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Hamann (r.) spielt seit 1998 auf der Insel (Newcastle, Liverpool und Manchester City) © getty

Bei Sport1 spricht ManCitys Dietmar Hamann über die Übernahme des Klubs durch arabische Investoren und die Folgen für den Fußball.

Von Jan Reinold

Sport1: In Deutschland wird das "englische Modell" - Vereine in der Hand von Investoren - kontrovers diskutiert. Felix Magath hat sich kürzlich dafür ausgesprochen, weil die Bundesliga nur so wettbewerbsfähig sein könne. Wie sehen Sie das?

Dietmar Hamann: Ganz genauso. Ich bin schon seit einigen Jahren der Meinung, dass dies das Modell der Zukunft ist. In England ist es schon seit einiger Zeit gang und gäbe. Ich denke, dass auch einige deutsche Vereine für Investoren interessant wären, aber kein Geschäftsmann bezahlt doch für 49 Prozent der Anteile an einem Verein viel Geld, um dann nichts zu sagen zu haben. So lange sich das nicht ändert, wird der Unterschied zwischen Deutschland und England, Spanien und Italien größer werden. Hier ist es möglich, dass Geschäftsleute ihr Geld investieren und Spieler holen, die sie wollen. Das ist in Deutschland nicht der Fall.

Sport1: Ist die Wettbewerbsfähigkeit nur eine Geldfrage?

Hamann: Nicht nur, aber es macht die Sachen gewaltig einfacher, wenn man die Möglichkeit hat, einen Top-Spieler zu verpflichten. In der Bundesliga ist es momentan wahrscheinlich nur Bayern München im internationalen Vergleich möglich, mit ihren finanziellen Mitteln und ihrem Renommee Top-Leute zu holen. Vielleicht haben auch noch Schalke und Bremen die Möglichkeit, gute Spieler zu holen, aber dann wird es schon eng. Man sieht doch, dass die englischen Vereine in der Champions League in den letzten Jahren dominiert haben - die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es die nächsten Jahre so weiter geht.

Sport1: Welche Gefahren oder Risiken sehen Sie bei diesem Modell?

Hamann: Die Preise werden weiter steigen, was wahrscheinlich nicht gut für den Fußball ist. Wenn Manchester City 50 oder 100 Millionen Euro für einen Spieler bietet, wissen die anderen Vereine natürlich auch, dass der abgebende Verein dieses Geld auf der Bank hat. Wenn der dann einen Spieler verpflichten will, kostet dieser vielleicht nicht mehr "nur" 20, sondern 40 Millionen.

Sport1: Sehen Sie die Gefahr, dass sich Investoren plötzlich zurückziehen und die Vereine zu Grunde gehen?

Hamann: Die Investoren sehen so einen Verein als Investment und vielleicht auch als Hobby. Roman Abramowitsch oder auch Malcolm Glazer (Besitzer von Manchester United, Anm. d. Red.) haben viel Geld in ihre Vereine gepumpt. Sollten die Geldgeber das Gefühl haben, dass sie genug haben, muss man sehen, ob man einen anderen Geldgeber findet, der den Verein übernimmt. Ich denke aber schon, dass die Vereine im Großen und Ganzen gut wirtschaften und im Hinterkopf haben, dass Besitzer abspringen können. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Besitzer der größeren Klubs ihre Vereine wieder abgeben wollen. Aber im Fußball können sich Dinge auch ganz schnell ändern. Wissen kann man das nie.

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