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Otto Pfister trainierte Togo 2006 bei der WM in Deutschland teil © imago

Ein Terror-Anschlag auf das Nationalteam von Togo sorgt für Entsetzen. Im Interview ordnet Otto Pfister die Geschehnisse ein.

München - Ein Terror-Anschlag auf den Bus der togolesischen Nationalmannschaft mit einem Toten und neun Verletzten hat in Angola alle Beteiligten in einen Schockzustand versetzt.

Der Busfahrer wurde vor dem Start des Afrika Cups bei dem Vorfall an der Grenze zwischen dem Kongo und der angolanischen Provinz Cabinda am Freitagabend im Kugelhagel getötet.

Zudem seien insgesamt neun Mitglieder des Teams verletzt worden.

Der bei Bayer Leverkusen unter Vertrag stehende Ergänzungsspieler Assimiou Toure blieb unversehrt.

Trotzdem soll der Afrika Cup wie geplant starten. Das teilte Afrikas Fußball-Konföderation in einer veröffentlichten Stellungnahme mit.

Zu der blutigen Tat bekannte sich laut der portugiesischen Nachrichtenagentur "Lusa" die "Befreiungsfront für die Unabhängigkeit von Cabinda".

Die FIFA erklärte in einer Stellungnahme, dass sie mit dem CAF-Präsidenten Issa Hayatou in engem Kontakt stehe und einen genauen Bericht über die Situation haben wolle.

Mit Entsetzen hat der ehemalige togolesische Nationaltrainer Otto Pfister auf den Anschlag gegen seine frühere Mannschaft reagiert.

Im Interview spricht der 72-Jährige über den Vorfall, Sicherheitsrisiken in Afrika und mögliche Auswirkungen auf die Weltmeisterschaft.

Frage: Herr Pfister, der Terroranschlag auf ihre ehemalige Mannschaft hat die Fußball-Welt erschüttert. Wie haben Sie diese Nachricht aufgenommen?

Otto Pfister: Das war ein echter Schock für mich. Ich habe es am Freitag aus dem Videotext erfahren, eine ganz bittere Sache. Das ist schon unglaublich."

Frage: Haben Sie bereits Kontakt zu Spielern aufgenommen?

Pfister: Ich habe sofort versucht, Emmanuel Adebayor von Manchester City auf dem Handy zu erreichen, auch den jungen Toure von Leverkusen - vergeblich. Danach habe ich mit Thomas Dossevi vom FC Nantes gesprochen, der mir diesen Vorfall detailliert geschildert hat. Schlimm. Heutzutage ist einfach alles möglich.

Frage: Welche Bedeutung hat dieser Anschlag für die Erwartungshaltung der Afrikaner, insbesondere, was die WM in Südafrika angeht?

Pfister: Das wird jetzt natürlich direkt auf die WM projiziert. Das ist ein echter Schlag für Afrika, die Kritiker werden nun Oberwasser bekommen. Aber man darf Angola nicht mit Südafrika verwechseln. Man darf jetzt nicht in Panik verfallen.

Frage: Sie haben viele Jahre lang afrikanische Mannschaften trainiert und gelten als Afrika-Experte. Gehen Sportler dort wegen der teilweise instabilen Verhältnisse ein besonderes Risiko ein?

Pfister: Generell ist das Risiko in Afrika nicht höher als anderswo. Aber die Sicherheitsmaßnahmen sind natürlich mit denen in Deutschland nicht zu vergleichen. Das sind auch in diesem Bereich Entwicklungsländer, wie in der Wirtschaft, wie fast überall. Es ist teilweise eine endlose Weite dort - wie sollen sie so etwas vernünftig kontrollieren?

Frage: Reflexartig wurde die sofortige Absage des Turniers in Angola gefordert. Der afrikanische Fußball-Verband CAF hat umgehend abgelehnt. Ist das die richtige Entscheidung?

Pfister: Der Afrika-Cup ist ein unglaubliches Event für die Afrikaner, fast wichtiger als eine WM. Man darf ihn nicht absagen. Da ist man ganz schnell bei Helmut Schmidt und dem entführten Flugzeug in Mogadischu - da wird man erpressbar.

Frage: Natürlich erwägt Togo dennoch einen Rückzug, und Premier-League-Klubs haben bereits ihre Spieler aufgefordert, zurückzukehren...

Pfister: Die Klubs gehen jetzt natürlich auf die Palme, weil sie Angst um ihre hochbezahlten Superstars haben. Jetzt geht das ganz große Zittern los.

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