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Michael Ballack wechselte 2006 vom FC Bayern München zu Chelsea © getty

Der Nationalmannschaftskapitän und Chelsea-Star steht vor dem Jahr der Wahrheit - sowohl bei der WM als auch in der Königsklasse.

Von Christian Stüwe

München - Ins Visier genommen hat er die hohen Ziele schon mehrfach - realisieren konnte Michael Ballack sie bislang noch nicht:

2010 nun soll für den 33-Jährigen deshalb das langersehnte Jahr der Wahrheit werden.

Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft nimmt einen neuen, womöglich letzten Anlauf, seine Karriere mit internationalen Titeln zu krönen.

Ballack will nicht weniger als den Champions-League-Sieg mit dem FC Chelsea - und peilt den großen WM-Coup mit dem DFB-Team an.

Druck so groß wie nie zuvor

Der Druck ist daher so groß wie nie zuvor:

Nach dem dritten Platz bei der WM 2006 und Vizeweltmeisterschaft 2002 könnte das Turnier in Südafrika Ballacks letzte Chance sein, den Makel des Unvollendeten abzulegen, der ihm trotz seiner durchaus stattlichen Titelsammlung immer noch anhaftet.

Auch in der Champions League, deren Finale Ballack zweimal verlor (2002 mit Leverkusen, 2008 mit Chelsea), wird es für den "Capitano" so viele Möglichkeiten nicht mehr geben.

Karriere-Ende ausgeblendet

Ballack ist das bewusst - auch wenn er die Gedanken ans Karriere-Ende gerne von sich schiebt.

"Ich möchte gerne spielen, so lange ich gesund bin, mir Fußball Spaß macht und das natürlich auch meine Leistung hergibt", meinte er kürzlich im Interview mit "bundesliga.de".

Ballack schätzt aber realistisch ein: "Dabei die großen Turniere miteinzubeziehen, ist nicht ganz einfach. Bei der EURO 2012 wäre ich 35. Dahingehend muss man eher von Jahr zu Jahr planen."

Vertragsverlängerung im Februar

Die Wahrscheinlichkeit der Teilnahme an einem weiteren Großturnier scheint also eher überschaubar, eine erneute Saison bei den Blues wird dagegen greifbarer:

Nach dem 2:1-Sieg gegen den FC Fulham in der Premier Leaguesickerte durch, dass Ballack in London seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag demnächst vorzeitig um zwei weitere Jahre verlängern soll.

Angeblich schon vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Inter Mailand am 24. Februar.

"Ich denke, dass ich beim FC Chelsea auch die nächsten zwei Jahre noch auf höchstem Niveau spielen kann. Grundsätzlich habe ich zum jetzigen Zeitpunkt keine Gedanken ans Aufhören, weder im Verein noch in der Nationalmannschaft", so Ballack.

Großer Ehrgeiz nach wie vor da

Ballacks Ehrgeiz, große sportliche Ziele zu erreichen, scheint sowieso nach wie vor groß. Auch die Leistung stimmt: Bisweilen wirkt Ballack gar auf dem Höhepunkt seiner spielerischen Fähigkeiten.

Unter dem neuen Chelsea-Trainer Carlo Ancelotti spielt der gebürtige Görlitzer eine wichtige Rolle im hochkarätigen Mittelfeld der Blues.

Die taktischen Vorgaben des Italieners kommen Ballack entgegen.

"Mehr ins Spiel eingebunden"

"Wir haben früher immer das 4-3-3-System gespielt, jetzt ist es 4-4-2", sagte Ballack der "Rheinischen Post".

Ballack freut's: "Mit einem Mann mehr im Mittelfeld stehen wir kompakter und haben mehr Ballbesitz. Als Mittelfeldspieler ist man jetzt mehr ins Spiel eingebunden."

In der Liga wie auch auf europäischer Bühne trägt das erste Früchte: Die Londoner führen die Premier-League-Tabelle an, haben sich in der Champions League souverän fürs Achtelfinale qualifiziert. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Allein - englische Meisterschaft und Königsklassen-Triumph fehlen Ballack noch, wie eben auch ein Titel mit der Nationalmannschaft.

Viel Pech in der Champions League

Im Klub richtet der frühere Bayern-Spieler sein Augenmerk besonders auf der Champions League: "International ist das der Titel, den man gewinnen will - vor allem mit so einer Truppe."

Es nagt in Ballack, Europas Krone schon mehrfach so nahe gewesen zu sein - um sie dann doch noch aus den Händen zu geben: 2002, als er sich mit Leverkusen furios bis ins Finale spielte, aber an Real Madrid mit 1:2 scheiterte.

2008 stand Ballack mit Chelsea wieder im Finale, diesmal gegen Manchester United, und wurde erneut zum tragischen Helden: Die Blues verloren mit 6:7 nach Elfmeterschießen, obwohl Ballack seinen Versuch verwandelte.

In der vergangenen Saison scheiterte Chelsea betreits im Halbfinale am späteren Sieger FC Barcelona - die Möglichkeiten für den 33-Jährigen schwinden.

Titel mit Chelsea einfacher als mit dem DFB-Team

Noch mehr unter Zugzwang ist Ballack in der Nationalmannschaft: Selbst Ballack glaubt, dass ein Erfolg in der Champions League mit Chelsea wahrscheinlicher ist, als mit dem DFB-Team Weltmeister zu werden.

"Ich glaube, die Chancen, dass wir die Champions League gewinnen, stehen etwas besser", sagt er. "Es gibt sicherlich Nationalmannschaften, die im Moment besser sind als wir."

Doch das Turnier, bei dem es zählt, ist ja noch ein halbes Jahr entfernt. Zumindest in dieser Hinsicht könnte die Zeit für Ballack arbeiten.

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