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Hannover, HSV, Bremen, Schalke und jetzt Istanbul: Fabian Ernst (r.) © imago

Nach dem überraschenden Abschied Richtung Türkei spricht Fabian Ernst bei Sport1.de über seinen Ex-Klub und den Einstand bei Besiktas.

Von Matthias Becker

München - Gut möglich, dass einige ehemalige Teamkollegen momentan ein wenig neidisch sind auf Fabian Ernst.

Für viele Außenstehende überraschend nahm der Mittelfeldspieler kurz vor Ende der Winter-Transferperiode beim FC Schalke 04 Abschied und wechselte in die türkische Süperlig zu Besiktas Istanbul.

Während auf Schalke weiter das Chaos regiert, hat sich Ernst bei Besiktas blitzschnell gut eingefügt.

Bei allen Ligaspielen seit seiner Ankunft stand er in der Startelf. Nach dem 1:1 bei Tabellenführer Sivasspor liegt Ernst mit seinem neuen Klub weiterhin mit nur einem Punkt Rückstand auf Tabellenplatz zwei und damit auf Kurs Meisterschaft und Champions League.

Die Chance zu was Neuem

"Wir sind der Titelfavorit Nummer 1", bekennt Ernst im Interview mit Sport1.de überzeugt.

Das Chaos auf Schalke verfolgt er weiterhin aufmerksam. "Man muss das Ganze als Chance sehen, um etwas Neues wachsen zu lassen", erklärt Ernst mit Blick auf die Entlassung von Manager Andreas Müller und Trainer Fred Rutten.

Sport1.de: Herr Ernst, Sie sind seit seit knapp zwei Monaten in Istanbul. Wie gefällt es Ihnen in der türkischen Süperlig?

Fabian Ernst: Ich bin begeistert von Mannschaft und Fans. Istanbul hatte ich mir auch nicht so schön vorgestellt. Der Verein wird sehr professionell geführt. Vom Niveau her ist es aber noch ein wenig anders als in der Bundesliga.

Sport1.de: Sie wurden schon begeistert am Flughafen empfangen. Ist es schwierig sich an die südländische Mentalität zu gewöhnen?

Ernst: Wir haben noch kein Spiel verloren, seit ich hier bin. Die Erwartungen waren von Anfang an hoch, aber ich habe in den ersten Spielen belegt, dass ich ins Team passe. Auch die Fans haben mich angenommen. Ich fühle mich recht wohl.

Sport1.de: Sind Sie auch in der Mannschaft schon voll anerkannt?

Ernst: Das ist eine sehr gute Truppe. Von den Charakteren stimmt es und ich habe überhaupt keine Probleme.

Sport1.de: Gegen Tabellenführer Sivasspor haben Sie sich 1:1 getrennt. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Ernst: Das war kein gutes Spiel, aber wir können damit leben. Wir haben noch alles selbst in der Hand, die großen Derbys noch zu Hause und sind deshalb Titelfavorit Nummer 1.

Sport1.de: Ihr Wechsel kam sehr überraschend...

Ernst: Es ging sehr schnell. Eineinhalb oder zwei Wochen vor Ende der Transferperiode habe ich von dem Interesse gehört und hatte daraufhin regen Kontakt mit meinem Berater. Nach längerem Überlegen habe ich mich dann für die reizvolle Aufgabe entschieden, im Ausland zu spielen. Besiktas ist ein guter Klub.

Sport1.de: Können Sie sich einen längeren Verbleib in der Türkei vorstellen?

Ernst: Ich sehe uns auf einem guten Weg und denke, dass die Mannschaft in den nächsten Jahren große Erfolge feiern kann. Von daher fühle ich mich momentan natürlich sehr wohl, was das Sportliche anbelangt und auch vom Privaten her, hat das seine Vorteile - durch den Stellenwert, den man hier als Profi hat.

Sport1.de: Inwiefern ist der Stellenwert als Profi in der Türkei anders als in Deutschland?

Ernst: Es sind die alltäglichen Sachen, die einem vereinfacht werden. Es wird sich sehr gut um einen gekümmert.

Sport1.de: Verfolgen Sie auch, was in der Bundesliga und bei Schalke 04 derzeit passiert?

Ernst: Selbstverständlich.

Sport1.de: Wie bewerten Sie die Entwicklung seit Ihrem Wechsel?

Ernst: Es ist keine Ruhe eingekehrt. Stattdessen ist man eher weiter in die falsche Richtung gegangen.

Sport1.de: Glauben Sie, dass die Entlassungen von Manager und Trainers die richtigen Schritte sind, um Ruhe in den Verein zu bringen?

Ernst: Man muss das Ganze als Chance sehen, um etwas Neues wachsen zu lassen. Das wird seine Zeit brauchen, um wieder auf dem Level zu sein.

Sport1.de: Sie haben mit Besiktas offensichtlich einen Klub gefunden, bei dem Sie richtig aufblühen. Ist denn die WM nächstes Jahr für Sie auch noch ein Ziel?

Ernst: Von den Leistungen her, hätte ich es schon länger verdient gehabt, wieder in der Nationalelf zu spielen. Aber das Thema ist jetzt abgehakt. Meine Leistung habe ich immer gebracht und die werde ich auch in der Türkei bringen.

Sport1.de: Wäre eine Bundesliga-Rückkehr für Sie denkbar?

Ernst: Ich bin momentan in einer sehr guten Form und muss sagen, dass mir der Fußball da nach wie vor sehr viel Spaß macht. Von daher war es erstmal der richtige Schritt für mich, hierher zu gehen. Man muss sehen, was sich noch entwickelt. Ich fühle mich sehr wohl und könnte mir sehr gut vorstellen noch ein paar Jahre hier zu spielen.

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