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Sir Alex Ferguson gewann mit Manchester United schon zweimal die Champions League © getty

Das Manchester-Derby ist das Spitzenspiel des aktuellen Spieltages. Dennoch könnten die Klubs kaum unterschiedlicher sein.

Von Eric Böhm

München - Ignorieren kann Sir Alex Ferguson die Nachbarn nicht mehr.

Viele Jahre bewegte das Spiel gegen Manchester City bei Erfolgsklub Manchester United kaum die Gemüter.

Für die "Red Devils" zählte als "echtes" Derby vielmehr das Traditionsduell mit dem FC Liverpool.

Auch vor dem Spitzenspiel des zwölften Spieltages der Premier League (ab 20.45 Uhr im LIVE-TICKER), wenn die "Citiziens" als Vierte den Zweiten empfangen, erklärte Ferguson:

"Es ist nicht wie in den Spielen gegen Liverpool, da geht es um die Ehre." (DATENCENTER: Premier League)

Ein Plakat schürt Emotionen

Doch die ganze Wahrheit ist das nicht, was nicht nur daran liegt, dass City mit einem Sieg nach Punkten mit United gleichziehen könnte. Denn seit dem Sommer 2009 geht es für Ferguson auch gegen die "Citizens" sehr wohl um die Ehre.

Vor gut 16 Monaten wechselte Carlos Tevez von United zum neureichen Lokalrivalen - und wurde mit einem Plakat des Klubs empfangen auf dem es hieß: "Willkommen in Manchester".

Ein Affront, der Ferguson auch heute noch auf die Palme bringt. ""Ich glaube nicht, dass sie stolz darauf sein können. Ich habe damals schon gesagt, dass das eine dumme Idee war", wetterte der 68-Jährige.

"Derbys sind fantastisch"

Vielleicht stammt aus diesem Konflikt auch seine neue Vorfreude auf die Top-Partie im "City of Manchester"-Stadion. "Derbys sind fantastisch. Wir sind Teil eines Spiels der Emotionen", erklärte Ferguson.

Vor allem ist es ein "Krieg" zweier Fußball-Welten: Hier der von Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan aufgepäppelte Liga-Krösus City, dort das hochverschuldete Glazer-Unternehmen United.

Auf der einen Seite steht der rote Traditionsklub mit Prestige, Trophäen und Legenden, auf der anderen Seite die Himmelblauen, die ihren letzten Titel vor 40 Jahren gewannen. Eine andere Welt eben.

City im Schatten

Dabei gibt es ManCity schon seit 1880 und 1904 gewann der Klub mit dem FA Cup als erster Verein in Manchester einen Titel. Dennoch fristet der Klub schon traditionell ein Schattendasein und spielte nie länger als 15 Jahre in Englands höchster Spielklasse.

Selbst im dramatischsten Duell zwischen den beiden Teams begegnete man sich nicht auf Augenhöhe, wenn auch in umgekehrten Rollen.

Am letzten Spieltag der Saison 1973/74 schickte ausgerechnet das Tor der ehemaligen United-Legende Dennis Law die "Red Devils" in die zweite englische Liga.

"Besser als United sein"

Durch die immensen Investitionen von Scheich Mansour hat City mit dem deutschen Nationalspieler Jerome Boateng aber in den letzten zwei Jahren den Abstand auf dem Rasen deutlich verkürzt, finanziell ist der Klub dem großen Bruder ohnehin Lichtjahre voraus.

"Sie werden einfach weiter Geld ausgeben, so lange, bis sie etwas gewinnen", kommentierte Ferguson das Geschäftsgebaren des Nachbarn.

"Die Situation hat sich mittlerweile verändert. Wir können besser als United sein", sagte City-Coach Roberto Mancini, der das unglückliche 0:1 im April vergessen machen will. Damals traf Paul Scholes in der Nachspielzeit.

Scholes will nur die Punkte

Jener Paul Scholes sieht das Spiel eher nüchtern. "Es geht damals wie heute nur um drei Punkte" sagte Scholes, der dann doch noch etwas Besonderes an diesem Derby findet.

"Die City-Fans erwarten jetzt einen Sieg gegen uns, das war in der Vergangenheit sicher anders", schätzt der Routinier die Lage treffend ein.

Sein Team muss gegen City auf Pechvogel Owen Hargreaves verzichten. Der Mittelfeldspieler musste sein Comeback gegen Wolverhampton nach nur sechs Minuten abbrechen und fällt weitere fünf Wochen aus.

Hart will Fans lachen sehen

City kann personell fast aus dem Vollen schöpfen. Allerdings fehlt Mario Balotelli, am Wochenende gegen West Bromwich mit zwei Treffern noch der Matchwinner, wegen eines Platzverweises aus eben jener Partie.

Torhüter Joe Hart hat trotzdem nur ein Ziel. "Für unsere Fans ist das Heimspiel gegen United das wichtigste Spiel des Jahres, wir wollen sie mit einem Lächeln auf dem Gesicht nach Hause schicken", sagte der 23-jährige.

Dann würden die "Citizens" zumindest in der Tabelle endlich in Uniteds Sphären vorstoßen.

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