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Haben gut lachen: Die arabischen Scheichs "erobern" Fußball-Europa © getty

Ein Investment-Unternehmen pumpt Hunderte Millionen Euro in Manchester City. Die Bundesliga fürchtet, den Anschluss zu verpassen.

Von Jan Reinold

München - Nach der Übernahme von Manchester City durch die Abu Dhabi United Group (ADUG) für 185 Millionen Euro und der Ankündigung des neuen Klub-Bosses Dr. Sulaiman Al Fahim, bis zu 650 weitere Millionen in den Verein zu pumpen, schlagen die Emotionen in der Fußballwelt wieder einmal hoch.

Besonders die Bundesliga, in der die Vereinsübernahme durch die so genannte "50-plus-1-Regelung" (ein Verein muss mindestens 51 Prozent an der Profiabteilung behalten) verboten ist, befürchtet wieder einmal, im internationalen Vergleich noch weiter ins Hintertreffen zu geraten.

"Die Bundesliga ist weiterhin nicht ansatzweise konkurrenzfähig mit den anderen großen Ligen", sagte Felix Magath der "Welt". "Und das wird sie in absehbarer Zeit auch nicht werden, wenn nicht mehr Geld in die Liga kommt."

Ironie des Schicksals

Dass diese Aussage ausgerechnet von Magath kommt, der in Wolfsburg als Trainer, Sportdirektor und Geschäftsführer in Personalunion seit seinem Amtsantritt im Sommer 2007 Millionen von Hauptsponsor Volkswagen in die Umgestaltung des Kaders investierte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Zugleich verdeutlicht das in der Bundesliga momentan einzigartige "Projekt Wolfsburg" aber auch, was mit finanzstarken Förderern machbar ist.

Denn innerhalb von nur zwölf Monaten entwickelten sich die zuvor als "graue Maus" verspotteten Niedersachsen durch Magaths konsequente Strategie und die VW-Millionen zum UEFA-Cup-Teilnehmer und Meisterschafts-Geheimfavoriten.

Champions League gewinnen

Ähnliches, nur in noch größeren Dimensionen, haben nun die "Scheichs" mit Manchester City vor.

"Wir wollen der größte Klub der Welt werden, größer als Real Madrid und Manchester United", kündigte Al Fahim unmittelbar nach der Übernahme der "Citizens" im Interview mit "The Guardian" an.

Und dann rechnete der "Donald Trump von Abu Dhabi" vor: "Die besten Spieler der Welt kosten so um die 40 Millionen", meinte der 31-Jährige promovierte Wirtschaftswissenschaftler. "Und wir brauchen 18 von ihnen, um die Champions League zu gewinnen."

Superstars auf der Wunschliste

Geschätzte 150 Milliarden Euro schwer ist das Investment-Unternehmen ADUG aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, hinter dem die Herrscher-Familie Al Nahyan (Vermögen: 682 Milliarden Euro) steckt.

Wenn Al Fahim daher sagt, "Geld spielt für uns keine Rolle", klingt das mehr als glaubwürdig. Dem 40-Millionen-Robinho-Transfer, den man quasi als Antrittsgeschenk an die "City"-Fans gemacht hatte, sollen daher auch weitere Mega-Deals folgen.

"Thierry Henry und Ronaldo könnten zu uns stoßen. Das sind Spieler, nach denen wir suchen", überlegte Al Fahim.

Dass es nicht schon in der Sommerpause so weit war, hatte nur einen einzigen Grund: "Ich wünschte, wir hätten den Deal (den Kauf des Vereins, Anm. d. Red.) schon früher machen können", meinte der Scheich. "Aber ich war im Urlaub, als mich der Übernahmevorschlag erreichte."

Kein Einzelfall

Davon, dass ManCity in absehbarer Zeit die Premier League nach Belieben dominiert, ist dennoch nicht auszugehen.

Denn erstens zeigen die Beispiele der ebenfalls in Investorenhand befindlichen Ligarivalen West Ham United (Besitzer Bjorgolfur Gudmundsson, Nr. 1014 der Forbes-Milliardärs-Weltrangliste) oder Newcastle United (Besitzer Mike Ashley, Nr. 488), dass planlos eingesetztes Geld wenig bewegt.

Zweitens hatten die Citizens auch schon vor der Übernahme durch die ADUG einen potenten Besitzer (Thailands milliardenschwerer Ex-Ministerpräsident Thaksin Shinawatra).

Und drittens sind auch die Top-Klubs FC Chelsea (Roman Abramowitsch), Manchester United (US-Geschäftsmann Malcolm Glazer) und der FC Liverpool (die Texaner George Gillett und Tom Hicks) mit finanzkräftigen Investoren "ausgestattet".

Werbe- und Wirtschaftsfaktor Premier League

Diese Liste der englischen Fußballklubs, die von reichen Männern gesteuert wird, ließe sich fortsetzen (Aston Villa, Tottenham, Fulham, etc.).

Anders als bei klassischen, auch in Deutschland bekannten Vereinspatriarchen früherer Prägung, wie z.B. Fortuna Kölns Jean Löring ("De Schäng") oder Schalkes "Sonnenkönig" Günther Eichberg, engagieren sich diese Investoren jedoch nicht immer nur oder vorwiegend aufgrund ihrer Fußball-Begeisterung.

Denn die Premier League verfügt über enormes Wirtschaftspotential und setzte im vergangenen Jahr 2,3 Milliarden Euro um. Allein mit den TV-Rechten verdienen die 20 Erstligisten jährlich über eine Milliarde - knapp drei Mal so viel wie die Bundesliga.

Bundesliga abgeschlagen

Und diese Finanzkraft spiegelt sich auch in den Transferausgaben wider.

617 Millionen Euro investierten die englischen Erstligisten im Sommer, Italien (452) und Spanien (304) folgen auf den Plätzen zwei und drei, die Bundesliga liegt mit 150 Millionen abgeschlagen auf Rang fünf.

Daher sieht auch Magath nur eine Möglichkeit, um international mitzuhalten: "Das Modell der Zukunft kann nur sein, dass Finanzinvestoren wie in England, Konzerne wie VW oder Bayer in der Bundesliga oder Mäzene wie Dietmar Hopp in Hoffenheim Geld in die Klubs investieren. Wenn wir international mithalten wollen, kommen wir an solchen Strukturen nicht vorbei", sagte der "Alleinherrscher" der "Wölfe".

Verschwiegen werden darf aber nicht, dass Magath und viel mehr noch Hopp mittel- und langfristige Konzepte haben und nicht nur mit Millionen planlos um sich schmeißen.

Denn grundsätzlich scheint immer noch zu gelten: "Geld alleine schießt eben doch keine Tore..."

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