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Juande Ramos und sein Co-Trainer Gustavo Poyet (l.) hatten bislang kein glückliches Händchen © getty

Gestartet als Geheimfavorit auf die Meisterschaft stehen die Tottenham Hotspurs am Tabellenende der Premier League.

Von Thorsten Mesch

München - Sechs Spiele, null Siege, vier Tore, zwei Punkte. 20. und somit letzter Platz in der Premier League.

Die Rede ist nicht von Aufsteiger Stoke City, der hat als 17. immerhin vier Punkte, sondern von Tottenham Hotspur.

Vor der Saison als Anwärter auf einen Platz unter den ersten Fünf und designierter Herausforderer der "Fab Four" Manchester United, Chelsea, Arsenal und Liverpool gehandelt, haben die Spurs als einzige Mannschaft in Englands Eliteklasse noch kein Spiel gewonnen und den schlechtesten Saisonstart seit 53 Jahren hingelegt.

Nur drei Siege in 18 Liga-Spielen

Trainer Juande Ramos, der im vergangenen Winter den jetzigen HSV-Coach Martin Jol ablöste und vor seinem Wechsel nach London im vergangenen Winter mit dem FC Sevilla zweimal in Folge den Uefa-Cup gewonnen hatte, ist seinem Ruf als Pokal-Experte zwar gerecht geworden, doch in der Meisterschaft lief nichts zusammen.

Seit dem Sieg im Endspiel um den Carling Cup im Februar gegen Chelsea hat der Spanier mit seiner Mannschaft nur drei von 18 Liga-Partien für sich entschieden.

Als im Sommer der Transfer des kroatischen Nationalspielers Luka Modric bekannt wurde, herrschte an der White Hart Lane noch Euphorie. Doch die Stimmung kippte.

Der Wechsel von Stürmer Robbie Keane zum FC Liverpool war der erste Dämpfer. Zwar wurde schnell Mittelfeldspieler David Bentley von den Blackburn Rovers verpflichtet, doch eine andere Personalie überschattete die Vorbereitung und den Saisonstart: Dimitar Berbatov.

Berbatov-Wechseltheater schuld an der Misere?

Der bulgarische Torjäger flirtete heftig mit seinem "Traumverein" Manchester United und forcierte den Wechsel derart offen, dass er von Ramos aus der Mannschaft genommen wurde.

Am 1. September wecheslte der Ex-Leverkusener dann tatsächlich für 38 Millionen Euro zum Champions-League-Sieger.

"Berbatov hat damals die Atmosphäre vergiftet", kritisierte der ehemalige Spurs-Coach Terry Venables in der Boulevardzeitung "The Sun". "Er hatte einen Traum. Schön für ihn. Aber das ist auf Kosten des Vereins geschehen."

Zudem hätte Tottenham Keane verkauft, ohne einen passenden Ersatz für den Iren zu haben, so der ehemalige englische Nationaltrainer weiter: "Sie haben gedacht, sie würden Andrej Arschawin bekommen. Keane und Berbatov gehen zu lassen ohne Arschawin zu haben, war der größte Bock, den sie geschossen haben."

Jungstar Giovani dos Santos kam vom FC Barcelona, blieb aber bei seinen bisher sieben Pflichtspielen ohne Tor.

Pawljutschenko noch nicht in Form

Mit Roman Pawljutschenko schienen die Londoner doch noch adäquaten Ersatz im Sturm gefunden zu haben. Doch in seinen bisherigen drei Liga-Einsätzen blieb der russische EM-Torjäger ohne Treffer.

Nach dem jüngsten 0:2 beim FC Portsmouth erklärte Co-Trainer und Ex-Profi Gustavo Poyet, Pawljutschenko und sein Sturmpartner Darren Bent, immerhin bisher drei Treffer in sieben Spielen, passten nicht zusammen, weil sie zu ähnliche Spielertypen seien.

Pawljutschenko suchte das Gespräch mit Ramos und wollte wissen, was er falsch gemacht habe. Der Coach verwies nur auf seine Taktik.

Ramos' Aufstellungs-Chaos

Ramos nährt seine Kritiker mit ständig wechselnden taktischen Aufstellungen. Außenverteidiger Vedran Corluka, für 8,5 Millionen Pfund von Manchester City gekommen, wird in der Innenverteidigung eingesetzt.

Darren Bent, im rechten Mittelfeld zuhause, wurde von Ramos auf fast allen anderen Positionen im Mittelfeld nominiert. Andere Spieler sortierte der Spanier kurzerhand aus.

Zwei Ex-Bundesliga-Profis auf der schwarzen Liste

Dem ehemaligen Hertha-Profi Kevin-Prince Boateng, dem früheren Bremer Paul Stalteri sowie Ricardo Rocha, Adel Taarabt, Ben Alnwick und Hossam Ghaly soll mitgeteilt worden sein, sie hätten keine Chance mehr auf einen Einsatz.

Ramos habe den Spielern verboten, mit dem Rest der ersten Mannschaft zu trainieren, berichtet die "Daily Mail".

Noch steht Vereinspräsident Daniel Levy zu seinem Trainer, doch der Druck auf Ramos wird größer. "Wir befinden uns in einer Situation, die wir schnellstens ändern müssen. Wir müssen hart arbeiten", forderte der Coach nach einem langen Gespräch mit seinem Team.

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