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Theo Zwanziger (r.) war von 2006 bis 2012 alleiniger DFB-Präsident © imago

Zwanziger nimmt den in der Korruptionsaffäre um die Katar-WM in die Schusslinie geratenen Beckenbauer bei SPORT1 in Schutz.

Von Mathias Frohnapfel, Denis de Haas und Jan Reinold

München ? Theo Zwanziger hat den im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre um die WM-Vergabe 2022 an Katar in die Schusslinie geratenen Franz Beckenbauer verteidigt.

"Aus der Tatsache, dass Fragen gestellt werden, darf man doch nicht den Schluss ziehen, dass der Befragte auch beschuldigt wird", sagte das deutsche FIFA-Exekutivmitglied Zwanziger zu SPORT1.

Und der ehemalige DFB-Präsident betonte, dass seine "hohe Wertschätzung" für Beckenbauer durch diesen Vorgang "in keiner Weise beeinträchtigt" worden sei.

Beckenbauers Name war in der Korruptionsaffäre um die WM 2022 in Katar vor einigen Tagen erstmals gefallen (Bericht).

Am Wochenende berichtete die britische Zeitung "Sunday Times" erneut über angebliche Bestechungen und Schmiergeldzahlungen rund um die Vergabe des Turniers an das Wüsten-Emirat am Persischen Golf.

"Macht?s eure Beantwortung doch selbst"

FIFA-Chefermittler Michael Garcia, der die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 (an Russland) und 2022 (an Katar) im Auftrag der FIFA untersucht, soll Beckenbauer zweimal schriftlich zu einer Stellungnahme aufgefordert haben, die gewünschte Antwort erhielt der US-Anwalt aber offenbar nicht.

Er habe die Fragebögen auf Englisch bekommen, seine Fremdsprachenkenntnisse seien allerdings nicht gut genug, um juristische Fragen auf Englisch zu beantworten, erklärte Beckenbauer am vergangenen Donnerstag zu dem Vorgang:

"Ich habe daraufhin gebeten, mir das auf Deutsch zu übersetzen. Das hat man nicht getan, und dann habe ich gesagt: Macht?s eure Beantwortung doch selbst. Seitdem hat sich nichts mehr getan."

Strafe für Beckenauer gefordert

Auch wegen dieser Haltung könnte Beckenbauer nun Ungemacht drohen.

Der britische FIFA-Vize-Präsident Jim Boyce forderte im Gespräch mit der Tageszeitung "The Telegraph" eine Sanktionierung des Deutschen, sollte dieser als ehemaliger FIFA-Funktionsträger nicht mit Chefermittler Michael Garcia kooperieren (News).

Auch Zwanziger sagte aus

Zwanziger mahnte in der Angelegenheit allerdings zu Sachlichkeit.

"Wenn man aufklären soll, muss man Fragen stellen können, besonders an die, die bei der Vergabe dabei waren, wie das bei Beckenbauer der Fall ist. Also, was ist daran Dramatisches?", sagte der Jurist zu SPORT1: "Der Vorgang beweist nur, dass die Reform der FIFA erfolgreich ist. Denn es wird jetzt ernsthaft und kompetent aufgeklärt und ermittelt."

Zudem erklärte der ehemalige DFB-Präsident Zwanziger, der erst seit 2011 im Exekutivkomitee der FIFA sitzt, dass auch er zum Verhältnis des DFB zum Australischen Verband befragt worden sei.

"Selbstverständlich habe ich meine Aussage gemacht. Die Fragen haben mir gezeigt, wie breit Garcia seine Ermittlungen angelegt hat", sagte Zwanziger: "Im Interesse einer möglichst umfassenden Aufklärung finde ich das gut."

Einladung nach Katar?

Der heute 68-jährige Beckenbauer soll im Frühjahr 2011 ? also fünf Monate nach der höchst umstrittenen Entscheidung für Katar ? zusammen mit Vorständen eines Öl- und Gas-Unternehmens nach Doha eingeladen worden.

Und zwar von der im Zentrum der Vorwürfe stehenden Schlüsselfigur Mohamed Bin Hammam.

Die beteiligte Firma, die Beckenbauer damals als Berater angestellt haben soll, teilte der "Sunday Times" mit, bei dem Treffen seien mögliche Investitionen Katars im maritimen Bereich diskutiert worden. Zu einem Vertragsabschluss sei es aber nicht gekommen.

Beckenbauer: "Mir hat keiner etwas angeboten"

Beckenbauer, bei der Vergabe an Katar im Dezember 2010 Mitglied im FIFA-Exekutivkomitee, gab auf Anfrage der Zeitung dazu keinen Kommentar ab.

Am Donnerstag hatte er in München noch klargestellt: "Mich hat keiner versucht zu beeinflussen oder hat mir etwas angeboten. Deshalb kann ich nichts dazu beitragen, wenn es um Korruption geht."

Wie seine Wahl ausfiel, hatte er nie öffentlich gemacht. "Das bleibt geheim", sagte der "Kaiser", der sich darauf beruft, kein offizielles Amt im internationalen Fußball mehr inne zu haben. Er hatte sich im März 2011 aus dem FIFA-Exko verabschiedet.

Beckenbauer Botschafter einer russischen Gas-Vereinigung

Im Mai 2012 war Beckenbauer zudem Partner und Botschafter der Russian Gas Society (RGS) geworden. Die RGS ist die Vereinigung aller gasfördernden Unternehmen in Russland.

Wichtigstes Mitglied ist der Gas-Gigant Gazprom.

Für ihn sei es eine Ehre mit der RGS, "einer der wichtigsten Wirtschaftsinstitutionen Europas", zusammenzuarbeiten, sagte Beckenbauer damals.

Millionenzahlungen an FIFA-Kräfte?

Bereits in der vergangenen Woche hatte die "Sunday Times" berichtet, der katarische Unternehmer Bin Hammam habe während seiner Zeit im FIFA-Exko mehrere Offizielle des Weltverbandes mit insgesamt 3,7 Millionen Euro geschmiert, um die WM in sein Heimatland zu holen.

Die doppelte Vergabe der Endrunden 2018 nach Russland und 2022 steht im Fokus der Ermittlungen der FIFA-Ethikkommission unter Garcia.

Die Korruptionsaffäre setzt die FIFA unmittelbar vor Beginn der WM in Brasilien am Donnerstag weiter massiv unter Druck (News: Blatter warnt vor FIFA-Zerstörern).

Der FIFA-Kongress in Sao Paulo (10./11. Juni) gewinnt angesichts der neuen Vorwürfe an Brisanz.

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