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Theo Zwanziger war von 2006 bis 2012 DFB-Präsident
Theo Zwanziger war von September 2006 bis März 2012 alleiniger DFB-Präsident © getty

Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger weist bei SPORT1 die Vorwürfe des DFB zurück und lehnt einen Rücktritt von seinem FIFA-Amt ab.

München/Frankfurt - Theo Zwanziger hat sich vehement gegen die Forderung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gewehrt, von seinem Amt im FIFA-Exekutivkomitee zurückzutreten.

Er könne über die Kritik des Verbandes "nur lachen", sagte der frühere DFB-Präsident zu SPORT1.

Er werde "natürlich nicht" zurücktreten", fuhr Zwanziger fort: "Niersbach (DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, Anm. d. Red.) kann ja mit Blatter (FIFA-Präsident Sepp Blatter, Anm. d. Red.) einmal darüber sprechen."

Novum in DFB-Geschichte

Wegen der öffentlichen Schlammschlacht gegen seinen Nachfolger Wolfgang Niersbach hat das DFB-Präsidium den 69-Jährigen aus Altendiez zum Rücktritt aus der "Regierung" des Weltverbandes aufgefordert. Dies teilte der DFB am Samstag per Presseerklärung mit.

Noch nie in der 114-jährigen Verbandsgeschichte hat es einen vergleichbaren Vorgang gegeben.

Jurist Zwanziger wird vorgeworfen, "nicht mehr angemessen die Interessen des deutschen Fußballs" in der FIFA zu vertreten. Zwanziger wird als gewähltes FIFA-Exko-Mitglied am 29. Mai 2015 aus dem Gremium ausscheiden.

DFB wirft Zwanziger Rufschädigung vor

"Gleichzeitig verwahrt sich das Präsidium dagegen, dass durch Anspielungen zur Vergütung des DFB-Präsidenten ein falscher und rufschädigender Eindruck vermittelt wird", heißt es weiter in der Mitteilung.

Das DFB-Präsidium stellte nach Zwanzigers Anschuldigungen bezüglich des "Gehalts" von Niersbach fest: Die Aufwandsentschädigung für Niersbach entspreche "exakt der des Amtsvorgängers Zwanziger", die Altersversorgung sei gutachterlich geprüft und vollumfänglich mit den Vorgaben des gemeinnützigen Verbandes vereinbar, so der DFB.

Dazu stellte Zwanziger fest: "Ich empfehle die Höhe dieser Rente einmal zu nennen. Da müssen andere Ehrenamtler lange für stricken."

Zwanziger: Höhere Aufwandsentschädigung für Niersbach

Zwanziger hatte am Samstag in der "Rhein-Zeitung" aus Koblenz über Niersbachs Entlohnung gesagt:

"Ich kann mir doch nicht bei Hunderttausenden von Menschen, die unter Ehrenamt im Fußball etwas ganz anderes verstehen, aus der Kasse des DFB Vergütungen in einer deutlich sechsstelligen Größenordnung zahlen lassen. Das ist Heuchelei. Der DFB ist schließlich ein gemeinnütziger Verband. Aus diesem Grund habe ich die Distanz gesucht."

Zwanziger kritisiert damit, dass Niersbach angeblich mehr als die normale Aufwandsentschädigung eines DFB-Präsidenten erhalte.

Die Präsidiumsmitglieder wiesen "die offensichtlich persönlich motivierten und völlig haltlosen Aussagen auf das Schärfste" zurück. Darüber hinaus distanzierten sie sich "geschlossen und in aller Form" von Zwanziger.

Zuvor hatte der Ex-DFB-Chef bereits in einem "FAZ"-Interview Niersbach verbal attackiert.

Ungünstiger Zeitpunkt

"Diese öffentlichen Aussagen sind völlig inakzeptabel, noch dazu während einer Fußball-Weltmeisterschaft, bei der die Spieler und der Sport im Mittelpunkt stehen sollten. Als Ligaverband können wir uns nur klar davon distanzieren und die hervorragende Zusammenarbeit mit dem amtierenden DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach unterstreichen", sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball.

Zwanziger hatte zuvor einmal mehr verbal um sich geschlagen. "Da Niersbach nicht schnell genug in dieses Amt kommen konnte, wurde mit Einverständnis einiger Herren im DFB ein Weg gewählt, den ich nicht akzeptiert habe", erklärte Zwanziger in der "Rhein-Zeitung".

Und weiter: "So wurde offenbar, wie es der DFB in einer Presseerklärung eingeräumt hat, über eine Betriebsrente ein Ausgleich zwischen der Aufwandsentschädigung für einen DFB-Präsidenten und dem Gehalt eines Generalsekretärs gesucht."

Sandrock: "Schlechter Stil"

Der ehemalige Regierungspräsident von Koblenz stellt sogar die Frage, "ob das gesetzlich zulässig ist". Er habe sich aber, "weil ich das Ganze durchaus für problematisch halte, genaue Aufzeichnungen gemacht, um nicht in Mitverantwortung gezogen zu werden".

Das sei der Grund, "warum ich in die Isolation gegangen bin. Für Heuchelei bin ich nicht zu haben".

"Habe niemanden persönlich angegriffen"

Trotz des öffentlichen Zwists will der Jurist nicht von seinem Kurs abweichen: "Ich bleibe bei meiner Linie, Fußball und Gesellschaft zu thematisieren. Wenn Leute das als persönliche Angriffe empfinden, tun sie mir leid", ließ Zwanziger SPORT1 wissen.

Er ergänzte: "Ich habe niemanden persönlich angegriffen und weise diesen Vorwurf entschieden zurück. Jetzt freue ich mich auf die WM und werde danach auf die Angelegenheit zurückkommen."

Dagegen übte Generalsekretär Helmut Sandrock offen Kritik am Führungsstil Zwanzigers als DFB-Chef:

"Es ist mir als Generalsekretär für das gesamte Haus ein Anliegen zu betonen, dass wir unter Wolfgang Niersbach wieder ein Klima des Vertrauens haben, dass zuvor verloren gegangen war. Diese öffentlichen Anspielungen sind nicht nur falsch, sondern auch schlechter Stil."

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