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Didier Drogba wurde vergangene Saison mit 29 Treffern Torschützenkönig © imago

Nach 14 Spieltagen bietet die Premier League nur scheinbar das übliche Bild. Dabei bahnt sich ein ungewöhnliches Titelduell an.

Von Matthias Becker

München/London - Auf den ersten Blick sieht in der Premier League alles aus wie immer - und doch ist irgendwie alles ganz anders.

Der FC Chelsea und Manchester United, die Meister der vergangenen sechs Jahre, stehen in Englands Glitzerliga punktgleich an der Spitze. (DATENCENTER: Premier League)

Arsenal leidet auf Platz drei an seiner Unfähigkeit, Patzer der Konkurrenz auszunutzen und glaubt selbst wohl am Allerwenigsten daran, in dieser Saison den ganz großen Wurf landen zu können.

Der FC Liverpool ist derweil von der ersehnten 19. Meisterschaft, der ersten seit 1990, wieder Lichtjahre entfernt.

"Aura der Unverwundbarkeit zerstört"

"Epochale Veränderungen" beobachtet der "Telegraph" trotzdem: "Die Aura der Unverwundbarkeit der 'Big Four' ist zerstört, die Liga demokratisiert."

Fans und Journalisten beschäftigt eine Frage: Will denn hier niemand Meister werden?

Titelverteidiger Chelsea verlor nach furchteinflößendem Saisonstart drei der vergangenen vier Spiele. Manchester United ist zwar noch ungeschlagen, weist auswärts aber eine schaurige Bilanz von einem Sieg und sechs Unentschieden auf.

Und Arsenal leidet mal wieder an der Unfähigkeit Arsene Wengers sich neben flottem, jugendlichem Offensivfußball auch für die Defensivarbeit begeistern zu können.

Redknapp selbstbewusst

Die Schwäche der Großen, sie bietet die Chance für andere Teams, ihren Hut in den Ring zu werfen. Heißer Favorit, auch beim eigenen Trainer: Tottenham Hotspur.

"Vielleicht ist es an der Zeit, dass mal jemand anderes die Premier League gewinnt - warum soll das nicht Tottenham sein", sagt Harry Redknapp selbstbewusst:

Natürlich sei man Außenseiter, "aber mit diesen großartigen Spielern ist nichts unmöglich."

Tottenham macht alles richtig

Alles, was die Spurs anpacken, wird momentan zu Gold. In der Champions League stehen sie nach der Demontage Werder Bremens schon im Achtelfinale.

Mit Gareth Bale hat Redknapps Team den aufregendsten Spieler der Insel in den eigenen Reihen, mit Rafael van der Vaart und William Gallas die Schnäppchen des Transfersommers gelandet.

Und beim Versuch, eine neue, größere Spielstätte zu bekommen, hat Tottenham sogar zwei Optionen: Einen Ausbau des stimmungsvollen Stadions an der White Hart Lane, oder die Übernahme des neuen Olympiastadions nach den Sommerspielen 2012.

Auch Bolton überrascht

Tottenham und der Überraschungs-Fünfte Bolton Wanderers haben den englischen Fans nach der enttäuschenden WM den Spaß am Fußball zurückgebracht.

Frische Gesichter, Offensivgeist statt Kontrollfußball, dazu ein auch in der Breite gut besetzter Kader: Tottenham - zuletzt 1961 Champion - könnte tatsächlich als erst fünftes Team die Premier League erobern.

Der Rückstand des derzeit Sechsten von sechs Punkten auf Tabellenführer Chelsea ist aufzuholen.

Chelsea: Wilkins-Entlassung als Wendepunkt

Vor allem, weil die Blues sehr stark mit sich selbst beschäftigt sind. Seit der stillosen Entlassung von Assistenzcoach Ray Wilkins vor knapp drei Wochen ist Chelsea aus dem Tritt.

Gegen die Mittelklasse-Teams aus Sunderland und von Birmingham City gab es zwei Pleiten ohne eigenes Tor. In der Champions League gewann die Mannschaft von Trainer Carlo Ancelotti so gerade eben gegen Punktelieferant MSK Zilina mit 2:1.

"Wir flößen den Gegnern keine Angst mehr ein", stellte Florent Malouda danach im "Evening Standard" besorgt fest. Ohne die derzeit verletzten Stammkräfte John Terry und Frank Lampard droht bei Newcastle United der nächste Rückschlag.

Arsenal: Fabregas fehlt schon wieder

Den hat Arsenal durch die Verletzung von Schlüsselspieler Cesc Fabregas bei der peinlichen Champions-League-Niederlage in Braga (0:2) schon erlitten. "Wir haben uns vor dem Spiel unterhalten und er fühlte sich fit", rätselte Coach Wenger nach der erneuten Oberschenkelblessur seines Kapitäns.

Die "Gunners"-Fans sind vom Franzosen zunehmend genervt, fragen sich, warum er den anfälligen Fabregas nicht schonte, warum er für die erfahrenen Abwehrrecken Sol Campbell und Gallas keinen qualitativ hochwertigen Ersatz beschafft hat.

Einen vernünftigen Torwart sucht Arsenal seit dem Abschied von Jens Lehmann 2008 vergeblich.

ManUnited: Rooney ist zurück

Weil der neureiche Lokalrivale Manchester City weiterhin vor allem damit beschäftigt ist, wen man im Winter noch alles ver- und zukaufen könnte, bleibt noch Manchester United als Titelkandidat.

Der wegen des Theaters um seine Vertragsverlängerung in Ungnade gefallene Superstar Wayne Rooney hat sich endgültig bei den Fans entschuldigt und hofft, am Wochenende gegen die Blackburn Rovers sein erstes Tor aus dem Spiel heraus seit März zu erzielen.

Es würde zu United passen, in dieser vorentscheidenden Saisonphase zuzuschlagen und sich an die Spitze zu sethen.

Ein Duell zwischen "Red Devils" und Spurs ? das wäre zumindest etwas Neues.

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