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Spielte in seiner Profi-Karriere für insgesamt elf Vereine: Paolo di Canio (r.) © imago

Wegen seiner rechtsextremen Tendenzen ist Paolo di Canio berüchtigt. Nun ist der Italiener als Coach bei West Ham im Gespräch.

Von Tobias Schneider

London - Paolo di Canio könnte auf der Insel bei West Ham United ein unerwartetes Comeback feiern.

Nach dem überraschenden Rücktritt von Alan Curbishley als Coach der "Hammers" hat sich der italienische Fußball-Rüpel selbst als dessen Nachfolger ins Gespräch gebracht.

Von 1998 bis 2003 stand der Italiener im Kader der "Hammers" und hat bei den Fans aufgrund seines unnachgiebigen Kampfes-Willen eine Menge Kredit.

"Für mich ist das West Ham Trikot immernoch wie eine zweite Haut", fand di Canio in der englischen Zeitung "Sun" pathetische Wort für seinen Ex-Klub.

Hitlergruß in der Fan-Kurve

Die Nähe di Canios zu Ultra-Fan-Gruppierungen und seine nationalistische Gesinnung sind kein Geheimnis.

Im Jahr 2005 sorgte der heute 40-Jährige für große Empörung, als er nach dem 3:1-Sieg von Lazio Rom im Stadt-Derby gegen AS Rom mit ausgestrecktem rechten Arm in die Fan-Kurve spazierte.

Die 10.000-Euro-Strafe vom Verband kümmerte di Canio wenig, sein schauriges "Gruß-Spektakel" wiederholte der Römer in den Partien gegen Livorno und Juventus.

Bester unter 53 Teilnehmern

Theoretisch wäre der Weg für di Canio auf West Hams Trainerstuhl frei. Denn im Frühjahr 2008 hat der Italiener seine UEFA-Trainer-Ausbildung absolviert und die Trainerlizenz erhalten - als Bester von insgesamt 53 Teilnehmern.

"In meiner Zeit als Spieler habe mir nie vorstellen können, einmal als Trainer zu arbeiten", räumte di Canio ein. Jetzt aber brennt er darauf, sein theoretisches Wissen in der Praxis anzuwenden:

"Ich liebe es, das Spiel von außen zu studieren. Als Spieler war ich darauf bedacht, mich persönlich zu verbessern. Als Trainer erweitert sich das Spektrum enorm. Das hat mich gepackt."

Weitere Kandidaten im Gespräch

Di Canio, um den es nach seinem Wechsel zu einem römischen Viertligisten ruhig geworden war, ist zwar der aussichtsreichste, aber nicht der einzige Trainerkandidat beib den "Hammers".

Nach wie vor werden Slaven Bilic, Roberto Donadoni, Gianfranco Zola, Roberto Mancini oder Gerard Houllier gehandelt.

Mit Donadoni, der nach der EM seinen Hut als italienischer Nationaltrainer nehmen musste, haben sich Vereinsvertreter am Freitag in London zu Gesprächen getroffen.

Eine endgültige Entscheidung steht noch aus, klar ist aber auch: Die Fans würden für di Canio votieren.

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