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Michel Platini fungiert seit 2007 als Präsident der UEFA © getty

Der UEFA-Präsident kritisiert die Finanzpolitik vieler Klubs. Mourinho und Inter müssen zahlen. Die internationalen Splitter.

München - UEFA-Präsident Michel Platini hat die Fußball-Klubs angesichts der Finanzkrise zum Sparen aufgefordert.

Zugleich hat er die Praktiken Silvio Berlusconis kritisiert:

"Die Klubs sollen nur Geld ausgeben, das sie wirklich besitzen. Es ist unakzeptabel, dass Großunternehmer, wie Milans Besitzer Silvio Berlusconi Geld ausgeben, um die verschuldeten Bilanzen ihres Klubs in Ordnung zu bringen", sagte der Franzose gegenüber dem italienischen Pay-TV-Kanal "Sky Italia" des Berlusconi-Konkurrenten Rupert Murdoch.

Gattuso bietet Gehaltsverzicht an

Zugleich mahnte Platini, die Bezahlung der Profis an die veränderten finanziellen Rahmenbedingungen anzupassen.

"Die Spielergehälter sind sehr hoch und die Klubs sind gezwungen, Geld aufzutreiben, um sie zu bezahlen, weil die Konkurrenz groß ist. Klubs dürfen aber nicht Geld ausgeben, das sie nicht haben", sagte Platini.

Ein Umdenken hat offenbar bereits begonnen.

Gennaro Gattuso, italienischer Nationalspieler und Mittelfeldakteur bei Berlusconis AC Mailand, erklärte sich zu Gehaltseinbußen bereit, um seinen von Schulden belasteten Klub zu unterstützen. "Wenn die ganze Welt auf Sparkurs setzt, müssen wir es auch tun. Sollte mich Milan zu Opfern aufrufen, bin ich bereit, darüber zu sprechen", sagte der 31-Jährige der "Gazzetta dello Sport".

Je 25.000 Euro Strafe für Inter und Mourinho

Star-Trainer Jose Mourinho und sein Verein Inter Mailand sind am Freitag vom italienischen Verband FIGC jeweils zu einer Geldstrafe von 25.000 Euro verurteilt worden.

Grund für die hohe Sanktion waren Äußerungen des Portugiesen nach der Partie gegen AS Rom (3:3) Anfang des Monats, wonach Erzrivale Juventus Turin in dieser Saison angeblich von systematischen Schiedsrichterfehlern profitiert hätte.

Auch Daniele De Rossi vom AS Rom und sein Klub wurden von der FIGC zu Strafen in Höhe von je 20.000 Euro verurteilt.

Der Mittelfeldspieler hatte in Interviews nach der gleichen Partie ebenfalls behauptet, dass die Schiedsrichter der Serie A parteiisch seien. d

De Rossi zu Folge sollen die Schiedsrichter eine vermeintliche Schwalbe von Inters Mario Balotelli, die beim Stand von 3:1 für Rom zu einem Strafstoß für Mailand führte, nicht geahndet haben.

Juve ohne Angst vor Finanzkrise

Italiens Rekordmeister Juventus Turin zeigt keine Furcht vor der Finanzkrise.

Der börsennotierte Spitzenklub berichtete, dass bis 2010 die Haupteinnahmen garantiert seien, weil unter anderem der Vertrag über die TV-Übertragungsrechte noch bis dahin laufe. Auch die Sponsorverträge seien abgesichert, sagte Juves Geschäftsführer Giovanni Cobolli Giglio der "Gazzetta dello Sport".

Der Klub habe das letzte Geschäftsjahr zwar noch mit leichten Verlusten abgeschlossen, doch nach der Spielzeit 2008/2009 rechne man damit, wieder schwarze Zahlen zu schreiben.

Im Gegensatz zum Rivalen AC Mailand will Juventus beim Erwerb neuer Spieler nicht sparen. `Wir suchen nach einem Star, der so gut wie möglich Pavel Nedved ersetzen kann. Natürlich werden wir auf die Investitionen achten, wir werden jedoch das Geld für einen großen Einkauf zur Verfügung stellen", so Giglio.

Manipulationsskandal droht

Dem italienischen Fußball droht ein Manipulationsskandal.

Erstligist US Palermo wird von einem Mafia-Aussteiger, der sich zur Zusammenarbeit mit der Justiz entschlossen hat, schwer belastet. Demnach habe der damals noch zweitklassige Klub im Jahr 2003 zwei Spiele gekauft.

Diese Anschuldigungen erhebt der Ex-Sportmanager und Rechtsanwalt Marcello Trapani, der im September festgenommen wurde und seitdem mit den Behörden kooperiert.

Laut Trapani habe sich Palermo den Sieg gegen Ascoli Calcio am 24. Mai 2003 (2:1) sowie gegen Hellas Verona am 31. Mai (2:0) erkauft. In dieser Saison verfehlte Palermo am letzten Spieltag den Aufstieg in die Serie A.

Palermos Ex-Sportdirektor Rino Foschi, der von Trapani als Quelle seiner Informationen genannt wurde, dementierte die Aussagen. "Ich bin für keinerlei Betrug verantwortlich. Hier geht es um pure Fantasie", sagte Foschi. Auch Palermos Präsident Maurizio Zamparini wies die Anschuldigungen von sich: "Ich habe mit diesen Betrügereien nichts zu tun".

Die Staatsanwaltschaft Palermos ermittelt zudem noch in eine andere Richtung. Dabei soll festgestellt werden, ob Palermo Schwarzgelder angesammelt hat. Dies wird ebenfalls von Trapani behauptet.

Palermo ist in den vergangenen Wochen ins Visier der Ermittler geraten, weil ein beträchtlicher Teil der Tickets an Mafia-Bosse geflossen sein soll.

Klinsmann kritisiert Serie A

Für Bayern Münchens Trainer Jürgen Klinsmann ist ein Grund für den Abwärtstrend im italienischen Fußball im Triumph bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu finden.

"Der ganze italienische Fußball leidet unter der Sättigung nach den WM-Sieg. Der Hunger fehlt", sagte Klinsmann in einem Interview mit der "Gazzetta dello Sport".

Dies lasse sich auch im Ausscheiden der Vereine aus der Serie A aus der Champions League ablesen.

"Die italienischen Klubs sind zurückgeblieben. Es ist okay, Meister in der Taktik zu sein, doch das genügt nicht, weil das Spiel auch von Bewegungen ohne Ball lebt. In England und Spanien ist die Aktion schneller, direkter und aggressiver. In der Serie A leider nicht, sie ist langsam und defensiv", analysierte Klinsmann.

Für den ehemaligen Bundestrainer, der mit der deutschen Elf im Halbfinale der WM an Italien gescheitert war, ist vor allem der AC Mailand eine große Enttäuschung. "Der AC Milan hat sich in Europa auf verheerende Weise präsentiert", sagte Klinsmann.

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