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Obilale Kodjovi soll sich nach den Schuss- verletzungen in stabilem Zustand befinden © getty

Die Fußball-Welt ist entsetzt: Der Terroranschlag auf den Bus der togolesischen Nationalelf hat mehrere Todesopfer gefordert.

München - Afrika steht unter Schock, aber die Show soll trotzdem beginnen.

Nach dem tödlichen Terroranschlag auf den Bus der togolesischen Nationalmannschaft wird die WM-Generalprobe beim Afrika Cup in Angola planmäßig über die Bühne gehen.

Allerdings ohne Togo: Rund 24 Stunden nach dem Überfall sagte der togolesische Minister und Regierungssprecher Pascal Bodjona die Teilnahme am Turnier ab

"Kein Spieler ist bereit, bei diesem Cup anzutreten. Wir sind gekommen, um ein Fußball-Fest zu feiern, aber jetzt ist es, als würde man in den Krieg ziehen", sagte Togos Torwart Kossi Agassa im Radio "France Info".

Alaixys Romao hatte zuvor bereits eine Teilnahme ausgeschlossen. "Wir warten auf unseren Rückflug nach Lome", hatte der Mittelfeldspieler des Grenoble Foot 38 gesagt.

Adebayor hat Angola verlassen

Nach dem Angriff einer Rebellen-Organisation in der angolanischen Exklave Cabinda zeigte das Staatsfernsehen den Starstürmer Emmanuel Adebayor völlig verschreckt und in Tränen aufgelöst.

Vor dem Krankenhaus, in dem Spieler und Betreuer der togolesischen Delegation behandelt werden, tröstete Afrikas Fußballer des Jahres von 2008 seine Mitspieler.

"Niemand ist bereit, hier sein Leben zu riskieren. Sie haben gesehen, wie ein Mitspieler mit einer Kugel im Körper schrie, dann bewusstlos wurde und das alles", sagte Adebayor, der laut Aussagen seines Vereins Manchester City Angola bereits wieder verlassen hat.

Spieler wollen abreisen

Sein Teamkollege Thomas Dossevi lieferte eine eindringliche Schilderung des Vorfalls an der Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Cabinda, einem von vier Austragungsorten des 27. Kontinentalturniers.

"Wir wurden beschossen wie Hunde. Die Angreifer waren bis an die Zähne bewaffnet. Alle versteckten sich 20 Minuten lang unter den Sitzen. Es war schrecklich."

Assistenztrainer und Pressesprecher getötet

Zwei Mitglieder der Delegation und der Busfahrer wurden dabei getötet worden. Ein Mitglied der afrikanischen Fußball-Konföderation CAF erklärte am Samstag in Cabinda, es handele sich um den Assistenztrainer des Teams und den Pressesprecher.

"Abolo Amelete und Stanislas Ocloo sind um vier Uhr am frühen Morgen verstorben", sagte Kodjo Samlan. Über das Schicksal des Busfahrers hatte es widersprüchliche Angaben gegeben.

Der CAF-Sprecher hatte anscheinend fälschlicherweise erklärt, Berichte über den Tod des Mannes seien falsch.

Widersprüche bei Obilale

Widersprüchliche Aussagen gab es auch zum Gesundheitszustand von Nationaltorhüter Kodjovi Obilale. Erst hatte ein französischer Radiosender bereits vermeldet, Obilale sei verstorben.

Nun soll er sich nach seinen Schussverletzungen in stabilem Zustand befinden. Dies vermeldete Richard Friedland, Präsident der Milpark-Klinik in Johannesburg. Obilale soll nun schnellstmöglich operiert werden.

Der Keeper des französischen Amateurklub GSI Pontivy war bei dem Anschlag von zwei Kugeln in Rücken und Bauch getroffen worden.

Verletzt wurde zudem Verteidiger Serge Akakpo vom rumänischen Klub FC Vaslui.

Aufatmen in Leverkusen

Bayer Leverkusen konnte nach einer Nacht der Ungewissheit dagegen aufatmen, denn Abwehrspieler Assimiou Toure überstand den Angriff unversehrt.

"Er ist körperlich nicht verletzt. Es geht ihm den Umständen entsprechend gut", sagte Pressesprecher Dirk Mesch.

Verletzt wurden dagegen sieben weitere Delegationsmitglieder, unter ihnen angeblich der Vizepräsident des togolesischen Verbandes und der Torwarttrainer.

"Das war Krieg"

Nationaltrainer Hubert Velud erhob schwere Vorwürfe gegen das Organisationskomitee.

"Die angolanischen Organisatoren sollten sich überlegen, den Wettbewerb abzusagen. Es ist ein Akt der Barbarei, während wir hier eigentlich den afrikanischen Fußball feiern wollen. Das war Krieg. Die Organisatoren scheinen das nicht ernst zu nehmen", sagte der Franzose, den eine Kugel am Arm erwischte.

Mittelfeldspieler Alaixys Romao erklärte, Togo werde "versuchen, die anderen Mannschaften unserer Gruppe zum Turnierboykott zu überreden".

Die angolanische Regierung, die sich zunächst überfordert gezeigt hatte, will nun die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Afrika-Cup drastisch verschärfen.

Sicherheitsvorkehrungen werden verschärft

"Wir garantieren, alle Maßnahmen zu ergreifen, um Schutz und Unversehrtheit aller Mannschaften, Fans, Betreuer und Touristen zu gewährleisten", sagte Sportminister Goncalves Muandumba.

Eine Absage des Turniers hatte die CAF fast reflexartig abgelehnt. "Das Turnier findet statt", teilte der Verband mit.

Afrika Cup startet planmäßig

Am Sonntag soll der Afrika Cup mit dem Duell zwischen Angola und Mali eröffnet werden.

Am Freitagabend hatte die CAF den Anschlag völlig falsch eingeschätzt: Ein Reifenplatzer habe die Spieler verängstigt, hieß es zunächst.

Das Organisationskomitee des Afrika-Cups (COCAN) erhob am Samstag schwere Vorwürfe gegen die togolesische Delegation.

"Die Regeln waren eindeutig: Kein Team sollte mit dem Bus anreisen. Ich weiß nicht, was Togo bewogen hat, es trotzdem zu tun", sagte Virgilio Santos, Mitglied des COCAN. "In der Stadt hätte es diesen Vorfall niemals gegeben."

Blatter fordert Bericht an

FIFA-Präsident Joseph S. Blatter sprach den Opfern seine "allerhöchste Anteilnahme" aus und forderte einen ausführlichen Bericht an.

Mit Entsetzen reagierte der ehemalige togolesische Nationaltrainer Otto Pfister auf den Anschlag. "Das war ein echter Schock für mich. Eine ganz bittere Sache, unglaublich", sagte der Afrika-Experte, der Togo während der WM 2006 in Deutschland betreute.

Der 72-Jährige befürchtet, dass der Angriff einen Schatten auf die WM in Südafrika werfen wird. "Klar wird das jetzt direkt auf die WM projiziert. Das ist ein echter Schlag für Afrika. Die Kritiker werden Oberwasser bekommen." (> Hier geht es zum ausführlichen Interview)

Drohen weitere Anschläge?

Der bewaffnete Arm der "Befreiungsfront für die Unabhängigkeit von Cabinda (FLEC)" bekannte sich zu dem Anschlag und drohte weitere weitere Aktionen an.

"Diese Operation war nur der Anfang einer Serie von zielgerichteten Aktionen in der gesamten Region Cabinda", hieß es in einem Bekennerschreiben.

Cabinda sollte 1975 von der Kolonialmacht Portugal in die Unabhängigkeit entlassen werden, aber Angola besetzte das Gebiet.

Seitdem kämpfen Rebellen gewaltsam für die Unabhängigkeit. 2006 unterzeichnete die FLEC einen Friedensvertrag mit der angolanischen Regierung.

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