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Franz Beckenbauer ist Ehrenpräsident des FC Bayern © getty

Franz Beckenbauer wird nun doch die Fragen der FIFA zur WM-Vergabe an Katar beantworten - der "Kaiser" antwortet nur auf deutsch.

München - Nun also doch:

Franz Beckenbauer wird bis zum 27. Juni die Fragen des Chefermittlers der Ethik-Kommission des Weltverbandes, Michael J. Garcia, beantworten.

Das ehemalige FIFA-Exekutiv-Mitglied will damit eine Aufhebung seiner 90-Tage-Sperre erwirken.

Diese war vom stellvertretenden Vorsitzenden der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission, Alan Sullivan, auf Antrag von Garcia ausgesprochen worden und ab sofort gültig.

Dabei geht es um Garcias Ermittlungen im Zusammenhang mit der WM-Vergabe 2022 an Katar.

Mit der Bereitschaft zur Aussage liege "für unser Verständnis kein Verdacht für einen mutmaßlichen Verstoß gegen das FIFA-Ethikreglement mehr vor, sodass wir davon ausgehen, dass die provisorisch verhängte Sanktion gegen ihn umgehend aufgehoben wird", hieß es in einer am Sonntag verbreiteten Erklärung des Beckenbauer-Managements MHM von Berater Marcus Höfl.

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Bruchhagen nimmt Beckenbauer in Schutz

Eintracht Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen hatte Beckenbauer im WM Doppelpass auf SPORT1 in Schutz genommen.

"Es ist absurd, ihn überhaupt in die Nähe eines solchen Vorganges zu rücken", sagte Bruchhagen.

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Derzeit für alle Spiele weltweit gesperrt

Nach der Sanktion durch den Weltverband FIFA darf der OK-Chef der WM 2006 in Deutschland aktuell keine Fußballspiele besuchen, auch nicht bei der WM in Brasilien.

"Franz Beckenbauer kann an keiner Aktivität im Zusammenhang mit dem Fußball teilnehmen. Das schließt, neben anderen Dingen, eine Einladung zum Besuch eines Fußballspiels oder den Besuch auf privater Basis eines Fußballspiels jeglicher Art ein", sagte Alan Sullivan.

Über diese Sperre sei der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannnschaft sehr überrascht gewesen, schrieb MHM.

Ihm sei keine Gelegenheit gegeben worden, sich vorab zu dem "Verdacht eines mutmaßlichen Verstoßes" zu äußern.

"Es war das erste Mal, dass sie bei der FIFA nicht gewusst haben, wie sie mich telefonisch erreichen können", sagte Beckenbauer.

"Im Übrigen war ich immer davon ausgegangen, dass ich die Fragen nicht beantworten muss, da ich bei der FIFA keine offizielle Funktion mehr bekleide. Aber das ist ja nun auch geklärt."

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Management: Kein Verstoß festgestellt

Beckenbauers Management betonte nochmals, dass die Sanktion der FIFA eine provisorische Maßnahme gewesen sei.

Damit sei kein Verstoß festgestellt, sondern nach dem Ethikreglement lediglich angenommen worden, "dass der Verdacht eines Verstoßes vorliegen könnte, sollte er die Fragen nicht beantworten. Franz Beckenbauer hat jedoch zu keinem Zeitpunkt gegenüber der FIFA ausgeschlossen, die Fragen zu beantworten", schrieb MHM.

Damit dürften die Chancen, dass Beckenbauer nun doch kann, deutlich gestiegen sein.

Reise zum WM-Halbfinale vielleicht möglich

Allerdings dürfte die Sperre frühestens nach Eintreffen der Beckenbauer-Antworten bei der FIFA aufgehoben werden - aber damit immer noch rechtzeitig für Beckenbauer, um wie geplant zum WM-Halbfinale am 8./9. Juli zu reisen.

Beckenbauer hatte laut Darstellung der FIFA die Kooperation mit Chefermittler Garcia verweigert und war deshalb sanktioniert worden.

Der Kapitän der deutschen Weltmeistermannschaft von 1974 und Teamchef des Weltmeisterteams von 1990 bestritt dies und wies darauf hin, dass er die in Englisch abgefassten Fragen juristischen Inhalts nur in Deutsch habe beantworten wollen.

FIFA: Fragen auch auf deutsch zugeschickt

Diesem Wunsch war Garcia allerdings angeblich nicht nachgekommen.

Die FIFA schrieb jedoch, Beckenbauer sei auch ein in Deutsch verfasster Fragebogen zugekommen.

Zunächst hatte Beckenbauer noch flapsig reagiert ("Ich habe erst einmal auf das Datum heute geschaut. Ich dachte, es wäre der erste April und damit ein Aprilscherz"), doch inzwischen hatte er den Ernst der Lage erkannt.

Das Einlenken kam am Sonntag, möglicherweise auch, um seine Expertentätigkeiten im Fußball nicht zu gefährden.

An WM-Vergaben 2018 und 2022 direkt beteiligt

Der "Kaiser" war zum Zeitpunkt der umstrittenen Vergabe der Endrunden an Russland und Katar Mitglied im Exekutivkomitee der FIFA, deren Vertreter die WM-Gastgeber wählen.

"Die Sperre durch die FIFA hat mich überrascht, ändert aber nichts an meiner Einschätzung. Franz Beckenbauer ist für mich ein Ehrenmann, der nichts zu verbergen hat. Ich gehe davon aus, dass er zur Aufklärung der offenen Fragen beitragen wird", hatte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach am Samstag erklärt.

Beckenbauer, der lediglich noch als Ehrenpräsident von Bayern München ein Amt im Fußball bekleidet, war bis März 2011 Exko-Mitglied der FIFA.

Bei den WM-Vergaben für 2018 (Russland) und 2022 (Katar) hatte er am 2. Dezember 2010 nach Angaben der "Bild" für die russische beziehungsweise die US-amerikanische Bewerbung gestimmt - nicht aber für Katar.

Auch Rummenigge im Fokus?

Neben Beckenbauer stand laut "FAZ" auch Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge für kurze Zeit im Fokus der Garcia-Ermittlungen.

Der 58-Jährige sei um eine Stellungnahme zu seinem Zollvergehen vom 7. Februar 2013 gebeten worden.

Damals war er aus Doha kommend bei der Einreise nach Deutschland mit zwei Luxusuhren erwischt worden und musste eine Geldstrafe in Höhe von 249.900 Euro zahlen, Rummenigge ist seitdem vorbestraft.

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