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In England verschafft sich Ballack Balsam auf seine vielen sportlichen Wunden: Mit dem FC Chelsea gelingt zwar wieder nicht der Champions-League-Sieg, aber der erste englische Meistertitel für Ballack. Und auch der FA-Cup geht durch einen Finalerfolg gegen Portsmouth an die Blues
Jubel bei Michael Ballack nach seinem ersten Gewinn der englischen Meisterschaft © Getty Images

Nach der ersten Meisterschaft mit Chelsea hat der DFB-Kapitän schon den nächsten Titel im Visier. Seine Zukunft bleibt offen.

Von Martin Volkmar

München/London - Es war ein großartiger Tag für Michael Ballack und auch eine Nacht danach geriert er noch ins Schwärmen.

"Ich bin stolz und glücklich, dass ich englischer Meister geworden bin", sagte der DFB-Kapitän SPORT1.

Nach vier Jahren beim FC Chelsea war es der ersehnte erste Gewinn der Meisterschaft, nachdem er mit den Blues zweimal Zweiter und im Vorjahr Dritter geworden war.

(DATENCENTER: Premier League)

Der Ruf des "ewigen Zweiten" war allerdings schon vorher nicht richtig - trotz der bitteren Niederlagen in den Endspielen von WM 2002 und EM 2008 sowie den Champions-League-Finals 2002 und 2008.

Bereits der zehnte große Titel

Denn der Triumph vom Sonntag war bereits Ballacks zehnter bedeutender Titel: Je fünf Meisterschaften und Pokalsiege hat er in seiner Vereinskarriere bereits gefeiert.

Am Samstag soll im Wembley-Stadion Titel Nummer 11 folgen, wenn es im FA-Cup-Finale gegen den FC Portsmouth geht (ab 15.55 Uhr live bei SPORT1).

"Ich hoffe, dass ich die Saison mit dieser tollen Mannschaft mit dem Double krönen kann", erklärte Ballack.

Auch Joachim Löw lobte seinen Spielführer, der im Millionen-Ensemble von Trainer Carlo Ancelotti mit 32 Einsätzen in der Premier League zu den Stammkräften gehört.

"Michael ist in einer sehr guten Verfassung. Er hat bei Chelsea die zentrale Rolle zuletzt sehr gut ausgefüllt und sich auch körperlich fit präsentiert", sagte der Bundestrainer.

Verbleib bei Chelsea offen

Offen bleibt aber sein Verbleib an der Stamford Bridge. Ballack möchte einen Zweijahresvertrag, die Blues wollen nur für eine Saison verlängern. Wahrscheinlichste Variante scheint daher ein Jahr mit Option auf ein weiteres.

Langsam wird jedoch die Zeit knapp, nachdem Klubboss Roman Abramowitsch aus Frust über das K.o. in der Champions League gegen Inter Mailand und vor allem Jose Mourinho alle Verhandlungen auf Eis gelegt hatte.

"Abramowitsch hat entschieden, Vertragsverhandlungen erst nach Saisonende zu führen. Ich will das nicht bewerten, und als Spieler muss man das akzeptieren", sagte Ballack.

Allerdings reist der 33-Jährige nach dem FA-Cup-Finale ins WM-Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft auf Sizilien. "Zeitlich wird alles etwas knapp, aber ich denke, es wird sich eine Lösung finden", meinte er.

ManCity und Real Madrid angeblich interessiert

Auch wenn Ballack in London bleiben will: Meldungen, wonach Manchester City sowie Real Madrid ihn verpflichten wollen, dürften seine Verhandlungsbasis nicht schwächen.

Andere Interessenten wie Schalke 04 oder gar Panathinaikos Athen sind dagegen derzeit kein Thema. "Nö", antwortete Ballack am Montagabend am Rande des Abschiedsspiels von Bernd Schneider auf die Frage, ob es ein Treffen mit Felix Magath gegeben habe.

Als sicher gilt, dass Ancelotti den Großteil des Teams zusammenhalten will und sich gegen den von Abramowitsch angekündigten Umbau der Mannschaft ausgesprochen hat.

Das machte der italienische Erfolgscoach auch bei seiner kurzen Ansprache bei der abendlichen Meisterschaftsfeier im kleinen Kreis deutlich.

"Wozu brauchen wir Fernando Torres?"

"Ich verstehe nicht, warum diese Mannschaft umgebaut werden sollte", sagte Ancelotti.

Und mit Verweis auf die 29 Treffer von Torschützenköig Didier Drogba sowie 22 von Frank Lampard meinte er: "Wozu brauchen wir da Fernando Torres?"

Auch die anderen Fakten sprechen für Ancelottis Truppe.

Durch den höchsten Heimsieg der Vereinsgeschichte beim 8:0 gegen Wigan knackte Chelsea mit 103 Toren auch den Premier-League-Rekord von Manchester United aus der Saison 1998/99 (97 Treffer).

"Dieser Klub hat Zukunft - und wir haben bereits einen sehr gute Mannschaft für nächste Saison und danach", erklärte Ancelotti daher mit Blick auf die Spekulationen über Neuzugänge wie Bastian Schweinsteiger.

So sieht es auch die englische Presse. "Die Mannschaft des Jahres", schrieb der "Independent".

Und sogar ManUnited-Teammanager Alex Ferguson gratulierte: "Das ist die schwerste Liga der Welt und wir applaudieren Chelsea für den Gewinn."

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