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Togo nahm 2006 an der WM in Deutschland teil © getty

Rebellen nehmen Togos Nationalmannschaft unter Beschuss. Es gibt Verletzte und einen Toten. Bayer sorgt sich um Toure.

Luanda - Ein Maschinengewehr-Angriff auf den Bus der togolesischen Nationalmannschaft mit einem Toten und neun Verletzten hat zwei Tage vor dem Start des Afrika-Cups in Angola alle Beteiligten in einen Schockzustand versetzt.

Ein Busfahrer ist nach Medienberichten im Kugelhagel getötet worden.

Neun Mitglieder des Teams und der Delegation wurden durch Projektile verletzt, allerdings nicht lebensgefährlich. Ob der bei Bayer Leverkusen unter Vertrag stehende Ergänzungsspieler Assimiou Toure zu den Verletzten zählte, war zunächst unklar.

Zwei Spieler unter den Verletzten

"Ein Fahrer wurde getötet und neun Mitglieder der Delegation einschließlich zweier Spieler wurden verletzt", sagte Verbands-Mitglied Willy Dogbatse der Nachrichtenagentur "afp".

"Bei den anderen Verletzten handelt es sich um Mitglieder der sportlichen, administrativen und medizinischen Abteilung. Die Verbands-Offiziellen befinden sich zurzeit in einem Meeting. Wir versuchen, schnelle Lösungen zu finden und am Samstag nach Cabinda zu kommen."

Zu der Tat bekannte sich laut der portugiesischen Nachrichtenagentur "Lusa" die "Befreiungsfront für die Unabhängigkeit von Cabinda" (FLEC).

Absage des Afrika-Cups gefordert

Verängstigte togolesische Spieler forderten nach dem Vorfall an der Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und der angolanischen Provinz Cabinda sofort eine Absage des Turniers vom 10. bis 31. Januar in Angola.

Togos Auftaktspiel in der Gruppe B in der Provinzhauptstadt Cabinda ist für Montag gegen den deutschen WM-Gruppengegner Ghana angesetzt. In der Öl-reichen Region Cabinda kämpfen Rebellen um Unabhängigkeit.

Nach Berichten mehrerer Medien geriet der Bus mit Spielern und Verantwortlichen am Freitag beim Grenzübertritt unter Maschinengewehrfeuer.

Torhüter unter den Verletzten

Ein Sprecher des togolesischen Sportministeriums sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass dabei ein angolanischer Busfahrer getötet worden sei. Ob es sich dabei um den Fahrer des Teambusses oder eines Begleitfahrzeuges handelte, war zunächst unklar. .

Nationalspieler Thomas Dossevi vom FC Nantes sagte dem französischen TV-Sender "Infosports", dass es sich bei den verletzten Spielern um Torhüter Kodjovi Obidale vom französischen Amateurklub GSI Pontivy und Verteidiger Serge Akakpo vom rumänischen Klub Vaslui handele.

Kein Kontakt zu Bayers Toure

"Einer von ihnen wurde von einer Kugel in den Rücken getroffen, der andere in die Niere", sagte Dossevi der französischen Nachrichtenagentur "afp".

Die Verletzten wurden in ein Krankenhaus in Cabinda gebracht und behandelt.

Wie es Assimiou Toure geht, war nicht bekannt. Die Verantwortlichen von Bayer Leverkusen versuchten zunächst vergeblich, Informationen aus erster Hand zu bekommen. "Wir haben versucht, Kontakt herzustellen, was uns bis jetzt nicht gelungen ist", sagte Bayers Pressesprecher Dirk Mesch am Freitagabend.

"Wollen nur zurück nach Hause"

Dossevis Mannschaftskollege Alaixys Romao vom französischen Erstligisten Grenoble Foot forderte eine Absage des Kontinentalturniers.

"Wenn es möglich ist, sollte man das ganze Turnier boykottieren. Warum nicht gleich alle Spiele absagen. Wir wollen jedenfalls nur zurück nach Hause", sagte Romao.

Wie im Krieg

Thomas Dossevi schilderte den Vorfall. "Wir hatten gerade die Grenze überquert, nachdem wir die Formalitäten hinter uns gebracht hatten. Alles war gut, wir waren von Polizei umringt. Dann brach Maschinengewehrfeuer aus", sagte der 30 Jahre alte Stürmer.

"Jeder ist unter den Sitz gekrochen. Die Polizei feuerte zurück. Es war ein Schock. Ich habe mich gefühlt, als ob Krieg ausgebrochen ist. Als wir den Bus verlassen haben, haben wir uns alle gefragt: Was ist hier eigentlich gerade passiert?", fügte er hinzu.

Turnier-Organisatoren ohne Kenntnis

Von Seiten der Turnier-Organisatoren kamen zunächst irritierende Reaktionen auf diesen Zwischenfall.

"afp" wurde mitgeteilt, dass lediglich ein Reifen am Bus geplatzt sei. Danach hieß es, dass man von einem Vorfall keinerlei Kenntnis habe. Der angolanische Minister Antonio Bento Bembe, der für die Region Cabinda zuständig ist, verurteilte den Anschlag als "terroristischen Akt".

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