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Harry Redknapp trainierte von 2005 bis 2008 den FC Portsmouth © getty

Unter dem neuen Trainer blühen die Tottenham Hotspur auf und feiern ihren ersten Saisonsieg gegen die Bolton Wanderers.

Aus London berichtet Rainer Nachtwey

London - Prinz Harry, der Apache-Pilot werden will, und der neue James-Bond-Film bestimmen die Schlagzeilen der englischen Presse.

Und dann sind da noch die Tottenham Hotspur und Harry Redknapp.

Nicht das Ende der 86-Spiele-ohne-Niederlage-Serie des FC Chelsea ziert die Titelseiten der englischen Zeitungen, sondern die Spurs und ihr erster Saisonsieg gegen Bolton unter dem neuen Coach.

"Spurs gewinnen ein Spiel", schreibt die "Sun".

Welt ist geschockt

Mit viel Ironie und Sarkasmus geht das Boulevard-Blatt auch danach das Chaos an der White Hart Lane an.

"Die Welt ist geschockt von Redknapps Triumph. Die Titelchancen sind auf 1000:1 gestiegen", führt es weiter aus und fügt hinzu: "Harrylujah! Redknapp in... and Tottenham win."

Ähnlich wie beim Triumph Liverpools beim FC Chelsea wird dem Trainer der Erfolg zugeschustert.

"Redknapp, the Miracle Man" schreibt die "Daily Mail". Die englische Presse feiert den neuen Coach der Spurs, der in der Nacht auf Samstag vom Liga-Konkurrenten Portsmouth losgeeist wurde, als Erlöser.

Kritik an Ramos' Führungsstil

Unter seinem Vorgänger Juande Ramos, der gemeinsam mit Sportdirektor Damien Comolli und Co-Trainer Gus Poyet entlassen wurde, liefen die Spieler ohne Inspiration auf dem Platz umher.

Zudem kassierten die Spurs zu viele Platzverweise, in den letzten Spielen unter dem Spanier waren es drei.

Dass die Chemie innerhalb der Mannschaft und auch zu Ramos zuletzt nicht mehr gestimmt hatte, belegte die Kritik von Jonathan Woodgate.

Zwar nahm der Verteidiger seinen ehemaligen Trainer in Schutz - "Es ist nicht allein seine Schuld, dass wir nicht gewinnen" - richtete aber auch Kritik an den Spanier wegen der taktischen Ausrichtung und einer fehlenden klaren Linie.

"Das ist absolute Sch..."

David Bentley brachte es auf den Punkt. Die ständigen Positionswechsel seinen "absolute Sch...", ließ Bentley verlauten.

Zudem wurde Ramos zuletzt vorgeworfen, er hätte bereits aufgegeben. Seinen Englisch-Sprachkurs habe er seit Wochen nicht mehr besucht. Ein enger Freund des Spaniers sagte, die Entlassung habe Ramos nicht schockiert, aber der Zeitpunkt habe ihn überrascht.

"Er war der Meinung, dass einige Spieler sich gegen ihn verschworen hätten", sagte der Ramos-Bekannte.

Fehleinkäufe blühen auf

Unter Redknapp blühen die Spurs auf. Roman Pawljuschenko, zu Saisonbeginn von Spartak Moskau auf die Insel gewechselt, erzielte im ersten Spiel unter Redknapp sein erstes Premier-League-Tor. Die "Weltklasse-Vorarbeit" (O-Ton Redknapp) kam von Ramos-Kritiker Bentley.

Luka Modric, bereits als Fehleinkauf betitelt, wurde von den englischen Pressevertretern zum "Man of the Match" erkoren. "Ich habe Luka die Freiheiten auf dem Platz gegeben, die er braucht und er hat es zurückgezahlt", freute sich Redknapp.

Die Fans an der White Hart Lane feierten den neuen Coach, was unter Ramos selten der Fall war, und sangen "Wir haben unser Tottenham wieder".

Schwere Aufgaben warten

Trotz des Jubels um seine Person warnt Redknapp vor den anstehenden Aufgaben, denn wie viel der 2:0-Sieg gegen die Wanderers wert ist, werden die Spiele beim FC Arsenal und gegen Liverpool zeigen.

"Wenn wir nicht gewonnen hätten, wäre das sicherlich eine schöne erste Woche geworden", meinte Redknapp ironisch.

Durch den ersten Dreier der Saison hätte man aber genug Selbstvertrauen gesammelt, um auch gegen die beiden Topteams zu bestehen.

"Das war eine gute Leistung und ein noch besseres Ergebnis. Darauf lässt sich aufbauen", sagte Redknapp.

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