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Wayne Rooney wechselte 2004 vom FC Everton zu Manchester United © imago

Manchester United ist mit rund 780 Millionen Euro verschuldet und braucht dringend frisches Geld - kein leichtes Unterfangen.

Von Daniel Rathjen

München - Es brodelt im "Theatre of dreams".

Mit einer Mischung aus Unbehagen und Wut blicken die Fans von Manchester United derzeit in die Nachbarschaft. Denn nicht ihr Klub, sondern der Erzrivale Manchester City beginnt das neue Jahrzehnt als Finanzgroßmacht.

Seit Scheich Mansour bin Zayed den Klub gekauft hat, scheint Geld dort trotz der Wirtschaftskrise keine Rolle mehr zu spielen. United sitzt dagegen auf Schulden von umgerechnet 780 Millionen Euro. Jährlich muss der Verein 80 Millionen Euro für die Schuldentilgung aufbringen.

Die Gläubiger sind keine milliardenschweren Fanatiker wie Roman Abramowitsch beim FC Chelsea, der alle Defizite ausgleicht, sondern vor allem Banken. Schon ist von Angeboten für das verbliebene Tafelsilber zu hören.

Der "Sun" zufolge liegen Real Madrid und der FC Barcelona aussichtsreich im Rennen, Wayne Rooney mit Angeboten von umgerechnet angeblich 78 Millionen Pfund nach Spanien zu locken. Denn ManUnited ist einer von mehreren Klubs, deren Verschuldung Verbänden und Funktionären große Sorgen bereitet.

Zwar haben die Umsätze der britischen Vereine, vor allem dank hoher Einnahmen aus dem Bezahlfernsehen, alle anderen europäischen Ligen längst abgehängt. Experten halten die wirtschaftliche Lage der Premier League dennoch für prekär.

"Geschäftsmodell nicht tragfähig"

"Das Geschäftsmodell vieler Vereine ist auf Dauer nicht tragfähig", wird John Beech, Professor für Sportökonomie an der Coventry University, in der "Welt" zitiert. Auch den FC Arsenal oder FC Liverpool drücken Verbindlichkeiten, auch wenn sie deutlich geringer sind als die von Manchester United.

Ernste Probleme hat beispielsweise der FC Portsmouth, der die Spielergehälter für Dezember nicht pünktlich auszahlen konnte, nachdem bereits das Salär für September und November verspätet geflossen war.

Die amerikanische Unternehmerfamilie Glazer hatte ManUnited vor fünf Jahren zusammen mit mehreren Hedge-Fonds übernommen, für 790 Millionen Pfund. Finanziert wurde das durch hohe Kredite.

Deutsche Bank und JP Morgan sollen helfen

Mittlerweile versucht der Klub, seine Finanzen zu ordnen und hat die Deutsche Bank und JP Morgan als Berater angeheuert.

Nachdem in der Wirtschaftskrise das Schlimmste überstanden zu sein scheint, erwägt der Champions-League-Sieger von 2008 eine so genannte "Ramschanleihe", um seine Kredite zu refinanzieren. Mit einer Kapitalerhöhung will United zudem bestehende Schulden bedienen.

Wie es in einem Statement hieß, werde der englische Meister bis 2017 Aktien ausgeben, die umgerechnet einen Wert von 550 Millionen Euro haben. Runtergebrochen auf den Sport bedeutet das schlicht: Trainer Sir Alex Ferguson stehen künftig immer weniger Ressourcen zur Verfügung.

Das Ende der "Big Four" droht

Momentan sieht alles auf den ersten Blick noch gut aus: United steht im Achtelfinale der Champions League und liegt in der Liga nur knapp hinter Tabellenführer Chelsea. Aber in dieser Saison sind die Erwartungen höher als je zuvor. Die Premier League erlebt eine der abwechslungsreichsten Spielserien seit langem.

Jeder kann jeden schlagen, die Top-Teams schwächeln öfter, der aktuelle Trend deutet auf eine Revolution hin: das Ende der "Big Four", der Großen Vier. Chelsea, Manchester United, der FC Arsenal und der FC Liverpool hatten die letzten Jahre in England dominiert (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Nun greifen Manchester City, Tottenham Hotspur und Aston Villa diese Phalanx ernsthaft an.

Tevez und Ronaldo hinterließen Lücken

Die Verantwortlichen und Fans in Old Trafford wussten, dass diese Saison eine enorme Herausforderung wird. Carlos Tevez wechselte zu ManCity, Cristiano Ronaldo zu Real Madrid. Durch die Finanzkrise wurde Ferguson im Sommer eingebremst, als er größere Spielereinkäufe tätigen wollte.

Hinzu kamen eine unglaubliche Verletzungsmisere, in der dem Coach phasenweise kein gelernter Abwehrspieler mehr zur Verfügung stand, ein neuer Spitzensteuersatz und der schwache Pfundkurs. Bislang hat Sir Alex aus der schwierigen Situation das Bestmögliche herausgeholt.

Doch der Kader hat an spielerischer Klasse eingebüßt. Lediglich Stürmerstar Rooney und Abwehrchef Nemanja Vidic stechen hervor 114788(DIASHOW: Internationale Wechselbörse).

Routiniers über den Zenit hinaus

Dahinter kommt qualitativ lange nichts: Die Routiniers Ryan Giggs, Paul Scholes und Gary Neville haben ihre beste Zeit eindeutig hinter sich. Die Sorge der Fans ist grundsätzlich, die Zukunft ungewiss.

Zwar hat Ferguson schon so manche Krise bravourös gemeistert, doch irgendwann wird auch er sich fragen, wie lange er sich dem Stress als Trainer noch aussetzen möchte. Mit leeren Kassen stehen United einige eher unangenehme Jahre bevor.

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