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Rene Adler stand zuletzt bei den Qualispielen gegen Russland und Finnland im DFB-Tor © getty

Keeper Adler sorgt sich bei der WM um die Familienangehörigen. Die Bundesliga-Klubs wollen ihre Afrikaner zurückholen.

München - Nach dem tödlichen Terroranschlag auf den Bus der togolesischen Nationalmannschaft in Angola fürchten deutsche Nationalspieler um die Sicherheit bei der WM in Südafrika.

"Das ist doch alles krank. Ich frage mich, wie die das mit der Sicherheit bei der WM handhaben wollen. Wir als Team werden sicherlich beschützt sein, aber was ist zum Beispiel mit den Familienangehörigen?", sagte Nationaltorhüter Rene Adler der "Bild am Sonntag".

Auch sein Vereinskollege Simon Rolfes machte sich Gedanken über mögliche Sicherheitsprobleme: "Gerade jetzt denkt man besorgt daran, dass in vier, fünf Monaten in Afrika die WM stattfindet."

Schweinsteiger macht sich Gedanken

Bayern Münchens Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger gab zu, im ersten Moment auf die Nachricht geschockt reagiert zu haben.

"Wenn man so etwas hört, dann zuckt man zusammen und macht sich seine Gedanken", sagte der 25-Jährige: "Wenn einer Fußballmannschaft so etwas passiert, dann ist das sehr traurig und bedenklich, auch für die Menschen vor Ort."

Lahm und Gomez haben keine Bedenken

Sein Teamkollege Philipp Lahm beruhigte sich derweil mit positiven Erinnerungen an seinen eigenen Ausflug nach Afrika. "Ich war schon in Südafrika. Mir ist dort nichts passiert", sagte der Außenverteidiger.

Auch Mario Gomez ist davon überzeugt, "dass alles dafür getan wird, dass alle Beteiligten ein sicheres Turnier erleben werden".

Klubbosse wollen Spieler zurückholen

Während Gomez und Lahm an eine friedliche WM in Südafrika glauben, geht bei den Bundesligisten die Angst um die Gesundheit ihrer afrikanischen Spieler beim Afrika-Cup in Angola um.

Viele Klubbosse würden ihre Profis am liebsten in den nächsten Flieger stecken und sofort nach Deutschland zurückholen.

Formal sind ihnen zwar wegen der Abstellungspflicht des Weltverbandes FIFA für den Afrika-Cup in Angola die Hände gebunden, doch bei weiteren Anzeichen der Gewalt würden die Vereine einem Konflikt mit der FIFA nicht aus dem Wege gehen.

Togo reist ab

Durch die Absage Togos wurde Herbstmeister Bayer Leverkusen die Entscheidung, seinen Spieler Assimiou Toure zurückzuholen oder nicht, abgenommen.

Der 22-jährige Toure hatte den Anschlag in der angolanischen Exklave Cabinda auf den Mannschaftsbus, bei dem am Freitag der Assistenztrainer, der Pressesprecher sowie der Busfahrer ums Leben kamen, körperlich unversehrt überstanden (Togos Torwart in stabilem Zustand).

"Die Maschine des Staatspräsidenten holt uns ab. In Togo werden wir alle bei der Beisetzung der Toten dabei sein", sagte Toure der "Bild".

Zorc nimmt Sperre in Kauf

"Die FIFA müsste erst die Abstellungspflicht aufheben, damit wir handeln können. Solange das nicht geschieht, können wir unsere Spieler nicht heimholen, weil sie dann gesperrt wären", sagte Michael Zorc, Sportdirektor von Borussia Dortmund, der "Berliner Morgenpost".

Allerdings stellte Zorc unmissverständlich klar, die Abstellungspflicht ignorieren zu wollen, sollte er den Eindruck haben, der ägyptische Stürmer Mohamed Zidan befände sich in Gefahr.

"Wenn er um seine Sicherheit fürchten würde oder gravierende Sicherheitsbedenken bestehen sollten, würden wir auch eine Sperre in Kauf nehmen und ihn zurückholen, wenn er es will", sagte Zorc.

Unbehagen bei Schindelmeiser

Ähnlich würde auch Jan Schindelmeiser, Manager von 1899 Hoffenheim, in den Fällen von Chinedu Obasi (Nigeria) und Isaac Vorsah (Ghana) reagieren. "Wenn die Spieler uns ein Signal geben, dass sie zurück wollen, würden wir aktiv werden", sagte Schindelmeiser.

Er gab zudem zu, dass die Sorge um die Afrika-Stars die Rückrunden-Vorbereitung beeinträchtigen würde: "Diese Sache liegt schon über unserer Vorbereitung. Ein gewisses Unbehagen ist natürlich da."

Udinese fordert Rückkehr Asamoahs

Auch international werden die Rufe nach einer Rückkehr der in Europa angestellten Legionäre immer lauter, zumal der bewaffnete Arm der "Befreiungsfront für die Unabhängigkeit von Cabinda (FLEC)" weitere Anschläge während des Turniers ankündigte.

So forderte der italienische Erstligist Udinese Calcio den Verband Ghanas und den Weltverband FIFA gar auf, Kwadwo Asamoah zurück nach Italien reisen zu lassen.

Auch Englands Premier-League-Klub Hull City will seine Spieler Daniel Cousin (Gabun) und Seyi Olofinjana (Nigeria) zurückbeordern.

Boka spielt in Cabinda

Eine Heimkehr von Arthur Boka wäre auch Stuttgarts Sportvorstand Horst Heldt alles andere als unrecht. "Mir wäre am liebsten, Arthur könnte zurückkehren, denn die Lage ist sehr unübersichtlich", sagte Heldt.

Boka muss mit Turnierfavorit Elfenbeinküste in der Gruppe B seine Spiele in Cabinda austragen, wo sich der blutige Anschlag ereignete (Otto Pfister im Interview).

Haggui fühlt sich sicher

Viele der elf Klubs der 1. und 2. Bundesliga, die einen der insgesamt 20 in Deutschland angestellten Profis für den Afrika-Cup abstellen, haben inzwischen Kontakt zu ihren Spielern aufgenommen.

"Karim Haggui hat der sportlichen Leitung gesagt, dass er sich derzeit sicher fühlt", sagte Andreas Kuhnt, Sprecher von Hannover 96. Haggui vertritt die tunesischen Farben.

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