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Ägypten konnte den Afrika-Cup schon fünf Mal, Algerien bisher nur ein Mal gewinnen © getty

Wenn Algerien auf Ägypten trifft, kommt eine jahrelange Feindschaft zum Tragen - Verantwortliche und Spieler mit eingeschlossen.

Benguela - Abgrundtiefer Hass unter den Spielern, politische Spannungen und die große Sorge vor neuerlichen Krawallen:

Wenn am Donnerstag (ab 20.30 Uhr LIVESCORES) die beiden verfeindeten Teams von Algerien und Ägypten im Halbfinale des Afrika-Cups aufeinandertreffen, herrscht in Benguela höchste Alarmstufe.

Nach den erbitterten Duellen in der WM-Qualifikation vor gut zwei Monaten mit 18 Todesopfern und rund 250 Verletzten haben sich die Gemüter auf beiden Seiten längst noch nicht beruhigt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Nicht minder brisant - zumindest aus sportlicher Sicht - ist das zweite Halbfinale (ab 17 Uhr LIVESCORES) zwischen den westafrikanischen Mannschaften aus Ghana und Nigeria in Luanda .

Nach einem schwachen Start ins Turnier hofft der deutsche WM-Gruppengegner Ghana auf den Einzug ins Finale und den ersten Gewinn des Afrika-Cups seit 1982.

"Es ist wie Krieg"

Doch der Fokus richtet sich auf das Spiel in Benguela.

"Für beide Seiten ist das Spiel wie ein Krieg. Es geht um Leben und Tod", sagte der Dortmunder Mohamed Zidan und sinnt mit Ägypten auf Revanche für die verpasste WM-Teilnahme gegen Algerien:

"Wir wollen beweisen, dass wir die WM-Qualifikation verdient gehabt hätten. Wenn wir Algerien schlagen, können wir mit Stolz die WM in Südafrika verfolgen."

Konflikt eskaliert im November

Der Konflikt zwischen den beiden nordafrikanischen Ländern hält bereits seit Jahrzehnten an, im November 2009 eskalierte allerdings die Situation.

Vor dem letzten Gruppenspiel in der WM-Qualifikation in Kairo war der algerische Teambus von fanatischen Anhängern attackiert wurden.

Ägypten gewann die Partie 2:0. Beide Mannschaften waren punkt- und torgleich. Es gab ein Entscheidungsspiel im Sudan, das Algerien 1:0 gewann.

18 Tote, 250 Verletzte

Es folgten Ausschreitungen bis nach Frankreich, wo viele Landsleute beider Nationen leben. Bei Jubelfeiern kamen 18 Personen in Algerien ums Leben, insgesamt wurden in beiden Ländern rund 250 Verletzte registriert.

Sogar die Regierungen der Länder gerieten aneinander. Das ägyptische Außenministerium fordert die Gegenseite auf, für die Sicherheit der in Algerien lebenden Landsleute zu sorgen.

Doch der Zwist ging weiter. Ägyptens Stürmer Amr Zaki schlug ein Angebot des englischen Premier-League-Klubs FC Portmouth mit der Begründung aus, dass dort bereits die Algerier Nadir Belhadj und Hassan Yebda unter Vertrag stehen.

Feindschaft seit den 70ern

Der erbitterte Streit zwischen beiden Nationen geht bis in die 70er Jahre zurück, als sich während der Afrikaspiele in Algerien bei einer Schlägerei Fans der Gastgeber mit libyschen Anhängern gegen Ägypter verbündeten.

Der nächste Vorfall ereignete sich 1989. Nach dem Sieg der "Pharaonen" in der WM-Qualifikation bewarf Algeriens Lakhdar Belloumi den ägyptischen Teamarzt mit einer Flasche und wurde später dafür vor einem Gericht verurteilt.

Ein Jahr später trat Ägypten daraufhin nicht zum Afrika-Cup beim verhassten Rivalen an

Letzte Niederlage gegen Algerien

Das letzte Aufeinandertreffen beim Afrika-Cup gewann Algerien vor sechs Jahren mit 2:1. Es war zugleich die letzte Niederlage für den Rekordsieger in diesem Wettbewerb.

Seitdem blieb Ägypten in 17 Spielen ungeschlagen.

"Wir werden der algerischen Mannschaft auf dem Platz eine Lektion erteilen", sagt Sayed Mowad.

Dem entgegnet Blackpool-Stürmer Hameur Bouazza: "Es ist schön, wieder gegen Ägypten zu spielen. Da können wir beweisen, dass unser Sieg im November kein Glück war."

Veranstalter rechnet nicht mit Problemen

Immerhin schlugen die Verantwortliche beider Teams moderate Töne an und forderten eine faire Auseinandersetzung auf dem Platz.

Im Stadion und außerhalb sollen rund 1000 Sicherheitskräfte für Ruhe sorgen.

Der viel kritisierte Veranstalter aus Angola rechnet nicht mit großen Problemen, da nicht mehr als zusammen 1500 Fans auf beiden Seiten die Reise in die Krisenregion angetreten haben.

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