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Die ManUnited-Fans protestieren gegen die Abhängigkeit von Klubboss Malcolm Glazer © getty

Ein aktueller UEFA-Report offenbart die dramatische Lage der englischen Vereine, allen voran Manchester United und Liverpool.

Von Andreas Kloo

München - Die finanzielle Not im englischen Fußball ist offenbar noch viel dramatischer als bislang angenommen.

Laut "The Guardian" beläuft sich der gesammelte Schuldenstand der Premier-League-Vereine auf insgesamt vier Milliarden Euro.

Die englische Zeitung beruft sich auf einen offiziellen UEFA-Report über die Jahre 2007 und 2008, der in Kürze veröffentlicht werden soll.

Allein die Rekordmeister Manchester United und FC Liverpool drücken zusammen über eine Milliarde Schulden.

Mehr als die Hälfte aller Schulden in Europa

Laut der Studie gehen insgesamt 56 Prozent der Verbindlichkeiten europäischer Klubs auf die Premier League zurück.

"Solche hohen Schulden machen uns große Sorgen", sagte UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino.

Erst mit großem Abstand hinter der englischen Liga folgt die Primera Divison.

Im Vergleich zur Premier League steht die Bundesliga dagegen relativ solide da:

Nach Angaben der DFL belaufen sich die Verbindlichkeiten der deutschen Klubs auf 579 Millionen Euro.(DATENCENTER: Premier League)

"Mehr als 70 Prozent der Klubs in Europa sind definitiv ungesund", meinte Stefan Ludwig von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft "Deloitte" in der "Financial Times Deutschland".

Auch in Einnahmen-Rangliste vorne

Interessant an der UEFA-Analyse ist zudem, dass die Premier League auch eine andere Rangliste anführt. Im Schnitt bezieht jeder Premier-League-Klub 138 Millionen Euro Einnahmen aus TV und Werbung.

Die Bundesliga folgt hier mit 89 Millionen Euro auf Position zwei. Doch trotz der hohen Einnahmen drückt Englands Klubs eine riesige Schuldenlast.

Die Schulden entstammen Anleihen bei Banken oder bei den Klubbesitzern.

Dramatische Lage bei Portsmouth und West Ham

Und der FC Portsmouth und West Ham United sind in den Berechnungen nicht mal einbezogen.

Die beiden Klubs wurden wegen ihrer finanziellen Schieflage erst gar nicht ins UEFA-Lizenzierungsverfahren aufgenommen. Portsmouth droht aktuell die Insolvenz.

Der Antrag auf den Notverkauf einiger Spieler außerhalb des Transferfensters wurde zuletzt von der Premier League abgelehnt.

West Ham musste im Januar gar 50 Prozent der Klubanteile verkaufen, um sich zu retten.

Schuldenberg vielleicht noch größer

Da das Jahr 2009 noch nicht in die Berechnungen mit einbezogen werden konnte, ist der englische Schuldenberg womöglich gar noch größer.

Der UEFA-Report spielt daher denjenigen in die Karten, die eine stärkere Finanzkontrolle der europäischen Klubs fordern.

Dazu gehört neben der Bundesliga auch Präsident Michel Platini. Er sieht den Report als besorgniserregendes Warnzeichen.

Auch Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz-Rummenigge hatte zuletzt immer wieder Maßnahmen gefordert: eine Transfer-Obergrenze und gerechtere Verteilung der TV-Einnahmen auf der einen Seite sowie eine Schuldengrenze andererseits.

Zudem mahnte er an, dass die hierzulande geltende 50+1-Regel auch in England gelten sollte.

Schuldengrenze gilt ab 2012

Eine Maßnahme ist bereits ergriffen. Ab der Saison 2012/2013 dürfen die europäischen Klubs nicht mehr ausgeben als sie einnehmen.

Andernfalls droht ihnen die Lizenzverweigerung durch die UEFA.(Alle News aus der Premier League)

Die aktuelle Notlage und der Druck des Europäischen Fußball-Verbands müsste eigentlich Warnung genug sein für die englischen Klubs.

Doch diese verteidigen ihr wirtschaftliches Gebaren weiterhin.

Laut "Guardian" meinte ein Premier-League-Sprecher in einer ersten Reaktion, da die Klubs mehr einnehmen als im euopäischen Vergleich dürften sie auch mehr Schulden haben als andere.

Der Ernst der Lage scheint also immer noch nicht erkannt zu sein. Offenbar müssen tatsächlich erst die ersten Klubs der Premier League bankrott gehen.

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