vergrößernverkleinern
Alex Ferguson ist seit 1986 Chef-Coach bei Manchester United © getty

Nach Chelsea gerät auch das Ferguson-Team unter Verdacht, bei einem Transfer zu unlauteren Mitteln gegriffen zu haben.

London - Neue Anschuldigungen werfen dunkle Schatten auf das Transfergebaren der englischen Klubs.

Nach dem Transferverbot gegen den FC Chelsea steht jetzt offenbar auch Rekordmeister Manchester United beim Weltverband FIFA am Pranger.

Nach englischen Medienberichten will der französische Zweitligist AC Le Havre die FIFA beauftragen, den Wechsel des erst 16-jährigen Nachwuchsspielers Paul Pogba zu ManUnited zu untersuchen.

"Sie haben uns Pogba gestohlen. Das ist eine sehr ernsthafte Sache. Wir sind zuversichtlich, dass wir gewinnen, weil es nicht nur das Beste für unseren Klub wäre, sondern auch für unseren Sport", sagte Le-Havre-Manager Alain Belsoeur der Tageszeitung "Times" und sieht einen "gleichgelagerten" Fall wie bei Chelsea.

"Ein Hammer für unseren Verein"

Gegen den Klub des deutschen Nationalmannschaftskapitäns Michael Ballack hatte die FIFA am Donnerstag eine drastische Strafe verhängt und den "Blues" für ein Jahr ein Transferverbot auferlegt.

Chelsea soll Gael Kakuta bei seinem Wechsel vom RC Lens nach England zum Vertragsbruch angehalten haben.

Ballack, der derzeit bei der DFB-Elf weilt, reagierte relativ gefasst auf die Nachricht: "Das ist ein Hammer für unseren Verein und eine sehr, sehr drastische Strafe. Mal sehen, inwieweit sie aber final Bestand haben wird. Das ist keine schöne Situation für den Verein, aber wir haben trotzdem eine starke Mannschaft."

Manchester soll Pogbas Eltern Geld geboten haben

Nach Aussage von Belsoeur sollen beim Wechsel von Pogba nach England ähnliche Sitten geherrscht haben.

Demnach habe Manchester den Eltern des Spielers "eine hohe Summe Geld" geboten, wenn ihr Sohn das Angebot annehme.

Ein Sprecher des englischen Klubs wies die Vorwürfe aber umgehend zurück: "Das ist kompletter Unsinn. Alles ist gemäß der Richtlinien der UEFA abgelaufen."

Dennoch scheinen die Vorwürfe nicht völlig aus der Luft gegriffen. Bis jetzt hat die FIFA Pogba noch keine Lizenz erteilt. So scheint es ziemlich sicher, dass die Angelegenheit vom Weltverband offiziell aufgegriffen wird.

Eher die Regel als die Ausnahme

Dabei scheinen die ans Licht gekommenen Fälle nur die Spitze des Eisbergs zu sein.

Der ehemalige Chelsea-Spieler Pat Nevine sagte der "BBC", dass diese Vorgänge eher die Regel als die Ausnahme seien: "Das geht schon immer so. Wenn es raffiniert gemacht wird, kommen die Klubs normalerweise damit durch. Nun hat Chelsea anscheinend einen Fehler gemacht und muss dafür den Preis bezahlen."

Auch Le Havre hatte bereits vor dem aktuellen Fall schlechte Erfahrungen mit englischen Klubs gemacht. Erst nach einem jahrelangen Rechtsstreit bekamen die Franzosen vom Internationalen Sportgerichtshof CAS eine Entschädigung von insgesamt umgerechnet 730.000 Euro zugesprochen, nachdem Charles N'Zogbia zu Newcastle United gewechselt war.

Robben rechnet mit Problemen für Chelsea

Mit diesem Verhalten könnten die englischen Klubs auch ihre Vormachtstellung in den europäischen Wettbewerben gefährden.

Bayern Münchens Neuzugang Arjen Robben, der von 2004 bis 2007 bei Chelsea spielte, antwortete im Fernsehsender "Sky" auf die Frage, ob sein Ex-Klub dadurch Probleme in nationalen und internationalen Wettbewerben bekommen werde: "Ja. Wir sprechen von einem Zeitraum von zwei Jahren, in denen sie keine neuen Spieler holen dürfen. Dennoch haben sie im Moment einen starken Kader."

Chelsea ist Wiederholungstäter

Zwar hat Chelsea gegen die Strafe der FIFA Einspruch eingelegt, doch gehen Anwälte von der Rechtmäßigkeit der Verurteilung aus.

"Das ist zwar eine gewaltige Strafe, aber die Sanktion ist innerhalb der Regularien", sagte der Londoner Anwalt Oliver Hunt der "BBC": "Wenn ich ein Vereinsanwalt wäre, würde ich jetzt peinlich genau darauf achten, dass kein Vertrag gebrochen wird."

Auch sein Kollege Dan Harrington, einer der führenden Sportrechtsanwälte des Landes, sieht in dem Urteil der FIFA vor allem einen Warnschuss an die großen Klubs und erinnerte daran, dass Chelsea bereits wegen des Abwerbens von Ashley Cole vom Ligakonkurrenten FC Arsenal 2005 von der Premier League mit einer Geldstrafe von knapp 350.000 Euro belegt wurde.

"Das hat möglicherweise einen Einfluss auf das Strafmaß gehabt", sagte Harrington: "Das war eine verhältnismäßig kleine Summe, nun hat es eine Strafe gegeben, die einen großen Verein wirklich trifft."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel