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Die Fans aus Südafrika und der ganzen Welt hoffen auf eine friedliche Weltmeisterschaft © imago

150 Tage vor WM-Beginn herrscht nach den Anschlägen beim Afrika-Cup Verunsicherung. Doch der deutsche Botschafter gibt Entwarnung.

Von Martin Volkmar

München - Genau 150 Tage sind es am Montag noch bis zum Anpfiff der Weltmeisterschaft in Südafrika 181113(Diashow: Hier wird gespielt).

"Wir wollen der Welt beweisen, dass wir Afrikaner zu vielem im Stande sind", sagte der ghanaische Ex-Bundesligaprofi Anthony Baffoe Sport1.de.

"Ich bin mir sicher, dass wir eine sehr bunte und fröhliche WM haben werden. Und wir werden es allen Zweiflern zeigen."

Das war allerdings vor den blutigen Anschlägen beim Afrika Cup am vergangenen Freitag. (AKTUELL: Togos Torwart außer Lebensgefahr)

Große Verunsicherung nach tödlichem Attentat

Seit dem Attentat auf die Nationalmannschaft Togos in der angolanischen Exklave Cabinda mit drei Todesopfern ist die Verunsicherung in Deutschland groß.

"Ich frage mich, wie die das mit der Sicherheit bei der WM handhaben wollen. Wir als Team werden sicherlich beschützt sein, aber was ist zum Beispiel mit den Familienangehörigen?", fragte Nationaltorwart Rene Adler in der "Bild".

Deutscher Botschafter gibt Entwarnung

Doch im Gespräch mit Sport1.de gibt der deutsche Botschafter in Südafrika, Dieter W. Haller, Entwarnung.

"Die Ereignisse in Cabinda sind schrecklich und erschütternd. Allerdings gilt es, die Ereignisse richtig einzuordnen", erklärte er.

"Die angolanische Provinz Cabinda liegt mehr als 3000 Kilometer nördlich von den Austragungsorten der WM 2010 in Südafrika. Rebellengruppen, die aus politischen Motiven vor Anschlägen auf ausländische Gäste nicht zurückschrecken, gibt es in Südafrika nicht."

Rauball mit großen Zweifeln

Aber nicht nur bei den Fans, auch bei den Verantwortlichen in Deutschlad, bleiben Zweifel.

"Wir können es nicht bei dem Satz bewenden lassen: Südafrika ist etwas anderes als Angola", sagte Liga-Boss Reinhard Rauball am Montag beim DFL-Neujahrsempfang in Frankfurt.

Schließlich, so Rauball weiter, sei während der Auslosung der WM-Vorrundengruppen am 23. November 2007 in Durban der frühere osterreichische Profi Peter Burgstaller beim Golf spielen umgebracht worden.

"Wir müssen uns Gedanken machen, wenn Spieler jetzt schon ihren Familien-Angehörigen davon abraten, nach Südafrika zu reisen", meinte er.

"Vor dem Hintergrund dieser Vorfälle kann man nicht alleine von einer Vorfreude auf ein Fußball-Fest in Afrika sprechen."

20 Security-Kräfte schützen DFB-Auswahl

Die DFB-Auswahl selber wird in ihrem von einem Sicherheitszaun umgebenen Fünf-Sterne-Teamhotel ?Velmore Grande? in der Nähe von Pretoria sicher sein, zumal DFB-Sicherheitschef Helmut Spahn mit 20 deutschen Security-Kräften vor Ort sein wird.

Wesentlicher mehr aufpassen müssen die "normalen" WM-Touristen. Denn Fakt ist, dass Südafrika eine der höchsten Mordraten der Welt hat.

Von den rund 40.000 Todesfällen im Jahr entfallen etwa 18.000 auf Mord und Totschlag, in Deutschland sind es gerade mal 700 pro Jahr.

Hauptgrund dafür ist die nach wie vor weit verbreitete Armut, unter der rund die Hälfte der Bevölkerung leidet. Die damit verbundene Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit führt häufig zur Kriminalität.

Höchste Aids-Rate der Welt

Verstärkt wird das durch die höchste Aids-Rate der Welt mit fünf bis sechs Millionen HIV-Infizierten. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist in den letzten Jahren von einst 62 auf 39 Jahre gesunken.

Entsprechend wenig abschreckend wirken mögliche Gefängnisstrafen, wenn man ums tägliche Überleben kennt.

Trotzdem sagen Experten: Wenn man sich entsprechend vorbereitet und aufmerksam unterwegs ist, sollte einem als WM-Tourist im Normalfall nichts passieren.

"Nichts aufs Geratewohl ins Blaue losziehen"

"Das Wichtigste ist: Nicht aufs Geratewohl ins Blaue hinein losziehen!", sagte Botschafter Haller.

"Vor allem in den Abendstunden sollte man sich nicht in den Gegenden der Städte bewegen, die man anderswo auf der Welt auch nicht besucht! Nach dem Spiel kann man sein Bier dort trinken, wo Fanmeilen organisiert werden und sich viele Menschen aufhalten."

In diesen gesicherten Bereichen besteht im Normalfall höchstens die Gefahr von Taschendiebstahl. Denn Südafrika wird für die Titelkämpfe massiv aufrüsten, die Rede ist von bis zu 190.000 Sicherheitskräften.

Problematisch dürfte vor allem der Weg zu den Spielen werden, denn die Infrastruktur außerhalb der Großstädte ist trotz aller Investitionen nach wie vor eher dritte denn erste Welt.

Nächtliche Autofahrten gefährlich

Entsprechend gefährlich ist vor allem nachts die Fahrt mit dem Auto, nicht nur wegen des Linksverkehrs.

"Laut Statistik ist die Unfallhäufigkeit in Südafrika viel höher als bei uns. Das liegt daran, dass hier Autos unterwegs sind, die nach europäischen Maßstäben nicht verkehrstüchtig sind", sagt Haller.

"Leider wird mitunter auch zu schnell oder gar unter Einfluss von Alkohol gefahren. Was man daher sicherlich vermeiden sollte: Lange Fahrten bei Dunkelheit und unter großem Zeitstress."

Trotzdem glaubt der Diplomat weiter an ein "afrikanisches Sommermärchen":

"Wer sich gut vorbereitet, den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts folgt und sich vor Ort vernünftig verhält, für den sind die besonderen Risiken Südafrikas überschaubar und für den ist Südafrika, auch und gerade während der WM, ein wundervolles, vielfältiges und spannendes Reiseland."

(mehr Infos unter www.deu-sa-fussball.diplo.de)

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