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Kevin Keegan spielte von 1977 bis 1980 beim Hamburger SV © getty

Aus Frust über den gescheiterten Schweinsteiger-Transfer wollte Newcastles Coach hinwerfen. Doch Klub und Trainer dementieren.

Von Jan Reinold

München/London - Kevin Keegan soll nach nur acht Monaten als Teammanager beim englischen Erstligisten Newcastle United das Handtuch geworfen haben.

Wie "SKY Sports News" am Dienstag berichtete, habe der ehemalige Bundesliga-Star des Hamburger SV der Klubführung am Vormittag seine Enttäuschung über die Transferaktivitäten mitgeteilt und entsprechende Konsequenzen gezogen.

Demnach habe Keegan die Klubführung erfolglos darauf gedrängt, Bastian Schweinsteiger vom FC Bayern zu verpflichten.

Die Klub-Führung dementierte allerdings am Abend eine Trennung von Keegan und hob hervor, weiter mit dem Ex-Profi vom Hamburger SV zusammenarbeiten zu wollen.

Weiter mit Keegan

"Newcastle United kann bestätigen, dass es sowohl am Montag als auch am Dienstag zu Gesprächen zwischen dem Vorstand und Team-Manager Kevin Keegan gekommen ist", teilten die "Magpies" in einer offiziellen Pressemitteilung mit.

Dabei habe Keegan "eine Zahl wichtiger Anliegen vorgebracht", die "diskutiert" worden seien.

"Newcastle United schätzt die Bemühungen und den Einsatz, den Kevin seit seiner Rückkehr an den St. James Park gezeigt hat und möchte, dass er auch weiterhin eine entscheidende Rolle als Trainer des Vereins spielt".

"Um Unklarheiten zu vermeiden", schloss die Erklärung, "Newcastle United hat Kevin Keegan nicht als Trainer entlassen."

Rücktritt dementiert

Am Mittwochmorgen folgte dann eine indirekte Bestätigung von Keegan, dass er nicht zurückgetreten sei.

"Kevin ist sehr besorgt über den Klub und die Fans und möchte einige Punkte mit der Klubführung klären", erklärte Richard Bevan, Vorsitzender der englischen Trainervereinigung LMA, nach einem Gespräch mit der "Mighty Mouse".

"Kevin ist in einer schwierigen Position und wird in den nächsten Tagen noch Gespräche mit der Vereinsführung führen", fuhr Bevan fort, "aber er ist nicht zurückgetreten."

Nachfolger werden bereits gehandelt

Wie Bevan jedoch einräumte, ist der Ausgang der Gespräche zwischen Trainer und Vorstand völlig offen - und damit ein Verbleib Keegans bei den "Toons" ungewiss.

Evertons Trainer David Moyes, Tottenhams Co-Trainer Gus Poyet und der Spanier Marcelino Garcia Toral von Real Saragossa werden bereits als Nachfolger gehandelt.

"Ich verstehe das Bedürfnis nach näheren Informationen", sagte Bevan, "aber wir müssen die beiden Parteien ihre Gespräche führen lassen. Hoffentlich mit einem positiven Ausgang."

Streit um Transferpolitik

Hintergrund des Streits zwischen Keegan und der Klubführung soll die Transferpolitik der "Magpies" sein.

Der frühere englische Nationalcoach hatte auf drei bis vier hochkarätige Neuzugänge gehofft, doch bis zum Ende der Transferperiode am Montag konnte Newcastle nur den spanischen U21-Nationalspieler Xisco für rund sieben Millionen Euro von Deportivo La Coruna verpflichten.

Auf Leihbasis kam zudem Ignacio Gonzalez vom AS Monaco.

Nur zwei prominente Neuzugänge

Dafür wechselte James Milner für rund 14,5 Millionen Euro zu Aston Villa, obwohl sich Keegan gegen einen Verkauf des jüngsten Premier-League-Torschützen aller Zeiten ausgesprochen hatte.

Somit blieben die beiden Argentinier Fabricio Coloccini (von Deportivo La Coruna) und Jonas Gutierrez (vom RCD Mallorca) die prominentesten Neuzugänge bei Newcastle.

Angebot an Schweinsteiger?

Des Weiteren soll Klub-Besitzer Mike Ashley kurz vor Ablauf der Wechselperiode Top-Stürmer Michael Owen mehreren Ligakonkurrenten (u.a. Everton, Tottenham, Manchester City) zum Kauf angeboten haben, um die Lohnkosten von 86 Millionen Euro zu senken.

Wie es übereinstimmend in mehreren britischen Medien heißt, habe auch die von Keegan geforderte, aber gescheiterte Verpflichtung von Bastian Schweinsteiger vom FC Bayern München eine Rolle im Transferstreit zwischen Coach und Vorstand gespielt.

Mäßiger Ligastart

Der 57-jährige Keegan, der 1977 mit dem FC Liverpool den Europapokal der Landesmeister holte und 1979 mit dem HSV Meister wurde, hatte Newcastle bereits von 1992 bis 1997 betreut.

Im Januar hatte die "Mighty Mouse" die Nachfolge des entlassenen Sam Allardyce angetreten.

Newcastle ist derzeit Tabellenelfer mit vier Punkten aus bislang drei Premier-League-Begegnungen.

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