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Fredi Bobic wurde 1996 mit der Nationalmannschaft Europameister © getty

Bobic ist neuer Geschäftsführer in Burgas. Er spricht über das Projekt, hungrige Talente und die Zusammenarbeit mit Balakov.

Von Christian Stüwe

München - Burgas ist eine Stadt mit rund 230.000 Einwohnern, am äußersten östlichen Rand von Bulgarien gelegen.

Der größte Hafen des Landes prägt die Schwarzmeermetropole, ebenso wie die Universität.

Burgas verfügt mit Chernomorets 919 aber auch über einen ambitionierten Fußballverein.

Der Erstligist ist seit Mittwoch die neue sportliche Heimat von Fredi Bobic. "Mein Job hier ist CEO (Chief Executive Officer, Anmerk. d. Red.), sprich Geschäftsführer", sagt der frühere Nationalspieler im Gespräch mit Sport1.de.

"Es geht aber nicht nur um Fußball, also um die Mannschaft, Scouting, Transfers und so weiter", führt Bobic aus : "Es geht auch darum, die Strukturen im Verein zu fördern und zu verbessern."

Balakov und Bobic wieder vereint

Um den sportlichen Bereich kümmert sich mit Trainer Krassimir Balakov ein alter Bekannter, so dass zumindest zwei Eckpunkte des ehemaligen "magischen Dreiecks" des VfB Stuttgart wieder vereint sind.

"Krassimir Balakov hat mich hierher eingeladen", berichtet Bobic: "Wir wollten schon immer zusammen arbeiten, weil wir ungefähr gleich über Fußball denken."

So wie sich der bulgarische Mittelfeldregisseur und Stürmer Bobic einst auf dem Platz blind verstanden, wollen sie sich nun bei Chernomorets die Bälle zu spielen.

"Ich bin hingefahren, um mir alles mal ganz zwanglos anzuschauen", so der 37-Jährige.

"Das sieht richtig gut aus"

Und offenbar war Bobic begeistert von dem, was er zu sehen bekam.

Die Entscheidung für ein Engagement in Burgas fiel dann recht schnell : "Es war nicht so, dass ich auf Teufel komm raus etwas machen wollte. Aber dann habe ich mir gesagt : 'Das sieht richtig gut aus.'"

Fußball-Projekt wie Hoffenheim

Die Vergleiche zwischen Tschernomorez 919 Burgas und 1899 Hoffenheim drängen sich praktisch auf.

Der Verein wurde vor drei Jahren neu gegründet und marschierte aus der dritten Liga in die erste bulgarische Liga (DATEN: A Grupa) durch.

Der Unternehmer Mitko Sabev (Tankstellen und Telekommunikation) steht als Präsident an der Spitze des Vereins und fungiert gleichzeitig als potenter Geldgeber.

Und ähnlich wie in Hoffenheim ist auch die Zukunft von Tschernomorez als ein ehrgeiziges Fußballprojekt konzipiert, das über den reinen Erfolg auf den Platz hinausgeht.

Stadion und Shopping Mall

"Es geht nicht um den schnellen Erfolg, nach dem Motto : 'Wir müssen sofort nach vorne und Meister werden'", sagt Bobic.

"Dazu ist ein Stadion in den nächsten fünf Jahren geplant" führt Bobic weiter aus : "Das wird ein ganzes Zentrum in Burgas mit Shopping Mall. Da steckt unheimlich viel Power drin."

Bobic hat das Projekt in Burgas offenbar so sehr begeistert, dass er bis 2014 unterschrieben hat.

Auch wenn er sich ein Hintertürchen offen lässt : "Fünf Jahre hören sich lange an, aber Krassimir und ich haben die Möglichkeit zu gehen, wenn mal ein interessantes Angebot kommt. Aber das wollen wir eigentlich nicht."

Pendeln statt Hannover

Dafür wird Bobic zum Pendler, der zwischen seiner Familie in Berlin und Burgas hin- und herjetten wird.

Das Interesse an einem möglichen Engagement als Sportdirektior bei Hannover 96 gab Bobic zu Gunsten des Jobs in Bulgarien auf. Auch weil er mit dem Vorgehen der Niedersachsen nicht zufrieden war.

"Ich habe Martin Kind im Januar meine Gedanken und Lösungsvorschläge zu 96 schriftlich zukommenlassen. Danach sagte er mir, dass er sich bei mir melden würde. Das ist bis heute nicht geschehen", ärgert sich der der Bundesliga-Torschützenkönig der Saison 1995/96.

Ausbildungsverein mit hungrigen Talenten

So kann sich Bobic auf die Weiterentwicklung des Projektes in Burgas konzentrieren.

"Wir verstehen uns als Ausbildungsverein", sagt Bobic: "Es steckt unheimlich viel Talent und Hunger in der Liga. Es sind vor allem junge Spieler und die haben alle große Träume und wollen irgendwann ins Ausland."

Vielleicht findet ja künftig der eine oder andere von Balakov und Bobic geformte Spieler den Weg in die Bundesliga. Doch zunächst einmal hat Bobic einen ausgedienten Bundesliga-Profi verpflichtet.

Der frühere Bremer Torwart Pascal Borel wechselte nach Burgas.

Ex-Bremer Borel ein "Glücksgriff"

"Die Verpflichtung von Pascal ist ein Glücksfall für uns", erklärt Bobic: "Unser Torwart hat sich verletzt und muss operiert werden."

Borel war zuletzt vereinslos. "Ich mag solche Geschichten, wenn einer schon mal ein bisschen weg vom Fenster war und wieder zurück kommt. Er ist 30 Jahre alt, das ist für einen Torwart kein Alter", sagt Bobic.

In das Konzept des Ausbildungsvereins passt Borel damit allerdings nicht mehr, aber das tut Timo Hildebrand in Hoffenheim ja auch nicht.

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