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George Gillett (l.) und Tom Hicks bekamen von fanatischen Fans sogar Todesdrohungen © getty

Der englische Traditionsklub entgeht zwar der Insolvenz, aber die alten Besitzer geben keine Ruhe und wollen jetzt Schadenersatz.

Liverpool - Nach einem tagelangen Wirtschaftskrimi mit juristischem Gezerre und einem Insolvenzverfahren vor Augen scheint der FC Liverpool quasi in letzter Sekunde gerettet.

Am Freitag wurde der Verkauf des Klubs an die New England Sports Venture (NESV) perfekt gemacht, nachdem die alten Eigner Tom Hicks und George Gillett auf Druck einer Gerichtsentscheidung in England ihre einstweilige Verfügung gegen den Verkauf zurückgezogen hatten.

Der Verkaufspreis soll umgerechnet rund 350 Millionen Euro betragen. Damit konnte der fünfmalige Champions-League-Sieger zur Deadline am Freitag einen Kredit von 270 Millionen Euro an die Royal Bank of Scotland (RBS) zurückzahlen und einen Abzug von neun Punkten vermeiden.(DATENCENTER: Premier League)

Liverpools Vorsitzender Martin Broughton zeigte sich nach dem Verkauf erleichtert. "Jeder Fußballfan weiß, dass die nervenaufreibendste Art, ein Spiel zu gewinnen, das Elfmeterschießen ist. Aber es lohnt sich, wenn am Ende das richtige Resultat steht", sagte Broughton und fügte hinzu: "Wir haben das richtige Resultat."

Ex-Besitzer fordern Schadenersatz

Ausgestanden ist der ganze Trouble aber noch lange nicht, auch wenn sich der unabhängige dreiköpfige Vorstand der Reds in einer ersten Stellungnahme "überglücklich" zeigte.

Hicks und Gillett fordern nun nämlich einen Schadenersatz in Höhe von umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro und kündigten an, "jeden Rechtsweg auszureizen", um das Geld zu erhalten.

Sie argumentierten, dass der Verkaufspreis weit unter dem wahren Marktwert des Klubs liege und sprechen von einem "epischen Schwindel".

Ihr Anwalt Steve Stodghill erklärte dazu gegenüber der "BBC": "Dieses Ergebnis mindert den Wert des Klubs und wird in langwieriger Unsicherheit für Spieler, Fans und alle Anhänger enden."

Vorstand stimmt Verkauf zu

Nach Angaben des Anwalts seien die beiden Amerikaner bereit gewesen, die Schulden bei der RBS zu begleichen um ein Insolvenzverfahren zu vermeiden.

"Das ist eine tragische Entwicklung, die andere als Sieg feiern werden", so Stodghill, "meine Klienten haben unermüdlich daran gearbeitet, eine vernünftige Lösung zu finden, aber der Vorstand hat egoistisch und illegal gehandelt."

Unter dem Vorsitzenden Martin Broughton hatte sich das dreiköpfige Gremium am 6. Oktober entschieden, das Angebot von NESV anzunehmen.

Unmittelbar vor der entscheidenden Sitzung versuchten die Amerikaner deshalb, zwei englische Vorstände abzuberufen und eigene Vertraute im "Board" installieren.

Gericht entscheidet

Damit unterlagen sie aber vor Gericht ebenso wie mit ihrem Antrag auf Einstweilige Verfügung.

Die beiden US-Geschäftsleute hatten 2007 umgerechnet rund 270 Millionen Euro für den Erwerb des FC Liverpool ausgegeben, seitdem aber in dramatischem Ausmaß Schulden von zur Zeit etwa 400 Millionen Euro angehäuft.

Auch der versprochene Bau des neuen Stadions kam nicht zustande. Am Ende waren Hicks und Gillett bei den Fans völlig verhasst. Im Internet kursiert sogar ein Youtube-Video, dass sie auffordert: "Haut endlich ab".

Red Sox und Reds

Dem neuen Eigentümer NESV gehören eine ganze Reihe von Sport-Unternehmen in den USA. Am bekanntesten ist der traditionsreiche Baseball-Klub Boston Red Sox, den sie 2002 übernahmen und der 2004 tatsächlich den ersten Titel seit 86 Jahren gewann.

Mehrheitseigner von NESV ist der Amerikaner John W. Henry, dessen Privatvermögen auf rund 650 Millionen Euro geschätzt wird.

Er sparte nach dem Vollzug nicht an Pathos: "Wir erachten unsere neue Rolle zu allererst als Diener des Vereins, mit dem primären Fokus, den Klub wieder zu seiner wahren Größe zurückzubringen, auf und neben dem Feld."

Dass Spieler trotz der weiterhin prekären Lage nun wieder an eine Zukunft an der Anfield Road glauben, bewies Abwehrspieler und Vizekapitän Jamie Carragher. Der 38-malige Nationalspieler unterschrieb am Freitag einen neuen Zwei-Jahres-Vertrag bis 2013.

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