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Ist fit für das Match gegen ManCity: Chelseas Michael Ballack (l., hier gegen Portsmouth Lassana Diarra) © getty

Brisanz pur: Chelsea spielt bei ManCity - und damit bei dem Klub, der ihnen den Rang als reichster Verein abgelaufen hat.

Von Christian Paschwitz

Chelsea ? Zugegeben: Auf der Insel wird das Nord-West-Derby die Massen am Samstag (13.45 Uhr) mehr elektrisieren. Schließlich geht es im ewig jungen Duell FC Liverpool gegen Manchester United nicht nur um Sieg und Niederlage.

Aktuell geht's auch darum, nach der Lunchtime zumindest vorübergehend die Tabellenspitze zu übernehmen. Es ist mehr als das: Das Match an der Anfield Road ist von der Rivalität her vergleichbar mit dem Revierknaller Schalke gegen Dortmund.

Reichlich Tradition eben für die Fans. Von denen viele die neureiche Premier-Leage-Konkurrenz, beschert mit schier nicht enden wollenen Millionen-Transfers Milliarden-schwerer Großinvestoren, in etwa so gut leiden können wie eine Heuschrecke Insektenvernichtungsmittel.

Und gerade deshalb rückt in dieser vierten Saison-Runde das Spiel Manchester City gegen FC Chelsea (Samstag, 18.30 Uhr) stark wie noch nie in den Blickpunkt: Weniger aus sportlichen denn aus finanziellen Gründen.

Wie immer der Vergleich auf dem Rasen ausgeht zwischen dem Spitzenreiter und dem einen Punkt dahinterliegenden Rangdritten ManCity.

Vor allem wird die Öffentlichkeit dabei Zeuge, wie Chelsea als reichster Klub der Welt auf seinen designierten Nachfolger trifft.

Rückblende: Es war der 1. Juli 2003, als die Londoner unter internationalem Aufsehen von Roman Abramowitsch, aufgekauft wurden, einem russischen Öl-Magnaten, der seitdem mehr als 600 Millionen Euro in neue Spieler investiert hat.

Transfers ins Uferloses

Der weltweit hervorgebrachte Vorwurf, durch die ins Uferlose schlagenden Transfers den englischen wie internationalen Fußball zu schädigen, ließ nicht lang auf sich warten

Nun wiederholt sich Geschichte. Monetäre und moralische Begrenzungen scheinen vollends außer Kraft gesetzt: Nach der Übernahme von Manchester City durch die Abu Dhabi United Group für 185 Millionen Euro verkündigte der neue Klub-Boss, Scheich Sulaiman Al Fahim, bis zu 650 weitere Millionen in den Verein zu pumpen.

"Wir wollen der größte Klub der Welt werden. Größer als Real Madrid und Manchester United", erklärte Al Fahim unmittelbar nach der Übernahme der "Citizens" und weiß für seine Pläne eine offenbar unversiegbare Geldquelle hinter sich.

Geschätzte 150 Milliarden Euro schwer ist das Investment-Unternehmen ADUG aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, hinter dem die Herrscher-Familie Al Nahyan (Vermögen: 682 Milliarden Euro) steckt.

Das lässt nun gar die Emotionen des mit den Abromowitsch-Summen prinzipiell genauso wirtschaftenden FC Chelsea hochkochen, wo Michael Ballack nach seiner Fuß-Verletzung vor dem Comeback steht, Michael Essien wiederum wegen eines Kreuzbandrisses fehlt.

Hughes provoziert

Ein Umstand, den ManCitys Manager Mark Hughes im "Mirror" mit Provokationen noch anheizt: "Ob es nun Scolari ist (Chelsea-Trainer, Anm. d.R.), Wenger (Arsenal) oder Fergie (Alex Ferguson/Manchester United) ? sie sind alle neidisch auf unsere finanziellen Mittel."

Was dem Wettrüsten der Vereine vor dem Match zusätzlich Schärfe gibt: Unmittelbar vor Ende der Wechselfrist vor wenigen Tagen hatte ManCity dem Vizemeister die Verpflichtung von Robinho vermasselt. Der brasilianische Stürmerstars zeigte Chelsea die kalte Schulter trotz vorheriger Übereinkunft, nahm lieber die 40-Millionen-Offerte aus Manchester an, zeigt.

Auch Glazer schaut genau hin

Dass ein Premier-League-Spiel hochstilisiert wird zum ersten Milliardärs-Duell zwischen Scheich Sulaiman Al Fahim und dem Öl-Magnaten Abramowitsch, bekümmert Hughes wenig: "Es interessieren sich halt gerade alle dafür, was bei uns geschieht."

Mit Argusaugen schauen werden wohl auch diejenigen, die dem eigentlichen Spieltag-Knaller mehr Bedeutung beimessen. Sie schauen schon aus Selbstinteresse: So wie der US-Geschäftsmann Malcolm Glazer (Manchester United) als auch die Texaner George Gillett und Tom Hicks. Sie haben ManU und Liverpool in Investorenhand genommen.

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