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Während des Confed Cups in Brasilien kam es landesweit zu Ausschreitungen © getty

Die Selecao testet am Nationalfeiertag in Brasilia gegen Australien. Proteste sind angekündigt, es drohen neue Ausschreitungen.

Brasilia - In Brasilien kocht die Stimmung wieder hoch.

Für Samstag sind zum landesweit gefeierten "Tag der Unabhängigkeit" in mindestens 135 Städten Protestmärsche angekündigt.

Auch in der Hauptstadt Brasilia, wo die Selecao mit dem Länderspiel gegen Australien (ab 21.15 Uhr LIVESCORES) und dessen deutschen Trainer Holger Osieck eigentlich für Feierlaune sorgen soll.

Droht ein Deja-vu?

Das Wiedersehen mit den heimischen Fans gut zwei Monate nach dem Confed-Cup-Triumph ist auch ein Deja-vu.

Denn in Brasilia hatte es am 15. Juni beim Auftakt des "Festivals der Champions" zwischen Brasilien und Japan die ersten gewalttätigen Konflikte von Aktivisten mit Polizeikräften im Umfeld eines WM-Stadions gegeben.

Grund genug zur Sorge für Abwehr-Ass Thiago Silva. "Das Volk hat das Recht zu protestieren", sagt der Mannschaftskapitän, fleht aber: "Lasst nicht zu, dass Aufrührer zum Problem werden. Das Land steht im schlechten Licht da, wenn die Dinge aus dem Ruder geraten. "

Die WM-Endrunde ist nur noch neun Monate entfernt.

Reibungsloser Ablauf

Mehr als 6000 Sicherheitskräfte sollen im politischen Zentrum Brasiliens, wo am Samstagmorgen auch die traditionelle Parade mit Staatspräsidentin Dilma Rousseff als Ehrengast und am Abend Gratis-Shows mit nationalen Musikgrößen stattfinden, für einen reibungslosen Ablauf aller Events sorgen.

Das Dreifache des Aufgebots für einen "normalen" Unabhängigkeitstag. Zu den Kundgebungen im ganzen Stadtgebiet werden rund 50.000 Menschen erwartet.

Die im Internet auf Facebook-Seiten gestartete "Operacao 7 de Setembro" will die Korruption im Lande, die Steuerreform und das Ende der Wahlpflicht zu zentralen Themen machen.

Aber auch die vornehmlich mit öffentlichen Geldern finanzierten WM-Stadien sind wie im Juni ein Streitpunkt.

Spärliches Interesse an der Selecao

Das Interesse an der Selecao, die sich beim Confed Cup mit dem 3:0-Finaltriumph über Weltmeister Spanien wieder in die Herzen der Fans gespielt hatte, hält sich angesichts des angespannten Klimas und starker Sicherheitsvorkehrungen mit einem Sperrriegel rund um das Nationalstadion Mane Garrincha aber in Grenzen.

Der Verband CBF rechnet mit nur 40.000 Besuchern in der 73.000 Plätze bietenden Arena.

Für Superstar Neymar ist es nach seinem Wechsel aus der Wohlfühl-Oase Santos zum FC Barcelona dennoch ein Test mit Aussagekraft.

"Wir müssen diese Spiele gewinnen, um mit noch mehr Respekt zur WM zu kommen, als die brasilianische Selecao eh schon genießt", fordert der Dribbelkünstler, der wie Paulinho, Bernard und Fernando nach dem Confed-Cup-Erfolg nun in Europa sein Glück versucht. Zuletzt hatte Brasilien 0:1 in der Schweiz verloren.

Resultat nicht so wichtig

Für Socceroos-Coach Osieck, der auf die Bundesliga-Legionäre Robbie Kruse (Leverkusen) und Mitchell Langerak (Dortmund) zurückgreift, steht nicht nur das Resultat im Vordergrund.

"Wir können gegen ein Topteam sehen, wo wir wirklich stehen und danach unsere Planungen ausrichten. Aber auch die Möglichkeit, das WM-Land schon jetzt kennenzulernen, ist von unschätzbarem Vorteil", sagte der 65-Jährige.

Damit meint Osieck sicher nicht den "größten Protest in der Geschichte Brasiliens", für den allein auf der gleichnamigen Facebook-Seite schon über 390.000 Personen landesweit ihre Teilnahme zugesagt haben.

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