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Die Spieler von Angola und Mali gedenken vor dem Eröffnungsspiel den Opfern des Anschlags © imago

Der bei dem Rebellenanschlag verletzte Keeper ist "außer Gefahr", wird aber noch künstlich beatmet. Togo wird endgültig nicht mehr am Turnier teilnehmen.

Lome/Luanda/Johannesburg - Wenige Stunden nach der Ankunft in der Heimat erreichten Togos traumatisierte Fußballer die erste gute Nachricht.

Der bei dem Terrorangriff zwei Tage vor dem Beginn des Afrika-Cups in Angola durch Maschinengewehr-Kugeln schwer verletzte Torhüter Kodjovi Obilale ist außer Lebensgefahr.

Fast gleichzeitig vermeldeten die ermittelnden Behörden am Montag die Verhaftung von zwei Angehörigen der Rebellenorganisation FLEC, die sich zu dem blutigen Anschlag auf den Mannschaftsbus der togolesischen Nationalmannschaft auf dem Gebiet der Unruhe-Region Cabinda bekannt hatte.

Die beiden sollen an dem Übergriff beteiligt gewesen sein.

Rauball äußert Sicherheitsbedenken

Derweil werden im Hinblick auf die WM in Südafrika nach dem Anschlag in Deutschland immer größere Sicherheitsbedenken laut.

"Die Geschehnisse beim Afrika-Cup waren ein furchtbarer terroristischer Akt. Wir können die Sache nicht so bewerten, dass die Sache in Südafrika ganz anders wird als in Angola. Dort ist vor 15 Monaten am Rande einer offiziellen FIFA-Veranstaltung ein Mensch umgebracht worden", sagte Rauball am Rande des Neujahrsempfanges der DFL.

Rauball sprach damit den Tod des früheren österreichischen Profis Peter Burgstaller an, der am 23. November 2007 auf einem Golfplatz in der Nähe von Durban ermordet worden war.

"Wir müssen uns Gedanken machen, wenn Spieler jetzt schon ihren Familien-Angehörigen davon abraten, nach Südafrika zu reisen. Vor dem Hintergrund dieser Vorfälle kann man nicht alleine von einer Vorfreude auf ein Fußball-Fest in Afrika sprechen", sagte Rauball weiter.

Togo nicht mehr im Turnier

Am Sonntagabend war der Afrika-Cup offiziell gestartet. Doch vom Eröffnungsspiel des Kontinentalturniers in Luanda zwischen Gastgeber Angola und Mali (4:4) bekamen Togos Kicker nicht viel mit, sie befanden sich bereits in den Vorbereitungen auf die Heimreise.

Seit Montagnachmittag ist Togo offiziell nicht mehr im Turnier und wurde aus den Spielplänen gestrichen. Dies bestätigte die afrikanische Fußball-Konföderation (CAF).

"Die Mannschaft ist nicht mehr im Turnier und kann auch nicht mehr zurückkehren", sagte ein CAF-Sprecher: "Die Spielpläne wurden angepasst."

Nur noch drei Teams in Gruppe B

Die Gruppe B wird lediglich mit der Elfenbeinküste, dem deutschen WM-Gruppengegner Ghana und Burkina Faso gespielt. Der Gruppenerste und Gruppenzweite ziehen wie geplant in die Runde der letzten Acht ein.

Die Spiele finden zu den vorab festgelegten Zeiten statt, Matches mit Beteiligung von Togo entfallen.

Die Mannschaft hatte gehofft, nach der dreitägigen Staatstrauer ins Turnier einsteigen zu können.

Tausende empfangen das Team

Togos Premierminister Gilbert Houngbo warb unterdessen um Verständnis für seine Entscheidung, das Team in die Heimat zurückzurufen.

"Wir verstehen die Haltung der Spieler. Sie wollten auf ihre Weise für ihre toten Kameraden etwas tun. Aber es wäre unverantwortlich gewesen, sie das Turnier fortsetzen zu lassen", sagte Houngbo beim Empfang des Teams am Flughafen der Hauptstadt Lome.

Die Delegation war mit einer Regierungsmaschine, in der sich auch die sterblichen Überreste der beiden getöteten Delegationsmitglieder befanden, vom Spielort Cabinda aus in die Heimat zurückgeflogen und dort von tausenden Landsleuten empfangen worden.

Verdächtige in der Nähe des Tatorts festgenommen worden

Togo hätte am Montag in Cabinda gegen den deutschen WM-Gruppengegner Ghana sein erstes Gruppenspiel bestreiten sollen.

Wenige Stunden später konnten die Ermittlungsbehörden in Angola einen ersten Erfolg vermelden.

"Die beiden Mitglieder der FLEC sind in der Nähe des Tatorts festgenommen worden", hieß es in dem von der staatlichen Nachrichtenagentur "Angop" veröffentlichten Statement des stellvertretenden Staatsanwalts der Unruhe-Region Cabinda, Antonio Nito.

Der Anschlag auf den Bus ereignete sich nach dem Grenzübertritt in die Exklave Cabinda.

Bei dem bewaffneten Angriff der FLEC (Front für die Befreiung der Enklave Cabinda) gab es neben den Todesfällen noch neun verletzte Menschen, darunter zwei Spieler.

"Sehr ernsthafte Verletzungen" bei Obilale

Der schwer verletzte Torhüter Obilale ist mittlerweile außer Lebensgefahr.

"Die Mediziner sind sehr zufrieden mit dem Verlauf der Genesung bei Herrn Obilale. Er wird zwar weiter auf der Intensivstation behandelt, aber er ist komplett außer Gefahr", erklärte der behandelnde Chirurg Ken Boffard.

Boffard hatte Kodjovi Obilale am Samstag in der Privatklinik Milpark im südafrikanischen Johannesburg mitoperiert hatte.

Boffard erklärte, dass der Patient "sehr ernsthafte Verletzungen´ erlitten habe. Es bestehe in den nächsten Tagen noch Infektionsgefahr.

Torwart wird noch künstlich beatmet

Eine Kugel, die in den Bauchbereich eingedrungen ist, sei nicht entfernt worden. Zudem wurde er von einem Projektil im unteren Rückenbereich verletzt.

Obilale wird noch künstlich beatmet.

Der für den französischen Amateurklub GSI Pontivy spielende Keeper war am Tag nach dem Anschlag per Helikopter nach Johannesburg geflogen worden.

Neben Obilale erlitt auch Verteidiger Serge Akakpo vom rumänischen Klub FC Vaslui Schussverletzungen.

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