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Michael Ballack wechselte 2006 vom FC Bayern zum FC Chelsea © getty

Nach dem frühen Champions-League-Aus plant der Abramowitsch-Klub eine Transfer-Offensive. Zwei Bayern-Spieler sind auf der Liste.

Von Martin Hoffmann

München - Kurz nach der bitteren Niederlage auf dem Platz gab es für Roman Abramowitsch einen Sieg vor Gericht.

Der schwerreiche Gönner des FC Chelsea hat mit Erfolg gegen einen italienischen Zeitungsbericht geklagt, dass er ein ernsthaftes Spielsucht-Problem hätte - und eine Yacht beim Poker verloren.

Die Zeitung muss sich öffentlich entschuldigen und Abramowitsch finanziell entschädigen.

Das Timing dieser Neuigkeit hat eine ironische Note: Denn just in diesem Moment denkt Abramowtisch darüber nach, bei seinem anderen großen Hobby wieder mit höheren Einsätzen zu zocken.

Torres, Agüero und Ribery auf der Liste

Glaubt man englischen Medienberichten, will der russische Milliardär im Sommer mit einer 100-Millionen-Pfund-Offensive (111 Millionen Euro) auf das Achtelfinal-Aus in der Champions League gegen Inter Mailand reagieren102837 (DIASHOW: Ballacks zerplatzte Träume).

Es wird spekuliert, dass die Blues sich nach der Saison um einen oder mehrere Top-Stars bemühen werden.

Auf der Wunschliste: Stürmer Fernando Torres von Premier-League-Konkurrent Liverpool, das argentinische Offensivjuwel Sergio Agüero von Atletico Madrid und der überall begehrte Franck Ribery.

Alle drei passen in die Wunschvorstellung, die Frank Lampard kürzlich geäußert hat: "Wir hätten gerne einen inspirierenden Spieler. Einen, der, wenn das Team einen schlechten Tag hat, drei oder vier Spieler umdribbelt und den Ball im hohen Eck versenkt."

Auch Schweinsteiger begehrt

Die "Sun" rechnet außerdem mit Angeboten für den brasilianischen Inter-Verteidiger Maicon und Riberys Teamkollegen Bastian Schweinsteiger 209112(DIASHOW: Die Wechselbörse).

Und der ist zumindest einmal geschmeichelt: "Heutzutage ist vieles möglich. Was in England sehr interessant ist, ist die Atmosphäre im Stadion." Wobei er zugleich auf seinen Bayern-Vertrag bis 2014 verweist.

Er gehe "davon aus, dass ich hier weiter spielen werde".

Sparkurs vor dem Ende?

Ein neuer Chelsea-Kaufrausch wäre eine Kehrtwende, denn eigentlich hatte der Klub sich nach den Transfer-Exzessen der Vergangenheit mehr Sparsamkeit verordnet - und mehr Unabhängigkeit von Abramowitsch, der schon um die 750 Millionen Euro in den Klub investiert hat.

Im vergangenen Sommer war das konservativere Haushalten bemerkbar: Außer Jungstürmer Daniel Sturridge und Ersatzkeeper Ross Turnbull hatte man sich nur den Russen Yuri Zhirkov geleistet.

Das Aus gegen Inter hat bei Abramowitsch aber wohl die Erkenntnis reifen lassen, dass der Kader aufgefrischt werden muss, wenn sein Team wieder um den Champions-League-Sieg mitspielen will.

Alternd und unflexibel

Das Aus gegen Inter hat ein Schlaglicht auf eine Reihe von Problemen bei Chelsea gelenkt.

Die Blues hatten hinter den beiden Mailänder Klubs die älteste Stammelf aller Achtelfinalisten (Durchschnittsalter 29,1).

Und das Personal auf dem Platz altert nicht nur, es ist auch ein Stück weit unflexibel. Wie schon vor ihm Luiz Felipe Scolari hatte Trainer Carlo Ancelotti das 4-3-3 abschaffen wollen.

Doch für seine Vorstellung, mit zwei Spitzen und einem breiteren Mittelfeld zu agieren, sieht er nicht das nötige Spielermaterial.

Mehr Platz für Stars - und Talente

Ancelotti - der vierte Chelsea-Trainer seit Mourinhos Entlassung 2007 - hatte wegen der zurückhaltenden Einkaufspolitik in seiner Amtszeit auch noch nicht die Gelegenheit, ein Team nach seinen Vorstellungen neu aufzubauen.

Das dürfte sich nun ändern, die klubinterne Streitfrage ist nur, ob die Mannschaft von Grund auf umgekrempelt oder nur punktuell mit jüngeren "Marquee Players" verstärkt werden soll.

Abramowitsch tendiert offenbar zu der weniger radikalen Lösung, trotzdem scheinen einige Mitglieder von Chelseas Ü-30-Fraktion auf der Abschussliste zu stehen.

Für das von der "Bild" an die Wand gemalte Szenario, dass Michael Ballacks Vertragsverhandlungen platzen könnten und er im Sommer möglicherweise arbeitslos ist, gibt es zwar keine tatsächlichen Anzeichen.

Dafür gelten Mittelfeldregisseur Deco, 32, die Verteidiger Ricardo Carvalho, 31, Juliano Belletti, 33, und Paulo Ferreira, 31, als gefährdet.

Es soll Platz geschaffen werden für neue Stars, aber auch für Nachwuchstalente. Abramowitsch hat in die Jugendabteilung zwar auch viel Geld gesteckt. Trotzdem hat in seiner Zeit noch keiner ihrer Zöglinge den Durchbruch geschafft.

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