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Joe Kinnear war zuletzt 2004 als Trainer bei Nottingham Forest aktiv © imago

Bei Newcastle tobt das Chaos. Nun das nächste Kapitel: Trainer Joe Kinnear beschimpft in einer Pressekonferenz die Reporter.

Von Martin Hoffmann

München - Der Journalist vom "Daily Mirror" war der erste, der Joe Kinnears Zorn zu spüren bekam.

"Wer von Ihnen ist Simon Bird?", fragte der Ire bei seiner ersten Pressekonferenz als Interimscoach von Newcastle United in die Reporterrunde.

Besagter Bird meldete sich und Kinnear erzählte ihm, was er von ihm hielt: "Sie sind eine ?". Anstelle der drei Punkte folgte im Originalton eine keineswegs freundliche Bezeichnung für ein weibliches Geschlechtsorgan. Birds Antwort: "Danke."

Es war der Auftakt zu einer denkwürdigen Verbalschlacht, die sämtliche Wutreden der Fußballgeschichten in den Schatten stellte.

Wie bei Tarantino

Kinnear rechnete in deftigen Worten mit den Journalisten ab, die ihn aus seiner Sicht noch vor seinem ersten Spiel aus dem Amt schreiben wollen.

28 Mal nahm er dabei allein das berühmte F-Wort in den Mund - und erinnerte dabei mehr an einen Gangster aus einem Film von Quentin Tarantino als an einen 61-jährigen Gentleman.

Der Coach verwahrte sich auch gegen den Vorwurf, er würde direkt nach wenigen Tagen im Amt die Nerven verlieren: Er würde sich lediglich verteidigen.

"Lasst mich meine Arbeit machen! F***ing Hell!"

"Lasst mich in Ruhe und lasst mich meine Arbeit machen. F...ing Hell!", gab Kinnear den Pressevertretern mit auf den Weg.

Kinnears Schimpftirade ist das erste und letzte, was die meisten anwesenden Reporter von dem Coach zu hören bekamen.

Er kündigte an, künftig keine Pressekonferenzen mehr zu geben und nur noch zwei ausgewählten Lokalzeitungen Rede und Antwort zu stehen.

Chaos nach dem Keegan-Rücktritt

Kinnears Fluch-Pressekonferenz wird kaum dazu beitragen, das miserable Bild zu korrigieren, das Newcastle in jüngster Zeit abgibt.

Das Chaos begann vor zwei Monaten, als Trainer Kevin Keegan nach einem Streit mit Klubbesitzer Mike Ashley um die Transferaktivitäten des Vereins zurücktrat.

Da Keegan von den Fans als Held verehrt wird, wurde Milliardär Ashley darauf heftig angefeindet und kündigte schließlich an, den hochverschuldeten Klub deswegen zum Verkauf zu stellen.

Sportlicher Niedergang und Zuschauereinbruch

Ein neuer Besitzer fand sich aber ebenso wenig wie ein Nachfolger für Keegan. Stattdessen kamen zu dem Führungschaos noch sportlicher Niedergang auf den vorletzten Tabellenplatz und heftige Zuschauereinbrüche hinzu.

Der hemdsärmelige Kinnear, der seit vier Jahren nicht mehr als Trainer aktiv war, wurde schließlich verpflichtet, die "Magpies" bis Ende Oktober zu trainieren, damit der Klub in Ruhe nach einem dauerhaften Keegan-Nachfolger suchen kann.

Kinnear hat schon jetzt dafür gesorgt, dass diese paar Wochen Amtszeit unvergessen bleiben werden.

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