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George Gillett und Tom Hicks stiegen im Februar 2007 in Liverpool ein © getty

Verstaatlichung, Insolvenz oder weiter im Schuldensumpf? Dem englischen Rekordmeister Liverpool stehen spannende Wochen bevor.

München - Ob Starstürmer Fernando Torres für das Derby am 17. Oktober gegen den FC Everton rechtzeitig fit wird, ist derzeit tatsächlich nur ein kleines Problem für den FC Liverpool.

Zwar ist der Spanier für Teammanager Roy Hodgson unverzichtbar, doch die sportliche Misere mit dem schwächsten Start seit der Abstiegssaison 1953/54 und Tabellenplatz 18 verblasst angesichts eines viel größeren Problems:

Bald könnten die Anhänger des verhassten Rivalen Manchester United indirekt in den Besitz der Reds kommen. (DATENCENTER: Premier League)

Am 15. Oktober wird der FC Liverpool aller Voraussicht nach verstaatlicht und von der Royal Bank of Scotland (RBS) übernommen.

Weil die RBS im Zuge der Bankenkrise aber selbst bereits in öffentlichem Besitz ist, könnten in einer guten Woche alle Briten zu Teilhabern der Reds werden - also auch United-Fans.

Für die stolzen Anhänger aus Liverpool ein Horror-Szenario. Eingebrockt haben den Liverpudlians die Misere zwei Amerikaner.

Schuldenberg wegen Hicks und Gillett

Die Klub-Besitzer Tom Hicks und George Gillett haben Schulden in Höhe von etwa 280 Millionen Euro angehäuft, die sie nicht mehr zurückzahlen können.

Der seit Jahren geplante Bau eines neuen Stadions, der 300 Millionen Euro kosten würde, harrt deshalb seiner Verwirklichung.

Die RBS versucht schon seit einem halben Jahr, einen Käufer für den Rekordmeister zu finden, doch die "Yanks", wie das Besitzer-Duo von den Fans spöttisch genannt wird, torpedierten die bisweilen weit fortgeschrittenen Verhandlungen mit ihren Forderungen.

Fans wollen Klub-Besitzer loswerden

Erstes Anliegen der Fans ist es deshalb, Hicks und Gillett loszuwerden. Vor der peinlichen 1:2-Heimniederlage am Sonntag gegen Aufsteiger Blackpool waren daher wieder 2000 Anhänger auf der Straße, um ihrem Unmut Luft zu verschaffen.

"Wir werden bis zum jüngsten Tag protestieren", sagte James McKenna, Sprecher der Gruppe "Spirit of Shankly", die die Aktion organisiert hatte. Namensgeber der Vereinigung ist der legendäre Teammanager Bill Shankly.

Unter "Shanks" holte der FC Liverpool 1973 im UEFA-Pokal seinen ersten internationalen Titel, 29 Jahre nach Shanklys Tod ist der fünfmalige Sieger der Champions League auch sportlich auf den Hund gekommen.

Erstmals seit 1984 ganz unten drin

Nach sieben Spielen hat der Klub gerade einmal sechs Punkte auf dem Konto. Erstmals seit 1984 rangiert der FC unter den letzten drei Teams der Liga.

Schuld daran ist zum einen die finanzielle Lage, die zum Verkauf starker Kicker wie Javier Mascherano zwang. Der Argentinier wechselte für 22 Millionen Euro zum FC Barcelona.

"Dalglish, Dalglish"-Rufe

Die Fans haben allerdings Teammanager Roy Hodgson als Hauptverantwortlichen für die Krise ausgemacht. Nach der Pleite gegen Blackpool begleiteten den neuen Coach "Dalglish, Dalglish"-Rufe in die Kabine.

Kenny Dalglish hat als Spieler mit den Reds dreimal den Landesmeister-Cup gewonnen und 1990 als Teammanager die bis heute letzte Meisterschaft an die Merseyside geholt.

"Die Fans haben das Recht, ihrer Frustration Ausdruck zu verleihen. Und sie haben ja genügend Gründe, frustriert zu sein", sagte Hodgson.

Trainer Hodgson: "Es sieht düster aus"

Graeme Souness, einst ebenfalls als Spieler und Trainer für Liverpool aktiv, spricht schon von der "schwierigsten Periode in der modernen Geschichte" des Vereins.

Hodgson selbst meinte: "Es sieht wirklich düster aus." Denn auch im Ligapokal hat sich seine Truppe blamiert: Gegen den Viertligisten Northampton.

Abzug von neun Punkten droht

Und wenn nicht bald ein Käufer gefunden wird, könnte sich die sportliche Lage dramatisieren. Eine Insolvenz zieht laut den Statuten der Premier League einen Abzug von neun Punkten nach sich.

Liverpool stünde dann bei minus drei Zählern.

Derzeit gibt es nur eins, das die Fans tröstet: Auch Lokalrivale Everton geht es schlecht. Die "Toffees" liegen punktgleich mit Liverpool auf Rang 17.

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