel aus

Auf dem überhitzen Transfermarkt greift sogar ein eher knausriger Vertreter wie Arsene Wenger tief in den Geldbeutel: 50 Millionen Euro gab Arsenals Teammanager für Mesut Özil aus.

Mit diesem Deal fielen wieder Bestmarken: Özil ist der teuerste Deutsche, der teuerste Arsenal-Spieler und die zweitteuerste Premier-League-Verpflichtung aller Zeiten. Nur für Fernando Torres' Wechsel vom FC Liverpool zum FC Chelsea floss mit 58,5 Millionen Euro mehr Geld.

Oliver Bierhoff hängt die Bedeutung von Özils Ablösesumme nicht so hoch. "Er hätte vielleicht nur 25 gekostet, wenn Bale nur 50 gekostet hätte", sagte der Nationalmannschaftsmanager.

Khedira findet es absurd

Özils ehemaliger Real-Kollege Sami Khedira hält sich aus der Diskussion um die Spielerpreise weitgehend raus. "Wir können das nicht steuern. Wir können nicht sagen, zahlt weniger, dann komme ich. Das ist absurd", sagte der Mittelfeldspieler.

Fast so absurd als wenn ein hochverschuldeter Verein wie Real Madrid 100 Millionen Euro für einen Spieler ausgibt.

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