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Andy Carroll feiert im November 2010 gegen Frankreich sein Debüt für England © getty

Liverpool zahlt 41 Millionen für einen Einmal-Nationalspieler mit wildem Privatleben - dahinter soll ein großer Plan stehen.

Von Martin Hoffmann

München - Sechs Flaschen italienisches Bier, zwei Gläser australisches, vier "Jägerbombs" (Mix aus Red Bull und Jägermeister) - und ein Casino-Barhocker.

Das alles zusammen hat verhindert, dass der neue Hoffnungsträger des FC Liverpool bei seinem neuen Klub am Abend gegen Stoke City (21 Uhr LIVESCORES) gleich angreifen kann.

Andy Carroll muss nämlich noch eine Oberschenkelverletzung auskurieren, die er sich bei einem Stuhlsturz nach einer nächtlichen Zech-Parade zugezogen hat - wie es die schnüffelfreudigen Reporter aus England vermeldet haben.

Eine Episode, die verdeutlicht, mit wie viel Risiko Englands Rekordmeister im Transfer-Casino spielt, um den verblassten Glanz alter Zeiten wieder aufzupolieren.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

Freizeitverhalten mit Schlagzeilenwert

Das zweite Jahr ohne Champions League in Folge droht, Superstar Fernando Torres hat sich für teures Geld Richtung Chelsea abgesetzt(DATENCENTER: Premier League).

Als Ersatz haben die "Reds" 41 Millionen für einen international fast unerprobten Youngster ausgegeben, der gar nicht nach Liverpool wollte.

Und dessen Freizeitverhalten bislang weit mehr Schlagzeilenwert hatte als sein sportliches Können.

Prügeleien, Alkohol und ein brennendes Auto

Der 22-Jährige fiel auf mit mehreren Verhaftungen und Anklagen wegen Körperverletzung, Alkohol-Exzessen und Trainingsplatzprügeleien.

Die irrste Story: Im Oktober erst wurde Carroll in einem letztlich eingestellten Verfahren wegen eines angeblichen Angriffs auf seine Ex-Freundin angeklagt.

Zwei Tage später wurde sein Auto, das er in der Einfahrt seines Teamkollegen Kevin Nolan parkte, von Unbekannten in Brand gesteckt.

Auf Gascoignes Spuren

Carroll wandelt in den Fußstapfen von Paul Gascoigne, dem (noch) berühmtesten Sohn aus seinem Heimatort Gateshead.

Liverpools Hoffnung lautet, dass er dies auch auf dem Platz tut ? wo sich der kraftvolle Youngster mit 31 Toren in 80 Spielen für Newcastle in die englische Nationalmannschaft geschossen hat.

Carroll sei ein "junger Mann mit fantastischem Talent" und eine "großartige Verpflichtung", frohlockt Trainer Kenny Dalglish.

Blick Richtung Champions League

Aber 41 Millionen Euro? Daraus spricht Verzweiflung, meinen Kritiker. Wohlmeinende sehen darin den unbedingten Erfolgshunger Dalglishs.

Der Nachfolger des glücklosen Roy Hodgson will die "Reds" von Platz sieben aus noch in die Champions League führen: "Das haben wir nicht aus unserem Gehirn rausgewaschen. Wir haben die Chance."

Sorgen sollen dafür Carroll und dessen neuer Sturmpartner Luis Suarez, der zweite teure Stareinkauf.

Vorboten für eine Großoffensive

Auch er ein Mann, der für bunte Geschichten gut ist ? man denke an die Handeinlage im WM-Viertelfinale mit Uruguay oder den Schulterbiss gegen Otman Bakkal, der ihm den Spitznamen "Kannibale von Amsterdam" einbrachte.

Trotzdem ist seine Verpflichtung weniger umstritten: Die "fantastische Verpflichtung" (Dalglish) von Ajax Amsterdam hat sich seine Sporen als Torjäger und emsige Führungsfigur schon verdient.

[kaltura id="0_jbyxt6cr" class="full_size" title="Drittligist rgert ManCity"]

Und geht es nach Dalglish sind die beiden Transfers Vorboten für weitere Großinvestitionen: "Jeder Zweifel an den Ambitionen, diesen Klub voranzubringen, sollten nun verflogen sein. Wir freuen uns darauf, uns im Sommer weiter zu verbessern."

Chelseas 85-Millionen-Stilbruch

Masterplan statt panischem Aktionismus? Liverpool muss das ebenso beweisen wie Chelsea, das mit den 85 Millionen Euro teuren Käufen von Torres und David Luiz von Benfica Lissabon einen gewaltigen Stilbruch begangen hat.

In den vergangenen zwei Jahren hatten sich die Blues auf dem Transfermarkt zurückgehalten ? und trotzdem viel Geld verloren.

Am Montag erst hatte Chelsea verkündet, in der Saison 2009/10 83 Millionen Euro Verlust angehäuft zu haben.

Wenger wundert sich

Umso mehr verwundert nicht nur Arsenal-Coach Arsene Wenger, was die Blues am selben Montag noch taten:

"Chelsea hat das Financial Fair Play unterstützt. Aber am Morgen verkünden sie 70 Millionen Pfund Verlust und am Nachmittag geben sie 75 Millionen für neue Spieler aus. Wo ist da die Logik?"

Auch bei Chelsea geht es wie bei Liverpool kurzfristig darum, gegen eine Krise in der Liga und ein drohendes Verpassen der Champions League anzuinvestieren.

Mit Aussicht auf Erfolg? Am Sonntag wird es erste Einblicke geben: Ein schöner Zufall der Spieltagsgestaltung hat der Liga da nämlich ein Duell zwischen Chelsea und Liverpool beschert.

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